Das französische Mutterhaus von Franz Carl Weber ist in Schwierigkeiten. Der Spielzeugkonzern Ludendo hat diese Woche einen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt. Das wird für Franz Carl Weber über kurz oder lang zur Belastung. Deshalb plant das Traditionsunternehmen, sich nun neu auszurichten. Der Antrag auf Gläubigerschutz beim Mutterkonzern habe zwar keinen Einfluss auf das Geschäft in der Schweiz, sagt Michael Märki vom Beratungsunternehmen Zetra. Doch: Franz Carl Weber hat Märkis Firma damit beauftragt, den Spielzeughändler als eigenständige Unternehmung neu aufzustellen.

«Bis Mitte Jahr sollte Franz Carl Weber vom Mutterhaus getrennt sein», sagt Märki. Denn mittelbar färbten die Probleme beim Mutterkonzern natürlich auch auf Franz Carl Weber ab. Finanziell und organisatorisch sei man schon unabhängig. Bereits im Vorfeld des Antrags auf Gläubigerschutz habe man Gespräche mit Ludendo geführt, um die Abspaltung von Franz Carl Weber (FCW) aufzugleisen. Ein Verkauf sei nicht im Vordergrund gestanden. Neu soll das Management von Franz Carl Weber stark am Aktionariat beteiligt werden: Eine Art Management-Buy-out steht bevor. Vollzogen ist die Übernahme aber noch nicht.

Einfach wird die neue Selbstständigkeit nicht. So machte Franz Carl Weber im letzten Jahr weniger Umsatz, sagte Chef Yves Burger gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Genaue Zahlen nannte er nicht. Bereits 2016 machte das Warenhaus 2 Millionen Franken weniger Umsatz als 2015. Die erneute Umsatzeinbusse habe einen konkreten Grund: der Umzug von der Zürcher Bahnhofstrasse an den neuen Stand- ort in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Zürich. Man schreibe jedoch Gewinne, sagte Burger.

Nach der Abspaltung von Ludendo wolle man selektiv expandieren. «Es gibt einige Lücken im Filialnetz, welche Franz Carl Weber schliessen will», so Märki. Für die Zukunft sei Franz Carl Weber gut aufgestellt, sagt Märki. Es sei jedoch klar, dass auch FCW durch die Digitalisierung zu kämpfen habe – wie der gesamte Detailhandel.

Verkappter Online-Shop

Das Schweizer Traditionshaus Franz Carl Weber ist hinter der amerikanischen Kette Toys ’R’ Us die Nummer zwei im hiesigen Spielwarengeschäft. Momentan betreibt FCW in der Schweiz 20 Filialen, zu Spitzenzeiten waren es über 50. In den frühen 1980er-Jahren verkaufte die Familie hinter FCW die Warenhäuser an Denner. 2006 übernahm der französische Spielwarenkonzern Ludendo. Nun will die Führungscrew rund um FCW-Chef Yves Burger die Firma eigenständig führen – und zu seinen Schweizer Wurzeln zurückkehren. In Zürich wurde das Geschäft 1881 gegründet. An dem Ort an der Bahnhofstrasse, den FCW erst Ende 2016 verliess.

Das Spielwarengeschäft ist hart umkämpft. Auch hier zeigen sich die Verwerfungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt. Das Internet beschleunigt und verstärkt Trends wie etwa den Handkreisel Fidget-Spinner, welcher im letzten Jahr stark nachgefragt wurde. Zudem verbringen Kinder vermehrt Zeit mit dem Spielen in der virtuellen Welt. Diese Welt ist mittlerweile preislich auf dem Niveau herkömmlicher Spielwaren. So gibt es für etwas über 200 Franken ein Güterbahnset von Lego. Oder aber man kauft sich für den gleichen Preis ein Tablet.

Kurt Meister vom Marktforschungsinstitut GFK sagt: «Klar ist das Spielen auf Handy und Tablet wichtiger geworden. Doch ich gehe davon aus, dass dies die herkömmlichen Spielzeuge nicht verdrängt.» In den letzten Jahren sei der Markt in der Schweiz einigermassen stabil, sagt Meister. Im letzten Jahr wurden gar noch etwas mehr Spielwaren verkauft. Das Wachstum komme derweil nur aus dem Onlinegeschäft.

Franz Carl Weber hat erst seit Ende letzten Jahres einen eigenen Onlineshop. Das Problem: Noch ist es nicht möglich, sich die Produkte nach Hause liefern zu lassen. Sie müssen in den Geschäften abgeholt werden. Laut FCW-Chef Yves Burger soll der komplette Onlineshop sowie der Postversand ab Mitte Jahr starten. Dieser Service ist wichtig, um sich gegen die Online-Konkurrenz zu behaupten.

Toys ’R’ Us vor dem Aus?

Der Onlinehandel setzt auch dem Hauptkonkurrenten in der Schweiz, Toys ’R’ Us, zu. Der Schweizer Ableger droht von den Problemen des Mutterkonzerns eingeholt zu werden. Nachdem im letzten Herbst in den USA ein Antrag auf Gläubigerschutz gestellt wurde, hiess es noch: Das Geschäft in Europa sei nicht tangiert. Letzte Woche wurde bekannt, dass Toys ’R’ Us Grossbritannien unter Zwangsverwaltung gestellt wird. Rund 3000 Jobs sind gefährdet. Auch dieses Mal heisst es, dass das Geschäft ausserhalb von Grossbritannien nicht betroffen sei. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, dass bereits am Montag das endgülti- ge Ende von Toys ’R’ Us in den USA verkündet werden könnte.