Der Grund für die saftigen Euro-Rabatte: Die Importe der neuen Fahrzeuge verbilligen sich nach der Aufwertung des Franken deutlich. So gewährt zum Beispiel Renault ab sofort einen zusätzlichen Euro-Rabatt von 1500 Franken. Konkurrent Peugeot zieht nach und offeriert einen «Swiss Bonus» von bis zu 1000 Franken auf allen Modellen. Ebenfalls per sofort bietet die Mercedes-Benz Schweiz AG auf allen Personenwagen der Marken Mercedes-Benz und Smart einen Rabatt von 18 Prozent. «Wir wollen damit den Währungsnachteilen der Schweizer Kundschaft Rechnung tragen», heisst es beim Mercedes-Generalimporteur.

Harter Verdrängungskampf

Noch nicht entschieden hat die Amag-Gruppe, die in der Schweiz die Marken Volkswagen, Audi, Seat, Skoda, Bentley und Porsche verkauft. «Aktuell finden Gespräche mit den verschiedenen Herstellern statt», sagt Amag-Sprecherin Roswitha Brunner. In welchem Ausmass die Preise allenfalls gesenkt werden, sei derzeit noch offen. Ausschlaggebend werde sein, wo sich der Euro gegenüber dem Franken einpendeln wird. Dagegen ist für Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, der Vereinigung Schweizer-Automobil-Importeure, klar: «Der Verdrängungskampf wird noch härter. Die Preise werden sinken.»

Occasionen werden günstiger

Für die Konsumenten kommt es noch besser. Nicht nur die Preise für Neuwagen rutschen, sondern auch jene für Occasionen. «Die Garagen und Händler müssen ihre Bestände gezwungenermassen wertberichtigen», erläutert Burgener. Die Preise für Gebrauchtwagen stünden immer in Relation zum Neuwagenpreis. Das heisst, die Preisdifferenz zwischen Neu- und Occasionswagen darf nicht zu klein sein. «Ansonsten bleiben die Händler auf ihren Occasionen sitzen.» Amag, der grösste Automobil-Importeur der Schweiz, hat schon reagiert. Ab sofort gewährten die rund 80 Amag-Garagen und Occasions-Center auf Gebrauchtwagen teilweise Euro-Rabatte von bis zu 10 000 Franken, sagt Amag-Sprecherin Brunner.

Noch vor vier Jahren zierten sich die Autoimporteure lange Zeit, die Wechselkurs-Vorteile an die Kunden weiterzugeben. Auch damals sackte der Eurokurs zwischenzeitlich auf einen Franken ab, bevor die Nationalbank Anfang September 2011 den Mindestkurs einführte. Die letztlich doch noch ausgelöste «Rabattschlacht» zeigte Wirkung. Die Zahl der verkauften Neuwagen erhöhte sich um 8 Prozent; 2012 wurde mit 328 139 verkauften Personenautos gar der zweitgrösste Jahresabsatz aller Zeiten erzielt.

Ob sich ein solcher Absatzboom nun auch 2015 wiederholen werde, sei noch offen, sagt Burgener. Dem positiven Preiseffekt auf den Absatz stehe die neuentfachte Unsicherheit über Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsplätze gegenüber. «Immerhin ist der Autokauf die zweitgrösste Investition eines Durchschnittshaushaltes», so Burgener. Er rechnet deshalb für 2015 mit einem Autoabsatz auf Vorjahresniveau, leicht über 300 000 Fahrzeuge. Amag-Sprecherin Brunner sagt: «Die Unsicherheit über den Eurokurs wird die Autoverkäufe nicht fördern.»

Margendruck steigt

Auf Händler kämen grosse Herausforderungen zu, so Burgener. «Die Marge im Neuwagengeschäft ist ohnehin sehr gering. Sie wird noch mehr unter Druck kommen.» Hinzu kommen massive Abschreibungen auf den Lagerbeständen der Occasionen. Es gelte für die Garagisten, Prozesse weiter zu optimieren und Kosten zu sparen. «Sonst schmilzt die Marge ganz weg.» Der Autogewerbeverband Schweiz erwartet deshalb «finanzielle Unterstützung von unseren Importeuren», erklärt René Degen, Sektionspräsident beider Basel. Kurz: Hersteller und Importeure müssen die Preise senken.