Bauwirtschaft

Kein Ende des Immobilien-Booms in Sicht

Wachstumsbranche: Der im Bau befindliche Roche-Turm in Basel Anfang Januar 2014.

Wachstumsbranche: Der im Bau befindliche Roche-Turm in Basel Anfang Januar 2014.

Wer durch das Mittelland, durchs Baselbiet oder Basel fährt, sieht sie überall: Die Dutzenden von Baukranen in der Nordwestschweiz sind nicht zu übersehen. Und vielerorts sind es Projekte in Rekordgrösse. Tiefe Zinsen kurbeln die Branche weiter an.

Wer durch das Mittelland, durchs Baselbiet oder Basel fährt, sieht sie überall: Die Dutzenden von Baukranen in der Nordwestschweiz sind nicht zu übersehen. Und vielerorts sind es Projekte in Rekordgrösse.

In Schafisheim, der grössten privaten Baustelle der Schweiz, errichtet Coop ein neues Verteilzentrum und eine Grossbäckerei. 600 Millionen Franken werden hier verbaut.

In Basel wächst der Roche-Turm. Er ist bei rund 90 Metern angelangt. Mit seinen 175 Metern wird es das höchste «bewohnte» Gebäude in der Schweiz sein. Die Investition beläuft sich auf 550 Millionen, 2015 soll es bezugsbereit sein.

Auch der Wohnungsbau hat Drive. Die Projektentwicklerin und Totalunternehmung Losinger Marazzi AG ist mit der konjunkturellen Lage zufrieden. «Wir haben sehr viel zu tun», sagt Benoît Demierre, Niederlassungsleiter Basel, «und zwar über das Jahr 2014 hinaus.» Dies sei unter anderem auf einige Grossprojekte zurückzuführen, so zum Beispiel auf die beiden nachhaltigen Quartiere «Im Lenz» auf dem ehemaligen Hero-Gelände in Lenzburg mit 500 Wohnungen und Büroflächen und «Erlenmatt West» in Basel mit fast 600 Wohnungen. Die Ausführungsarbeiten wurden auf diesen beiden zertifizierten 2000-Watt-Arealen im vergangenen Jahr gestartet.

Auch was zukünftige Projektentwicklungen anbelangt, hat Losinger Marazzi gute Perspektiven. Ähnliches ist vom ebenfalls schweizweit tätigen Unternehmen Implenia zu hören: «Wir haben eine gute Ausgangslage für das laufende Jahr.»

Mildes Winterwetter

Der Bauunternehmerverband der Region Basel zeichnet die Lage auch in hellen Farben. 2013 werde wohl ähnlich wie das Rekordjahr 2011 ausfallen, sagt Geschäftsleiter Theodor Häner zur «Nordwestschweiz». «Die Umsatzzahlen stimmen, im Hochbau sind die Bücher gut gefüllt», sagt er.

Im Tiefbau stünden zahlreiche Infrastrukturprojekte an, wie Erschliessungsbauten. Die starke Nutzung der Strassen würde Unterhaltsarbeiten nötig machen. In der Nordwestschweiz blicke die Branche auch darum erwartungsvoll in die Zukunft, weil die Zinsen allem Anschein nach tief blieben. Was die Auftraggeber freut, macht den Baufirmen hingegen zu schaffen: Wegen der scharfen Konkurrenz blieben die Preise tief, sagt Häner. «Der Wettbewerb spielt auch hier.»

Abflachender Boom

Im neuen Jahr habe der Bau rasch an Fahrt aufgenommen, sagt Häner und bestätigt die Aussagen vieler Baufirmen und Bauherren. «Sicher hat das milde Wetter einen positiven Einfluss auf die Terminpläne. Der Winter ist aber noch nicht vorbei. Daher ist eine Bilanz heute noch zu früh», heisst es bei Losinger Marazzi.

Etwas weniger euphorisch sind die Experten der Konjunkturforschungsstelle der ETH und der Credit Suisse. Die Werte des KOF-Baublatt-Indikators vom November deuteten bereits auf eine rückläufige Entwicklung der Bautätigkeit hin. Nach dem starken Anstieg des Indikators im ersten Halbjahr 2013, ausgelöst durch vorgezogene Projekte im Rahmen der Zweitwohnungsinitiative und einer hohen Nachfrage nach Wohnliegenschaften, entwickelt sich dieser Indikator seit mehreren Monaten rückläufig.

Die CS meldete Ende November, dass der Bauindex im vierten Quartal stagniert hat. Der Ausblick bleibe aber bis Ende 2014 positiv. Der grosse Bedarf an Infrastrukturneubauten und Unterhalt stabilisiere die Indexkomponente Tiefbau auf hohem Niveau, so die Experten. Die kurzfristigen kantonalen Ausgabenbeschränkungen dürften die langfristig geplanten öffentlichen Bauprojekte nicht tangieren.

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