Frankenstärke

Kein Verständnis für Grübels Kritik an der Nationalbank

UBS-Chef Oswald Grübel kritisiert den Entscheid der Nationalbank, eine Wechselkurs-Untergrenze für den Franken einzuführen. Für seine Kritik erntet Grübel nun selbst viel Kritik und zwar von allen Seiten.

UBS-Chef Oswald Grübel kritisiert den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Euro mit einer Wechselkursuntergrenze von 1.20 an den Franken anzubinden. In einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» sagte er, es sei ein «heldenhafter» und risikoreicher Entscheid gewesen. «Ich hätte keine Untergrenze festgelegt – sehen Sie sich nur das Grössenverhältnis des Frankens zum Euro an», so lauten Grübels Worte.

Der oberste UBS-Banker befürchtet, die fixe Untergrenze könnte sich negativ auf den Wohlstandsvorsprung der Schweiz auswirken: «Wenn wir an einem festen Wechselkurs beim Franken festhalten, wird sich das einebnen.» Die Schweiz als kleines Land könne gegenüber dem Euro keinen Wechselkurs diktieren, ist er überzeugt. «Wenn wir unsere Währung an die eines viel grösseren Währungsraumes anbinden, können wir nicht mehr sagen, wir seien unabhängig.» Das Inflationsrisiko hält Grübel allerdings «zurzeit für sehr, sehr klein».

CS-Präsident: Wirkung sichtbar

Mit dieser Ansicht scheint Oswald Grübel in der Schweiz jedoch weitgehend alleine dazustehen. Urs Rohner, Präsident der Konkurrentin Credit Suisse, sagte in der «NZZ am Sonntag», er halte den Entscheid der Nationalbank für richtig. Der Eingriff der Notenbank habe die Märkte vorderhand überzeugt. Erste konkrete Auswirkungen seien bereits sichtbar: «Unsere Analysten erwarten, dass der Euro in drei Monaten auf Fr. 1.25 und innert zwölf Monaten auf Fr. 1.30 steigen wird.»

SNB rettet Wirtschaft vor Krise

Auch Gerold Bührer, Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, ist nach wie vor «restlos überzeugt» vom Wechselkurs-Entscheid der Nationalbank. Die Güterabwägung habe klar dafür gesprochen, dass es in dieser Situation die Festlegung eines Kursziels gebraucht habe. «Bei einer dauerhaften Überbewertung des Frankens um bis zu 35 Prozent wäre die Schweizer Wirtschaft in eine erhebliche Krise gerutscht», sagt Bührer.

Grübels Befürchtung, die Schweiz verliere mit der Franken-Anbindung ihre Unabhängigkeit, teilt Bührer ebenfalls nicht. Der Economiesuisse-Präsident sagt aber auch klar: «Wir wollen keinen Beitritt zur Euro-Währungsunion. Zudem darf es auch keine dauerhafte Anbindung an den Euro geben.» Auf wie lange Zeit die Anbindung wirksam sein wird, ist unklar. Die SNB kann sich vorbehalten, in dieser Hinsicht auf klare Ansagen zu verzichten.

Auch Vertreter der exportorientierten Industrie haben kein Verständnis für Grübels Aussagen. Ivo Zimmermann, Sprecher von Swissmem, dem Verband der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie: «Wir stützen den Entscheid der Nationalbank vollumfänglich. Jede Kritik schwächt diesen Entscheid und ist zu bedauern.» Zimmermann ist überzeugt, dass es jetzt einen «Schulterschluss» der Politik mit der SNB braucht.

«Nicht Sache der Grossbanken»

Das verlangt auch der Solothurner CVP-Nationalrat Pirmin Bischof. Er fordert die geschlossene Unterstützung des Nationalbank-Entscheids, nicht nur aus der Politik, sondern auch aus der Wirtschaft: «Die SNB hat die Wechselkurs-Untergrenze im Interesse der Schweizer Wirtschaft festgesetzt. Es wäre deshalb sehr zu hoffen, dass auch sie geschlossen hinter der SNB stehen würde. Im Übrigen sei es «Sache der Schweizerischen Nationalbank, das Wechselkursziel festzulegen, nicht die der Grossbanken», kritisiert der Wirtschaftspolitiker Grübels Aussagen.

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