Jungsozialisten blasen zum Angriff auf die Managerlöhne

Wie viel darf der Spitzenverdiener einer Firma in der Lohntüte haben? Höchstens zwölfmal so viel wie der Angestellte mit dem tiefsten Lohn, fordern die Jungsozialisten.

Hans-Peter Wäfler

Cédric Wermuth, umtriebiger Chef der Jungsozialisten, ist in Angriffslaune. «Endlich geht es los», sagt er. Heute wird der Text der Volksinitiative «Für gerechte Löhne» im Bundesblatt veröffentlicht. Und heute um 11 Uhr starten die Jungsozialisten auf dem Bahnhofplatz in Bern die Unterschriftensammlung. Weiter geht es mit Sammel-Aktionen morgen auf dem Paradeplatz in Zürich.

Mit ihrer Initiative wollen die Jungsozialisten Lohnexzessen einen Riegel schieben und stattdessen für «gerechte Löhne unten und oben» sorgen:

In einem privaten oder öffentlichen Unternehmen darf der höchste Lohn nicht höher sein als das Zwölffache des tiefsten Lohnes, einschliesslich Boni oder Sachleistungen wie Geschenke. Um Stellen von Praktikanten, Lehrlingen oder Menschen mit geschützten Arbeitsplätzen nicht zu gefährden, soll der Bund Ausnahmebestimmungen erlassen, damit deren Lohn nicht zur Bestimmung des Tiefstlohnes in einer Firma herangezogen wird.

Dass ein staatlich festgelegter Faktor 12 für die höchst- zulässige Lohnschere in einer Firma letztlich eine willkürliche Bandbreite sei, räumt auch Wermuth ein. Eine Begründung für das Verhältnis 1:12 hat er gleichwohl parat: «Wir wollen nicht, dass jemand in einem Monat mehr verdient als jemand anderer in einem ganzen Jahr.»

Dies würde das Lohngefüge von Firmen in der Schweiz tiefgreifend verändern. So hat die Gewerkschaft Travail Suisse berechnet, dass im Jahr 2008 beim Pharmaunternehmen Novartis die Lohnschere um das Verhältnis 1:720 auseinanderklaffte. CEO Daniel Vasella bekam 40,3 Millionen Franken, der Angestellte mit dem tiefsten Lohn 56 000 Franken. Käme die Juso-Initiative durch, würde Vasella noch 672 000 Franken verdienen - oder der Angestellte mit dem Tiefstlohn könnte sich über 3,4 Millionen Franken Jahreslohn freuen.

Den Einwand, dass grosse Firmen ins Ausland abwandern würden, kontern die Jungsozialisten so: Die «1:12»-Initiative tangiere Faktoren nicht, die für die Standortwahl entscheidend seien - tiefe Gewinnsteuern in der Schweiz oder gute internationale Verkehrsverbindungen.

Minder-Initiative keine Alternative

Während die Jungsozialisten jetzt Unterschriften sammeln, hat ein anderer seine Volksinitiative bereits vor einem Jahr eingereicht: Der Unternehmer Thomas Minder will mit mehr Aktionärsrechten «gegen die Abzockerei» vorgehen. Kernpunkt seiner Initiative ist, dass die Generalversammlung eines Unternehmens jährlich über die Gesamtvergütung von Verwaltungsrat, Geschäftsleitung und Beirat abstimmen soll. Für Juso-Chef Wermuth ist dies aber keine Alternative zu seiner Initiative: «Es bringt nichts, den Aktionären mehr Macht zu geben. Die Demokratie muss die Spielregeln in der Wirtschaft bestimmen.»

18 Monate bleibt den Jungsozialisten nun, um 100 000 gültige Unterschriften für ihre Initiative zu sammeln. Dass dies gelingt, ist für Wermuth keine Frage: «Spreche ich mit Leuten auf der Strasse, höre ich immer wieder, dass unser Weg richtig ist.»

Meistgesehen

Artboard 1