Sie sind nun sparsamer. Der Zermatter Tourismusdirektor Daniel Luggen sagt: «Wir spüren, dass Europäer ihre Bankkonten in der Schweiz auflösen und daher hier weniger Geld ausgeben.» Das sei zwar nicht dramatisch: «Aber das führt dazu, dass die Wertschöpfung im Dorf weniger hoch ist.» Dazu komme, dass die Lohnexzesse bei britischen Bankern vorbei seien: «Davon hatten wir enorm profitiert.»

Im Engadin sind zudem die früher oft sehr spendablen Italiener weiter sehr zurückhaltend, sagen Hoteliers. Geben sie viel Geld aus, beispielsweise in teuren Restaurants, fürchten sie, dass ihre Steuerbehörden auf sie aufmerksam werden. Offenbar sind diese im Grenzbereich sehr präsent. 2012 wurden gar Autos der «Guardia di Finanza» im Engadin gesichtet.

Politische Veränderungen wirken sich eben auf die touristische Wertschöpfung in der Schweiz aus. So rechnet Luggen damit, dass auch Ladengeschäfte Umsatzeinbussen erleiden, wenn in China die Luxussteuer falle: «Dann werden Chinesen hierzulande weniger Uhren kaufen.»

Insgesamt sind die Touristiker in den Bergregionen wieder optimistisch. Die Logiernächte dürften in diesem Sommer erstmals seit 2010 wieder um ein Prozent zulegen, sagt Sprecherin Daniela Bär von Schweiz Tourismus.

In Zermatt rechnet Direktor Daniel Luggen gar damit, dass die Logiernächte in dieser Sommersaison «um drei Prozent» gegenüber dem Vorjahr zulegen werden.

Das ist erstaunlich. Denn die Logiernächte legten bereits im vergangenen Sommer wegen einer Aktion für Raiffeisen-Mitglieder um 2,1 Prozent zu. 70 000 zusätzliche Hotelübernachtungen brachte dies Zermatt. Das entsprach zehn Prozent aller Logiernächte im Sommer.

Nicht nur Zermatt hat die Talsohle durchschritten. «Wir haben einen sanften Turnaround geschafft», sagt Daniela Bär, Sprecherin von Schweiz Tourismus: «Die Logiernächte im Sommer dürften um rund ein Prozent zulegen.» Das entspräche einer Zunahme von rund 190 000 Übernachtungen auf 19,5 Millionen. Damit lockt die Schweiz erstmals seit 2010 im Sommer mehr Gäste an. Die Gäste aus Europa zurückzuholen, sei aber eine Herausforderung, sagt Daniela Bär: «Der starke Franken verankerte in den Köpfen, die Schweiz sei teuer. Wir müssen es erst noch schaffen, dass man hier im Sommer preiswerte Ferien machen kann.» Dabei seien die Preise in Schweizer Hotels in den Sommerferien «im Schnitt rund ein Drittel billiger als im Winter».

Federer lässt in Gstaad die Kassen klingen

Gstaad BE frohlockt, weil in der kommenden Woche Superstar Roger Federer am Tennis Open teilnimmt. Nur zwei Minuten, nachdem dies bekannt geworden ist, liefen im Saanenland die Telefone heiss, sagt Martin Bachofner, Direktor von Gstaad Saanenland Tourismus: «Das löste gleich Buchungen aus.» Dank Sommerevents wie dem ATP-Tennis-, dem Beachvolleyball-Turnier und dem Jehudi-Menuhin-Festival für Liebhaber klassischer Musik erzielten Hotels laut Bachofner zudem höhere Durchschnittspreise als in anderen Destinationen.

Das Saanenland profitiert nicht nur vom Federer-Bonus. Die Logiernächte stiegen seit Anfang Jahr um 6,5 Prozent, so Bachofner: «Das ist super.» Zudem ziehen Hotels trotz des starken Frankens wieder mehr Gäste aus Deutschland, Frankreich und den Beneluxstaaten an. Die Übernachtungen von US-Amerikanern stiegen 2013 bisher um 18 Prozent auf 5700, die von Gästen aus den Golfstaaten gar um 47 Prozent auf 3200.

Zuversichtliche Bündner

Auch in Bündner Ferienorten hellt sich die Stimmung auf. Der Buchungsstand seiner beiden 5-Sterne-Hotels «Kulm» in St. Moritz und «Kronenhof» in Pontresina läge aktuell um fünf Prozent im Plus, sagt Chef Heinz E. Hunkeler. Obwohl das Engadin, aber auch Davos und Klosters unter dem schlechten Wetter im Mai und Juni gelitten haben, rechnen die Touristiker mit höheren Frequenzen als im Vorjahr. «Im Geschäft mit Busreisenden legten wir diesen Sommer erstmals seit vier Jahren wieder zu», sagt Sprecher Nuot Lietha von Davos Klosters. Zugelegt habe auch der Kongresstourismus.

Steigende Logierzahlen bringen aber nicht zwingend mehr Umsatz. Der Zermatter Hotelier Paul-Marc Julen sagt, die Logiernächte in seinen zwei 4-Sterne-Hotels «Daniela» und Romantik Hotel «Julen» hätten im Mai und Juni um sechs respektive acht Prozent zugelegt: «Allerdings erzielten wir den gleichen Umsatz. Der Preisdruck ist enorm und daher sind die Erlöse pro Nacht tiefer.» Im «Julen» seien die Preise gegenüber dem Sommer 2007 um rund 60 Franken oder 20 Prozent gesunken. Er geht davon aus, dass die Logiernächte in seinen Hotels um fünf, der Umsatz um drei Prozent ansteigen werde.

Dazu kommt: Bisher verputzten Europäer, die in der Schweiz unversteuertes Geld parkiert hatten, darauf erzielte Erträge in ihren Ferien. Zehntausende haben diese Gelder nun deklariert. Zermatts Tourismusdirektor Daniel Luggen sagt: «Wir spüren, dass Europäer ihre Bankkonten in der Schweiz auflösen und daher hier weniger Geld ausgeben.» Das sei zwar nicht dramatisch: «Aber das führt dazu, dass die Wertschöpfung im Dorf weniger hoch ist.» Dazu komme, dass die Lohnexzesse bei britischen Bankern vorbei seien: «Davon hatten wir enorm profitiert.»