Schmolz+Bickenbach

Kann Stahlhersteller gerettet werden? Protagonisten gehen vor Showdown in die Offensive

Wie geht es weiter im Stahlwerk von Schmolz+Bickenbach in Emmenbrücke? Am Montag findet eine ausserordentliche Generalversammlung statt.

Wie geht es weiter im Stahlwerk von Schmolz+Bickenbach in Emmenbrücke? Am Montag findet eine ausserordentliche Generalversammlung statt.

Kurz vor dem Showdown im Machtkampf um den taumelnden Luzerner Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach gehen die beiden sonst öffentlichkeitsscheuen und milliardenschweren Kontrahenten in die PR-Offensive.

Beide warben vor der ausserordentlichen Generalversammlung vom Montag in Emmenbrücke persönlich für ihre Standpunkte.

Hier der russische Oligarch Viktor Vekselberg, via die Beteiligungsgesellschaft Liwet mit 26,9 Prozent grösster Aktionär an Schmolz+Bickenbach, da Amag-Besitzer Martin Haefner mit 17,5 Prozent zweitgrösster Aktionär.

liess sich Ersterer am Freitag im Wirtschaftsmagazin «Bilanz» verlauten. 800 Arbeitsplätze in Emmenbrücke und Luzern würden auf dem Spiel stehen, so Vekselberg, der 2013 mit einem überraschenden Manöver bei Schmolz+Bickenbach eingestiegen war.

Keine grossen Hoffnungen in die Gespräche der zerstrittenen Aktionäre hat Marcel Imhof (71). Der langjährige CEO von Swiss Steel und COO von Schmolz+Bickenbach glaubt nicht, dass Vekselberg mit offenen Karten spielt. «Seine Absichten waren schon 2013, als er sich die Mehrheit an Schmolz+Bickenbach gesichert hat, schwer zu durchschauen und sein damaliges Vorgehen handstreichartig», sagt Imhof. Schon damals habe sich Vekselberg als Retter der Firma dargestellt, obwohl seine Versprechungen kaum realisiert worden seien.

Vekselberg ist gegen eine Lösung, die einen Kontrollwechsel über das Unternehmen beinhaltet

Mit einem offenen Brief in den Sonntagsmedien doppelte Viktor Vekselberg gestern nach. Liwet zeige sich bereit, Geld einzuschiessen, allerdings lediglich «soviel wie wirklich notwendig ist, damit die Firma überleben kann», hiess es im ganzseitigen Schreiben. Und: Die Lösung dürfe keinen Kontrollwechsel zur Folge haben, so der russische Oligarch.

Genau dies fordert jedoch der Sanierungsplan von Martin Haefner. Er gab in der «NZZ am Sonntag» ein grosses Interview, um für sein Vorhaben zu werben. Dieses sieht eine Kapitalerhöhung von mindestens 325 Millionen Franken vor. Haefner hat selber zugesagt, diesen Betrag einzuschiessen – unter der Voraussetzung, dass er danach mindestens 37,5 Prozent des Kapitals kontrollieren wird.

macht er klar. Mit einer solchen Hochrisiko-Investition möchte er auch die Kontrolle erlangen; das müsse Liwet akzeptieren.

Der stattfindende Kontrollwechsel von Liwet zu zur BigPoint Holding von Haefner ist aber der Schwachpunkt am Plan. Dadurch würde eine in den Anleihebedingungen verankerte Kontrollwechselklausel auslöst. Diese kommt zum Zug, wenn ein neuer Aktionär die Grenze von 33,333 Prozent an S+B überschreitet.

Wenn die Kontrolle wechselt, muss das Unternehmen über 300 Millionen Franken zurückbezahlen

Der Stahlhersteller hat 350 Millionen Euro via Anleihe aufgenommen, diese würden bei einem Kontrollwechsel fällig. «In dem Fall muss S+B die bis Mitte Juli 2022 laufende Anleihe über 350 Millionen Euro sofort zurückzahlen, und zwar zu einem Kurs von 101 Euro», sagt Maurice Pedergnana, Wirtschaftsprofessor am Institut für Finanzdienstleistungen Zug. Das ist so in den Anleihebdingungen festgehalten. Ein gutes Geschäft für die Anleihehalter, da die Anleihe am Freitagnachmittag bei einem Kurs von knapp 82 Euro notierte. Das Wirtschaftsportal «the market» hat vorgerechnet, dass der Stahlhersteller dann auf einen Schlag 385 Millionen Franken an die Anleihehalter bezahlen müsste – also 6o Millionen mehr als Haefner einschiessen würde. Das Unternehmen bräuchte also sofort wieder neues Geld. Haefner will «für den Fall der Fälle S+B zusätzlich zum Eigenkapital ein Brückendarlehen im hohen zweistelligen Millionenbereich gewähren».

Haefner warnt gar vor Konkurs

Haefner warnte einem Gespräch mit CH Media gar vor einem Konkurs des Stahlherstellers, falls seine Lösung nicht zum Tragen kommt. Als Aussenstehender sei es schwierig dies zu beurteilen, sagt Marcel Imhof. Er hat jedoch bei S+B mehrere Krisen miterlebt. «Das Auf-und-Ab, die verschiedenen Konjunkturzyklen, das gehört zum Stahlgeschäft», sagt er. Aktuell stecke das Unternehmen wieder in einem Tal - «insbesondere weil die Automobilindustrie in einer Krise steckt und die E-Mobilität eine zusätzliche Herausforderung darstellt». Imhof ist aber überzeugt, dass das Unternehmen zumindest operativ wieder Tritt finden werde. Die Verschuldungssituation schätzt er jedoch als «sehr ernst» ein. Ebenso sei der Eigenkapitalwert mit 11 Prozent sehr tief. «Wir hatten früher bereits bei höheren Werten grossen Ärger mit den Banken.» Die Situation sei «sicher ungemütlich» fürs Management. Die Firma brauche dringend frisches Kapital. Imhof hält deshalb den Sanierungsplan von Haefner für «vernünftig und notwendig».

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser mit seinem Vorhaben durchkommt, scheint dennoch gering. Liwet lehnt den Rettungsplan ab. Zwar gibt es übers Wochenende Verhandlungen für einen «Last Minute Deal» - allerdings ohne bisherige Einigung. Die Seite Vekselberg schmiedet gemäss «Sonntagszeitung» zudem an einem Geheimplan, den sie als Antrag an der Generalversammlung einbringen will. Die Verhandlungen gehen bis am Montagmittag weiter.

Generalversammlung soll stattfinden, auch wenn der Entscheid der Finanzmarktaufsicht noch ausstehend ist

Hinzu kommt, dass Haefners Rettungsplan unter Vorbehalt steht. Die Übernahmekommission hat ihn vor Wochenfrist nämlich abgelehnt, wogegen S+B und der Investor opponiert haben. Die Finanzmarktaufsicht Finma prüft nun den Rekurs. Sie hat allerdings am Freitag vermeldet, dass sie ihren Entscheid erst bis am 9. Dezember vorlegen wird. S+B will trotz des ausstehenden Entscheids an ihrer Generalversammlung von morgen festhalten und über eine Kapitalerhöhung abstimmen lassen, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt.

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