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Kampfansage an Easyjet: Die Swiss versucht es mit tiefen Preisen

In Genf startet Swiss eine Preisoffensive und tritt damit gegen Marktführer Easyjet an.MARTIAL TREZZINI/Keystone

In Genf startet Swiss eine Preisoffensive und tritt damit gegen Marktführer Easyjet an.MARTIAL TREZZINI/Keystone

Die Swiss führt Billigtarife ein. Und Easyjet kostenpflichtige Sitzreservationen. Im oberen Preissegment nähern sich die Tarife sogar an, wie der Vergleich zeigt. Die Genfer Preisoffensive erinnert an diejenige von 2007 in Basel.

Aus Sicht des Konsumenten gabs diese Woche Grund zur Freude: Bei Swiss sind Einfach-Tickets nicht mehr tabu. Und vor allem: Sie sind bezahlbar, teilweise sogar richtig günstig. Das neue Preisregime der Swiss, welches am Dienstag vorgestellt wurde, gilt aber vorerst nur für Flüge ab Genf.

Auch wenn das Swiss nicht offiziell sagt: Das ab September geltende neue Preismodell ist eine klare Antwort auf Easyjet, die sich in Genf (und auch in Basel) in den vergangenen 10 Jahren zum Anbieter Nummer eins emporgeschwungen hat.

Spannend: Während Swiss in Billigsphären abtaucht, passiert bei Easyjet genau das Gegenteil. Die Briten veredeln ihr Produkt und bieten flexible Tarife und Sitzplatzreservationen und Kundenkarten mit Spezialprivilegien an – gegen Aufpreis, versteht sich. Auch in diesem «Upgrade»-Bereich gleichen sich die Tarife von Easyjet und Swiss teilweise fast an, wie eine Preisstichprobe der «Nordwestschweiz» vom 6. Dezember 2012 für die Strecke Basel–London zeigte. In mindestens einem Fall war Swiss sogar günstiger. Und dies trotz inbegriffenem Catering und der Tatsache, dass Swiss zum zentral liegenden City Airport fliegt.

Überdies stockt Swiss in Genf ihr Programm massiv auf. Neu angeflogen werden Stockholm, Oslo, London Gatwick, Göteborg, Belgrad, Marrakesch. Ausgenommen von den tiefen Preisen sind Barcelona, Moskau, St. Petersburg und Zürich.

Die Tarife für die günstigste Buchungsklasse beginnen bei 39 Franken pro Weg, sie sind nicht umbuchbar, es ist nur Handgepäck erlaubt. Der Tarif heisst «Geneva Economy Light». Wer ein umbuchbares Ticket braucht oder Gepäck aufgeben will, zahlt ab 89 Franken pro Weg («Geneva Economy Flex»). Wir machten gestern eine weitere kleine Stichprobe. Am 17. Oktober kostet der Flug nach London-Gatwick 140 Franken retour (morgens hin, abends zurück).

Easyjet verlangt für den Flug (gleiches Datum, ähnliche Flugzeiten) 120 Franken. Am 14. Dezember kostet dieselbe Verbindung bei Swiss 118 Franken, bei Easyjet 88 Franken. Bei Swiss ist in den Preisen allerdings immer Bordverpflegung inbegriffen. Der Swiss-Flug Genf–Stockholm kostet 236 Franken retour (18.10. hin, 21.10 zurück). Easyjet kostet zwar nur 100 Franken, aber der Flug geht so früh morgens los, dass man es ab Aarau oder Basel mit dem öffentlichen Verkehr nicht schafft (vgl. Box).

Damit das Genfer Swiss-Modell Bestand hat, muss Swiss Geld verdienen. Und das hänge davon ab, ob es ihr gelinge die Produktivität zu steigern, sagt der österreichische Aviatikexperte Kurt Hofmann. Da müsse auch das Personal seinen Beitrag leisten. Durch den verbesserten Einsatz der Flotte (längere Flugzeiten pro Tag, wegfallen von Dreiecksflügen) könne die Produktivität erhöht werden. Ganz wichtig ist für die Fluggesellschaft auch die Frage, wie die neuen Destinationen vom Markt aufgenommen werden und ob der Mix von tiefen und höheren Preisen stimmt.

Die Genfer Preisoffensive erinnert an diejenige von 2007 in Basel. Auch dort eröffnete Swiss auf einen Schlag sechs neue Europa-Destinationen, unter anderem Manchester, Warschau, Budapest, Prag und Nizza. Der Retourflug war ab 99 Franken zu haben. Später kamen Belgrad und Venedig dazu. Ausser Prag wurden alle wieder aufgegeben, weil sie nicht rentierten.

Hofmann meint, dass die Swiss vom Beispiel Basel gelernt habe. Zudem fliegt Swiss ab Basel mit den Jumbolinos. Diese sind im Betrieb teurer als die Airbusse, die Swiss in Genf betreibt.

Ausdehnung auf Basel und Zürich?

Und warum wird der Oneway-Tarif nicht in Zürich eingeführt? Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek: «Da wir von Genf aus keinen Hub (Anschlussverkehr, die Red.) betreiben, sondern Punkt-zu-Punkt-Verkehr, können wir in Genf flexibler reagieren. Je nach unseren Erfahrungen mit den neuen Angeboten ab Genf kann es durchaus sein, dass wir unsere Angebote mittel- bis langfristig auf Basel und Zürich übertragen, immer entsprechend den Marktbedingungen.»

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