Bereits ab Mitte 2019 soll am Basler Euroairport eine neue Billigairline abheben und der Swiss Langstrecken-Passagiere abjagen. Das Projekt «Swiss Skies» von vier Aviatik-Managern, das gestern publik wurden, hat grosse Wellen geschlagen.

Nun spricht der ehemalige Swiss-Chef André Dosé über das Projekt. «Der Plan ist sehr mutig», sagt der 61-Jährige. Dosé weiss, wovon er spricht; er war 2001 erster Konzernchef der aus dem Swissair-Grounding auferstandenen Swiss, 2004 trat er zurück. Später war er für kurze Zeit CEO der Gulf Air in Bahrain. Heute führt der Baselbieter unter anderem ein eigenes Beratungsunternehmen, mit dem er Firmen insbesondere in der Aviatik-Branche unterstützt.

Sind die «Swiss Skies»-Pläne gar übermütig? «Das will ich nicht beurteilen, da der Geschäftsplan noch nicht bekannt ist», sagt Dosé. Die Verantwortlichen des Projekts, die zuvor unter anderem bei Air Berlin, Ryanair und Austrian Airlines gearbeitet haben, wollen auf das Airbus-Flugzeug 321neo setzen, das knapp 200 Passagiere fasst. Für den ehemaligen Crossair-Piloten ein zentraler Strategie-Punkt. Denn: «Es ist zwar ein gutes, sparsam fliegendes Flugzeug. Doch mit so wenigen Sitzen, im Vergleich zu anderen Langstrecken-Maschinen wie der Boeing-777 der Swiss, ist es enorm schwierig, die hohen Kosten zu decken».

Keine Chance auf «Rennstrecken»

Zudem entfalle auf der Langstrecke der Hauptvorteil der Billigflieger, die dank kurzer Standzeiten an den Flughäfen mehr Flüge pro Tag als die Konkurrenz durchführen können, sagt Dosé. «Auf der Langstrecke dauert die Reise nun mal acht, neun Stunden. Mehr wie zwei Flüge am Tag sind da praktisch nicht möglich.»

Dosé sagt, er habe über ein Beratungsmandat Einblick in die finanziellen Probleme bei der Billigairline Norwegian, die in den vergangenen Jahren stark expandierte und Flüge von Europa nach Nordamerika für rund 100 Dollar verkauft. Die Herausforderung auf den Langstecke sei gross. Insbesondere auf den «Rennstrecken», also auf Flügen in grosse Metropolen wie New York, sei der Wettbewerb schon heute enorm stark. «Hier dürfte es für eine neue Billigairline schwierig werden, der etablierten Konkurrenz Paroli bieten zu können. Dennoch werden die Preise weiter sinken.» Chancen sieht Dosé ab Basel eher bei US-Nischen-Destinationen, zum Beispiel nach Charlotte, North-Carolina, wo die Pharmabranche ebenfalls stark vertreten ist.

Ex-Swiss-Manager an Bord

Zum ambitionierten Zeitplan von «Swiss Skies» will sich Dosé nicht äussern. Tatsächlich bestehen aber grosse Fragezeichen, ob der anvisierte Start Mitte 2019 machbar ist. Denn noch fehlen das angestrebte Startkapital von 100 Millionen Dollar, das Personal, die Flugrechtbewilligung und nicht zuletzt die A321neo-Flieger, für die es eine längere Warteliste gibt.

Und könnte sich Dosé selber vorstellen, allenfalls eine solche Billigairline als CEO zu führen? «Nein», sagt der ehemalige Airline-Manager, er wolle nicht mehr operativ tätig sein.

Laut einem Sprecher von "Swiss Skies" werden am Mittwoch weitere Informationen publiziert, inbesondere bezüglich eines Investoren-Anlasses, der am Donnerstag in Basel stattfindet und nicht öffentlich ist. Bisher waren nur zwei Namen bekannt, die hinter dem Projekt stehen: Alvaro Oliveira und Armin Bovensiepen. Laut des Sprechers ist Oliveira Schweizer und ehemaliger Gründer und Operationschef der brasilianischen Billigairline Azul. Bovensiepen arbeitete im Management von Air Berlin und Austrian Airlines. Zuletzt war er als Verkaufschef bei Niki-Luftfahrt tätig, heute ist er Berater. 

Aufgrund von Recherchen der "Nordwestschweiz" ist nun ein weiterer Name bekannt: Philippe Blaise, der zuvor bei Etihad und Swiss angestellt war. Er hat mit Oliveira im November 2017 die "CH Airways Holding" mit Sitz in Zug gegründet. Laut Eintrag im Handelsregister hat diese folgenden Zweck: "Erwerb und Verwaltung von dauernden Beteiligungen sowie der Betrieb einer internationalen Fluggesellschaft".

Ausflug ins Fussballgeschäft: 2012 übernahm André Dosé das Präsidium beim Grasshoppers Club Zürich. Trotz Erfolg musste er Ende 2013 gehen.

Ausflug ins Fussballgeschäft: 2012 übernahm André Dosé das Präsidium beim Grasshoppers Club Zürich. Trotz Erfolg musste er Ende 2013 gehen.