Verkauf Stromnetz-Sparte

«Jetzt geht’s ABB!»: CEO Spiesshofer lässt sich feiern – Grund dazu gibt es nicht wirklich

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer gehört zu den CEOs, die auf Twitter aktiv sind. Stolz verbreitete er am Dienstag eine Meldung aus der Boulevardzeitung «Bild», die den «deutschen Top-Manager in der Schweiz», wie ihn das Massenblatt vorstellt, zum «Gewinner des Tages» macht.

«Jetzt geht’s ABB!», lautete das Fazit der Zeitung, nachdem der Konzern bekannt gegeben hatte, sein Herzstück, die Stromnetzsparte, an die japanische Hitachi zu verkaufen.

Als Kritik aufkam, schwieg Spiesshofer. Auch dann, als ihn SRF-Wirtschaftsjournalist Reto Lipp auf Twitter direkt fragte, was er zur Kritik von Ex-ABB-Chef Edwin Somm sage.

Dieser hatte in der «Schweiz am Wochenende» diagnostiziert: «Mit dem Verkauf des Stromgeschäfts hat ABB in dieser Sache das Selbstvertrauen aufgegeben und damit auch das Vertrauen der Kunden und Mitarbeitenden in die ABB geschädigt.»

Die Erwartung, dass die ABB-Aktie nach dem Deal «abgehe», hat sich bislang nicht erfüllt. Der ABB-Titel verlor vergangene Woche 7,4 Prozent an Wert. Dabei war der Druck des aktivistischen ABB-Aktionärs Cevian ein wichtiges Motiv für den Verkauf der Stromnetzsparte. Die «NZZ am Sonntag» erinnerte gestern an eine Aussage von Cevian-Co-Chef Förberg im Oktober 2016, als sich ABB noch geweigert hatte, die Stromnetz-Sparte zu verkaufen: Förberg behauptete damals, das Kurspotenzial der ABB-Aktie betrage 35 Franken. Jetzt, nachdem ABB die Cevian-Forderung erfüllt hat, notiert die Aktie bei 18.60 Franken.

Edwin Somm hatte in der «Schweiz am Wochenende» die optimistischen Aussagen von Spiesshofer zur Zukunft der Schweizer Arbeitsplätze und zum Firmensitz des Stromgeschäfts unter dem Dach von Hitachi als «nichtssagend» taxiert. In der Printversion des Interviews fehlte bei einer Aussage Somms ein Fragezeichen: «Gibt es dafür schriftliche Abmachungen?», lautete Somms Aussage zu den Beteuerungen der ABB, der Sitz bleibe in der Schweiz. Die Frage ist rhetorisch: Von Abmachungen ist nichts bekannt.

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17.12.2018: Der Industriekonzern ABB verkauft den Grossteil der rund 36'000 Mitarbeiter starken Stromnetzsparte an das japanische Unternehmen Hitachi. 

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