Brugg

«Kein Grund zur Änderung der Strategie»

Vermögensanlagen: «Im Moment wird eine defensive Strategie verfolgt», erklärt Martin Wehrli. (Louis Probst)

Martin Wehrli

Vermögensanlagen: «Im Moment wird eine defensive Strategie verfolgt», erklärt Martin Wehrli. (Louis Probst)

Der Brugger Vizeammann und Finanzminister Martin Wehrli äussert sich zur Finanzpolitik der Stadt.

Louis Probst

Die Entwicklungen auf den Finanzmärkten haben auch bei den Vermögensanlagen der Stadt Brugg deutliche Spuren hinterlassen. Auf den Anlagen von rund 40 Millionen Franken der Einwohnergemeinde mussten Wertberichtigungen im Umfang von 3,5 Millionen Franken vorgenommen werden. Darüber hinaus mussten knappe 500 000 Franken als absolute Verluste verbucht werden. Dadurch hat sich der Ertrag der Finanzanlagen der Stadt Brugg im vergangenen Jahr auf netto 1,5 Millionen Franken reduziert. Das alles hatte im Einwohnerrat zu Fragen geführt.

Happige Wertberichtigungen und ein tatsächlicher Verlust von knapp einer halben Million Franken: Ist das bloss ein Betriebsunfall oder aber ein Anlass für den Stadtrat, seine Finanzstrategie grundsätzlich zu überdenken?
Martin Wehrli: Weder noch. Aus der Situation heraus mussten wegen des Einbruches an den Finanzmärkten Wertberichtigungen vorgenommen werden. In dieser Situation haben alle Inhaber von Wertschriftenportfolios Verluste gemacht.

Also kein Grund zur Änderung der Anlagestrategie?
Wehrli: Der Stadtrat wird seine Strategie nicht ändern. Er hat sich aber überlegt, in welche Papiere künftig investiert werden soll und in welche nicht. Seit November 2007 fliessen keine neuen Mittel mehr in das Vermögensverwaltungsmandat.

Was ist unter diesem Vermögensverwaltungsmandat zu verstehen?
Wehrli: Dieses Mandat umfasst ein Portefeuille, das von einer aargauischen Bank betreut wird. Die Anlagestrategie für dieses Portefeuille - das heisst die Höhe der jeweiligen Anteile der Anlagen in Aktien, Obligationen oder Rohstoffen - wird im Rahmen der Vorgaben des BVG festgelegt. Das BVG gibt dabei die Obergrenzen der jeweiligen Anlagekategorien vor. Diese Vorgaben werden zudem von den kantonalen Stellen genehmigt. Der Spielraum des Stadtrates beschränkt sich darauf, dass er vorgibt, ob entweder eine eher aggressive oder aber eine eher defensive Anlagestrategie verfolgt werden soll.

Sind diese Anweisungen inzwischen geändert worden?
Wehrli: Im Moment wird eine defensive Strategie verfolgt. Das heisst, dass Umschichtungen nicht allzuschnell erfolgen sollten. Ein Ausstieg aus bestimmten Papieren bringt unter Umständen nichts - ausser realisierten Verlusten.

Weshalb die Aufteilung der Vermögenswerte in ein extern betreutes Portfolio und in Anlagen, die von der Stadt in Eigenregie betreut werden?
Wehrli: Das hat einen einfachen Grund: Das Portfolio des Verwaltungsmandates umfasst die längerfristigen Anlagen. Die kurzfristigen Anlagen tätigen wir selber. Denn diese Mittel müssen verfügbar sein, um die laufende Liquidität sicherstellen zu können.

Wie sieht die Aufteilung rein zahlenmässig aus?
Wehrli: Die eigenen Anlagen belaufen sich auf rund 10 Millionen Franken. Sie teilen sich auf in einen Aktienanteil von rund 400 000 Franken. Die übrigen 9,6 Millionen Franken entfallen auf Festgelder in den Jahren 2007 und bis Mitte 2008, Pfandbriefdarlehen an Gemeinden, auf ein Darlehen an die IBB Gruppe sowie auf Obligationen.

