Immobilien

Kaufen ist nicht die halbe Miete: Hausbesitzer leben günstiger, aber riskanter

Die monatlichen Wohnkosten von Eigentümern belaufen sich im Mittel auf 1500, jene von Mietern auf knapp 2000 Franken – eine Differenz von 6000 Franken pro Jahr.

Die monatlichen Wohnkosten von Eigentümern belaufen sich im Mittel auf 1500, jene von Mietern auf knapp 2000 Franken – eine Differenz von 6000 Franken pro Jahr.

Eigenheimbesitzer können monatlich zwar Geld sparen, aber ihr Risiko ist deutlich höher geworden.

Dank hartnäckig tiefer Hypothekarzinsen haben die Eigenheimbesitzer der Schweiz im Schnitt um ein Drittel tiefere Wohnkosten als Mieter. Das zeigt eine Umfrage des Hypothekarspezialisten Moneypark und des Maklernetzwerks alaCasa.ch. Die monatlichen Wohnkosten von Eigentümern belaufen sich im Mittel auf 1500, jene von Mietern auf knapp 2000 Franken – eine Differenz von 6000 Franken pro Jahr.

Ende Monat mehr in der Tasche

Am grössten ist der Unterschied bei Einfamilienhäusern mit monatlich 800 Franken, die Mieter «zu viel» zahlen. Es erstaune daher nicht, dass rund siebenmal so viele Menschen in der Schweiz in einem eigenen Haus leben als in einem Miethaus, schreibt Moneypark. Doch auch in Eigentumswohnungen lebt es sich am Ende des Monats günstiger als in der Mietwohnung. Die Schweizer Wohneigentumsquote steigt seit Jahren. Kann man sich also mit dem Traum der eigenen vier Wänden gleich auch den Spartraum erfüllen?

Das Hauptargument für Eigentum sind die tiefen Hypothekarzinsen. Mit einer Festhypothek kann man sich für zehn Jahre einen Jahreszins von 1 Prozent oder weniger sichern – im Durchschnitt gut 1,4 Prozent. Die Sätze notieren aktuell über alle Laufzeiten auf absoluten Rekord-Tiefstständen, rechnet Moneypark vor.

Doch genau hier liegt auch die Krux. Zur Vorsicht mahnt Claudio Saputelli, Immobilienexperte bei UBS. Es stimme zwar, dass derzeit das Kaufen im Vergleich zum Mieten im gesamtschweizerischen Durchschnitt günstiger sei. Doch mit den hohen Preisen habe sich auch das Risiko eines Kaufs massiv erhöht in den letzten Jahren. Wenn man das einrechne, dürfte die Differenz weit geringer ausfallen oder gar in die andere Richtung gehen.

Ende Monat ist also nicht das Ende der Geschichte – gerade nicht beim Wohnen.

Notfalls die Küche abstossen?

Auch die regionalen Unterschiede sind nicht vernachlässigbar, wie eine UBS-Studie letztes Jahr zeigte, als der Erwerb von Wohneigentum erstmals billiger wurde als die Miete und Zeitungen titelten «Kaufen ist halb so teuer wie Mieten». Schon damals galt das nicht überall: Bei Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern war Brugg AG aus Käufersicht am attraktivsten. Absolut am meisten Ersparnisse liessen sich mit einem Kauf in Schlieren ZH verwirklichen. An der Zürcher Goldküste verhielt es sich allerdings umgekehrt. Am besten waren die Mieter gegenüber Käufern dort in Meilen ZH gestellt. Klar, mag man denken: Der typische Immobilienkäufer der Goldküste rechnet die Steuerersparnis ein und ist bereit, umso mehr für die Immobilie zu zahlen. Das macht das Mieten attraktiver. Doch auch in Binningen BL oder Locarno TI waren die Kosten bei Kauf höher als bei Miete.

Immobilien entwickeln sich in Rezessionszeiten zwar stabiler als Aktien, werden jedoch meist auf Kredit erworben. Brechen Aktien um 20 Prozent ein, so verliert der Investor diesen Wert. Der gleiche Preiseinbruch bei Immobilien löscht dagegen bei einem mit 80 Prozent belehnten Haus das gesamte Eigenkapital aus. Das kann zum Verlust des Wohneigentums führen. Investitionen in Immobilien verschlingen zudem verhältnismässig grosse Summen, es entsteht ein Klumpenrisiko. Und ganz wichtig: Immobilien sind hochgradig illiquid. Ein Verkauf kann sich über Monate oder Jahre hinziehen. Erleidet ein Eigentümer einen Liquiditätsengpass, kann er nicht einfach ein oder zwei Zimmer seines Hauses verkaufen, gibt UBS zu bedenken. Der Kauf von Eigenheimen wurde durch die fallende Zinsen der letzten 20 Jahren begünstigt. Eine Trendwende der Zinsen könnte das Ergebnis der Kostenvergleichsrechnung wieder zugunsten des Mietwohnungsmarkts drehen.

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