Bald vier Jahre ist es her, als der frühere Flughafen-Chef Josef Felder das Stiftungsratspräsidium von Pro Juventute übernahm. Sein ausgegebenes Ziel damals: «Pro Juventute nachhaltig finanzieren und die Leistungen enger mit der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand verknüpfen.»

Im Jahr 2011 hat die Stiftung, die sich für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz einsetzt, zum ersten Mal seit 15 Jahren kein Defizit ausgewiesen. Bei einem operativen Aufwand von 18,728 Millionen Franken blieben unter dem Strich 16000 Franken übrig. Felder nennt der az drei Hauptgründe für die Gesundung: «Wir haben die Mittelbeschaffung intensiviert, aktiver kommuniziert und eine Umstrukturierung der Organisation vorgenommen.»

Ein breit vernetzter Chef

Bei der Mittelbeschaffung konnte Josef Felder sein breites Beziehungsnetz einsetzen. Felder ist Profi-Verwaltungsrat und sitzt im höchsten Gremium von nicht weniger als 9 Schweizer Firmen. Darunter so namhafte Unternehmen wie die Amag, Edelweiss oder die Luzerner Kantonalbank. «Die Arbeit der Geschäftsleitung und des Stiftungsrates als Team ist entscheidend. Es zählt einzig, dass die Stiftung als Ganzes – zusammen mit den Vereinen – mehr Mittel generieren konnte», sagt Felder.

Stephan Oetiker, Stiftungsdirektor Pro Juventute, über den gelungenen Turnaroung. Pro Juventute wendet zwar das drohendes Aus ab, ist aber weiter auf Spenden angewiesen

Stephan Oetiker, Stiftungsdirektor Pro Juventute, über den gelungenen Turnaround

Im Bereich Spenden und Legate kamen 2011 6,4 Millionen Franken zusammen. Das entspricht einer Zunahme von 60 Prozent. Erheblich zugenommen haben aber auch die Zuwendungen von Kooperationspartnern – sprich Firmen und Stiftungen. Diese erhöhten sich um über 20 Prozent auf 2,96 Millionen Franken.

Win-win-Situationen gesucht

Kooperationspartnerschaften sind für Felder neben Spenden der Schlüssel zum Erfolg: «Das Ziel ist es, Win-win-Situationen mit Unternehmen zu schaffen, wie das beim neuen Projekt mit Sunrise der Fall ist.»

Pro Juventute und Sunrise lancierten letzte Woche gemeinsam ein Prepaid-Angebot für Kinder und Jugendliche. Das so genannte Pro Juventute Primobile ermöglicht Eltern das stufenweise Zuschalten von Nutzungsoptionen. Durch das Angebot sollen Kinder und Jugendliche vor nicht kindgerechten Inhalten geschützt werden. Mindestens 50 Franken des Verkaufspreises von jedem Primobile gehen an Pro Juventute.

Es wird nicht die letzte Zusammenarbeit dieser Art von Pro Juventute bleiben: «In den nächsten Wochen und Monaten werden wir mit der Lancierung neuer Projekte an die Öffentlichkeit treten», kündigt Felder an. Genaueres will er aber noch nicht bekannt geben.

Damit wären wir beim zweiten Punkt angelangt, der aktiveren Kommunikation. Die Lancierung des neuen Prepaid-Angebots gemeinsam mit Sunrise hat ein breites Medienecho ausgelöst. «Die Präsenz in der Öffentlichkeit ist auch für eine Stiftung ausserordentlich wichtig. Nur so wissen die Menschen, für was Pro Juventute steht», ist Felder überzeugt. Diese Strategie will man bei Pro Juventute deshalb auch weiterhin konsequent weiterverfolgen.

Eltern vermehrt im Fokus

Die Grundlage für all diese Veränderung war jedoch die grundsätzliche Umstrukturierung des Jugendhilfswerks: Aus 187 Bezirken machte Pro Juventute 25 unabhängige regionale Körperschaften. Diese Strukturveränderung sei nicht bei allen gut angekommen, gibt Felder zu. Insgesamt sei man bei der Basis aber auf erstaunlich wenig Widerstand gestossen: «Die meisten haben eingesehen, dass es ohne Veränderungen nicht weitergehen kann.»

Unter Beibehaltung all dieser Veränderungen will Pro Juventute ihr Engagement in diesem Jahr weiter ausbauen. Der Fokus liege wiederum auf der Förderung der Medienkompetenz, zudem stünden auch die Eltern vermehrt im Fokus. Gemäss Pro Juventute würden sich bis zu zwei Drittel der Eltern regelmässig überfordert fühlen. Hier wolle man Abhilfe schaffen.