Wo mussten die Verluste realisiert werden? Ist auch die Stadt Brugg das Opfer von Lehman Brothers oder Bernard Madoff geworden?
Wehrli: Man muss sich das nicht so vorstellen, dass es sich bei den realisierten Verlusten um Totalabstürze von Papieren handelt. Wir hatten zwar Papiere isländischer Banken im Wert von wenigen tausend Franken im Portefeuille. Da wird wohl kaum mehr etwas zu holen sein. Der grösste Teil der realen Verluste ist aber dadurch entstanden, dass Wertpapiere unter dem Einstandspreis verkauft worden sind.

Also Notverkäufe zur Schadensbegrenzung?
Wehrli: Nein. Das waren normale Umschichtungen. Mit Ausnahme der Papiere der isländischen Banken hatten wir keine Papiere, bei denen wir einen Totalverlust hinnehmen mussten - weder solche von Lehman Brothers noch solche von Madoff.

Und die Wertberichtigungen? Wo sind die nötig geworden?
Wehrli: Die Wertberichtigungen stammen allein aus dem Vermögensverwaltungsmandat. Und zwar bei den Aktien- wie bei den Obligationenbeständen.
Zum Ausgleich der Wertberichtigungen sind die Wertschwankungsreserven herangezogen worden.

Wie wirkt sich das aus?
Wehrli: Die Wertschwankungsreserven sind aus den Überschüssen der Vorjahre gespeist worden. Der Stadtrat hat die Obergrenze des Bestandes auf 6,5 Millionen Franken festgelegt. Nach dem Rückgriff ist der Reserve aus dem Ergebnis des letzten Jahres wieder eine Million Franken zugewiesen worden. Der Bestand der Wertschwankungsreserve beläuft sich damit auf rund 3,5 Millionen Franken.

Werden jetzt durch den Mechanismus von Wertberichtigung und Wertschwankungsreserve stille Reserven generiert?
Wehrli: Es wäre übertrieben, dies so darzustellen. Die Wertschwankungsreserven dienen der Korrektur der Schwankungen auf den Aktien- und Obligationenmärkten.

Im Einwohnerrat ist die Forderung erhoben worden, dass der Stadtrat in Sachen Finanzanlagen kreativer werden sollte. Nicht im Hinblick auf eine möglichst grosse Rendite, sondern auf Nachhaltigkeit. Ist jetzt der Moment dafür gekommen?
Wehrli: Man kann dazu auch eine andere Überlegung anstellen: Ist die Stadt Brugg der richtige Investor beispielsweise für Alterswohnungen (wie das im Einwohnerrat vorgeschlagen worden ist, Red.)? Ich bin nicht dieser Ansicht. Ich will damit aber nicht sagen, dass sich die Stadt nicht an solchen Projekten beteiligen soll. Der Stadtrat hat vor vier Jahren erklärt, dass das Vermögen der Stadt nicht unter einen Bestand von 20 Millionen Franken fallen sollte. Daran hat er bisher festgehalten. Der Stadtrat geht davon aus, dass in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen anstehen. Rund 20 Millionen Franken entfallen dabei allein auf bewilligte Projekte im Zusammenhang mit Vision Mitte. Weitere Projekte werden folgen. Dadurch wird sich das Vermögen automatisch verringern. Und damit nehmen auch die Finanzerträge ab. Wie übrigens auch die Steuererträge in den nächsten zwei Jahren. Eine grundsätzliche Änderung der Strategie bei den Finanzanlagen ist daher zurzeit nicht nötig.

Also hofft der Stadtrat auch auf eine Erholung der Märkte und damit auf eine automatische Korrektur der Wertberichtigungen?
Wehrli: Unsere Strategie beruht nicht auf dem Prinzip Hoffnung. Wir gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft und damit auch die Wertpapiere erholen werden.

Meistgesehen

Artboard 1