Kälte heizt die Heizöl-Hausse an

Heizöl-Hausse: Nach den Rekordständen im Jahr 2008 erholt sich der Brennstoff-Preis nun langsam wieder.

Kälte heizt die Heizöl-Hausse an

Heizöl-Hausse: Nach den Rekordständen im Jahr 2008 erholt sich der Brennstoff-Preis nun langsam wieder.

Die Eiseskälte hat Europa und die US-Ostküste fest im Griff. Die gestiegene Nachfrage befeuert die Heizöl-Preise weltweit. Doch auch die heimische CO-Abgabe, die seit Anfang Jahr gilt, schenkt massiv ein.

Sven Millischer

Kosteten im Dezember 100 Liter Heizölfür einen Einfamilienhaus-Tank 77 Franken, so sind heute 89 Franken fällig. Dies entspricht einem satten Aufschlag von 15 Prozent. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig.

Da sind zunächst die Wetterkapriolen anzuführen. Der strenge Winter in der nördlichen Hemisphäre lässt den Verbrauch zumindest kurzfristig ansteigen. Auf den Frühling hin wird sich dieser Preistreiber aber wieder abschwächen. Zumal die Heizöl-Lager nach wie vor gut gefüllt sind. Und die Nachfrage in der Schweiz aufgrund der schwachen Konjunkturaussichten weiter stagnieren dürfte.

Den Heizöl-Preis ebenfalls befeuert hat Chinas Wirtschaftsmotor, der stetig an Fahrt gewinnt. Die Nachricht, dass das Reich der Mitte Deutschland als «Exportweltmeister» im letzten Jahr abgelöst hat, beflügelt die Fantasie der Anleger. «Die Märkte sind wieder euphorisch», sagt Rolf Hartl von der Erdöl-Vereinigung. Die Finanzakteure hätten Rohstoffe als Anlageklasse erneut für sich entdeckt. Vor allem Banken, Öl-Fonds sowie institutionelle Anleger wetten wieder auf die Hausse bei den fossilen Brennstoffen.

Preisschub wegen Umweltabgabe

Und so stürzt sich der Markt derzeit auf jede positive Nachricht, die eine konjunkturelle Erholung und damit einen gestiegenen Energiehunger anzeigt: «Der Ölmarkt ist sehr informationsgierig.» Da stecke viel Erwartungshaltung drin, meint der Mineralöl-Händler Richard Tschümperlin: «Nachdem die Aktienmarkt an Fahrt verliert, wendet man sich nun den Rohstoffen zu.»

Auch Martin Gautschi, Geschäftsleiter beim Heizöl-Lieferanten Voegtlin-Meyer, geht davon aus, dass etwa 40 Prozent des Preisanstiegs seit Dezember auf spekulative Tendenzen zurückzuführen sind: «Die restlichen 60 Prozent haben wir der CO-Abgabe zu verdanken», sagt Gautschi. Seit 1.Januar schlägt die Abgabe nämlich mit Fr. 9.50 pro 100 Liter statt den bisherigen Fr. 3.18 zu Buche. Diese Verdreifachung entspricht einem Kaufkraftverlust von rund einer halben Milliarde Franken (siehe Box).

Nun scheint der Plafond jedoch erreicht. Keiner der befragten Heizöl-Lieferanten rechnet mit einer sich fortsetzenden Rally: «Der Rohöl-Preis pro Barrel dürfte sich bei 80 Dollar einpendeln», ist Rolf Hartl überzeugt. So hätten sich die Opec-Staaten auf ein Preisband zwischen 70 und 80 Dollar geeinigt. Dies, um die Nachfrage nachhaltig zu stützen, denn beim schwarzen Gold bestünde nach wie vor ein Überangebot. Zumal der anhaltend schwache Dollar weiter dämpfend wirkt.

Allerdings bildet sich im Rohöl-Preis auch stets das politischenWeltgeschehen ab: Unruhen in Iran, der Pipeline-Streit zwischen Weissrussland und Russen oder die Furcht vor Inflation. Die Preisentwicklung beim schwarzen Gold abzuschätzen, ist ein Vabanque-Spiel.

Auf Ostern zieht Nachfrage an

So weit die Preisbildung beim Rohstoff. Daneben bestimmen beim Heizöl auch die Frachtkosten bis zum Endverbraucher den Schlusspreis. Im vergangenen Herbst beispielsweise schnellte die Frachtrate auf über 80 Franken pro Tonne hoch. Der Grund: Der Rhein führte damals so wenig Wasser wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die Schifffahrt war stark eingeschränkt. Mit den ergiebigen Niederschlägen im letzten Monat hat sich die Situation zwar wieder entspannt. Derzeit kostet die Fahrt von Rotterdam nach Basel noch 20 Franken pro Tonne. Doch der Pegel sei für die Jahreszeit ausserordentlich tief, mahnt Martin Gautschi: «Bleiben die Temperaturen weiterhin tief und fällt der Niederschlag nur gering aus, dürften die Frachtraten wieder anziehen.»

Was bedeutet dies nun für die Konsumenten? Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, den Tank zu nachfüllen? Brennstoff-Händler Richard Tschümperlin rät, beim Kauf ruhig zuzuwarten: «Geht einem nicht gerade das Heizöl aus, sollte man warten, bis die Kälte sich gelegt hat.» Auf Ende Monat rechnet Richard Tschümperlin mit leicht rückläufigen Heizöl-Preisen, wenn sich das Thermometer wieder über null Grad einpendelt: «Anziehen werden die Preise erst wieder mit Beginn der Reisesaison auf die Ostern hin.»

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