Nachfolge
Jörg Reinhardt: Das ist der Nachfolger von Daniel Vasella

Anstelle von Daniel Vasella soll zum Schweizer Nationalfeiertag am 1. August 2013 der Deutsche Jörg Reinhardt das Verwaltungsratspräsidium von Novartis übernehmen.

Isabel Strassheim
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Doch noch zum Vasella-Nachfolger berufen: Jörg Reinhardt.

Doch noch zum Vasella-Nachfolger berufen: Jörg Reinhardt.

Keystone

Der 56-jährige Jörg Reinhardt leitet dann zusammen mit dem Amerikaner Joe Jimenez als CEO den Schweizer Konzern. Obwohl Reinhardt aus dem Saarland im deutschen Südwesten kommt, gilt er als Basler. Denn der promovierte Pharmazeut fing 1982 bei der Novartis-Vorgängerin Sandoz an, und er blieb fast dreissig Jahre. Bis 2010 stieg er über zahlreiche Zwischenpositionen bis zum Chief Operating Officer des Konzerns auf und leitete damit die gesamten Betriebsprozesse.
«Er ist eine im Gesundheitswesen äusserst erfahrene Führungspersönlichkeit und besitzt tiefgreifende Kenntnisse über das Unternehmen», begründete Vasella seine Entscheidung für Reinhardt als neuen Präsidenten gestern per Pressemitteilung.
Doch Vasellas Wahl kommt in gewisser Weise spät. Denn er hätte Reinhardt schon vor drei Jahren in seine Fussstapfen treten lassen können. Galt der Deutsche doch als Kandidat für den CEO-Posten, der mit Vasellas Aufgabe seines umstrittenen Doppelmandats frei wurde. Doch Kronprinz Reinhardt zog den Kürzeren. Statt seiner beförderte Vasella den damalige Pharma-Chef von Novartis, eben Joe Jimenez, zum CEO.
Weggang zur Konkurrenz
Reinhardt zog damals die Konsequenz und wechselte zur Konkurrenz. Im Jahr 2010 ging der Geschmähte zum deutschen Chemiekonzern Bayer, wo er die umfassende Pharmasparte leitete. Das Interessante dabei: Das Pharmageschäft von Bayer ist ähnlich diversifiziert wie Novartis. Auch der deutsche Aspirin-Konzern setzt inzwischen nicht mehr allein auf Forschung und Entwicklung von patentgeschützten Medikamenten, sondern unterhält auch ein Tierarzneimittelgeschäft sowie eine Sparte für rezeptfreie Präparate. Im Vergleich zu Novartis fehlt Bayer allerdings das Generikageschäft, in das die Basler mit Sandoz eingestiegen sind.
In seinen drei Jahren bei Bayer schaffte Reinhardt das, was bei Novartis noch ansteht: Er brachte die grosse Pharmasparte auf eine Rekordmarge. «Die Kostendisziplin ist zum grossen Teil Reinhardts Verdienst, er hielt die Ausgaben in Forschung und Entwicklung wie auch beim Marketing klein», sagt der Pharmaexperte der Frankfurter Privatbank Metzler, Sebastian Frericks, zur «Nordwestschweiz».
Kein Wunder, dass Bayer darüber enttäuscht ist, dass Reinhardt seinen Vertrag, der zunächst auf drei Jahre befristet war, diesen Sommer auslaufen lässt. «Jörg Reinhardt hat mit seiner Erfahrung und seinem Engagement grossen Anteil an der überaus positiven Entwicklung von Bayer HealthCare in den vergangenen Jahren», sagt Marijn Dekkers, der Vorstandsvorsitzende des Konzerns. Und weiter: «Wir akzeptieren jedoch seine Entscheidung, seine Karriere in seiner Schweizer Wahlheimat fortsetzen zu wollen.»
Mit Reinhardts Rückkehr nach Basel beginnt für Novartis nun eine neue Epoche: Statt des Strategen Vasella soll nun ein Prozessoptimierer den Verwaltungsrat präsidieren. In einer Zeit, in der die Gewinne der Pharmabranche nicht mehr auf Rezept fliessen, erscheint dies sehr angebracht. Denn Novartis muss wie alle anderen Pharmaunternehmen auch vor allem eines: sparen (vergleiche den Bericht rechts).
Vasella geht, seine Strategie bleibt
An der von Vasella vorgegebenen Strategie dürfte Reinhardt als neuer Präsident, zumindest in absehbarer Zeit, nichts ändern. Dies betonte gestern auch Jimenez: «Unsere Strategie ist gesund». Das heisst, Novartis bleibt ein diversifizierter Pharmakonzern, ein Verkauf von einzelnen Sparten steht nicht zur Debatte.
Jimenez freut sich offenbar auf seinen neuen Präsidenten: «Ich habe eine sehr gute Arbeitsbeziehung mit ihm gehabt», sagte er gestern über seine Zeit mit Reinhardt noch als COO bei Novartis. «Ich erwarte einen sehr glatten Übergang.»
Mit der Arbeit im Verwaltungsrat ist Reinhardt übrigens schon vertraut: Seit April letzten Jahres sitzt er beim Basler Spezialchemiekonzern Lonza in diesem Gremium. Auch dort bringt er sich als Prozessoptimierer ein, bei Lonza steht derzeit eine Entlassungswelle an. Für Novartis ist dies für den Augenblick zumindest aber nicht absehbar.