Biomarkt

Jeder siebte Biobauer hat Nase voll - kommt Bio bald aus dem Ausland?

Der Urner Bio Bauer Ambros Walker uebt das Alphornspielen am Mittwoch, 28.April 2010, einer Wiese neben seinem Bauernhof in Erstfeld im Kanton Uri in der Zentralschweiz. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Wachsender Biomarkt droht ins Ausland abzuwandern

Der Urner Bio Bauer Ambros Walker uebt das Alphornspielen am Mittwoch, 28.April 2010, einer Wiese neben seinem Bauernhof in Erstfeld im Kanton Uri in der Zentralschweiz. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Der steigenden Nachfrage nach Bioprodukten stehen immer weniger Biobauern gegenüber. Bessere Rahmenbedingungen sollen den Beruf wieder attraktiver machen und verhindern, dass der Markt ins Ausland abwandert.

Martin Rupf

Biogemüse und -fleisch direkt ab dem Bauernhof: Immer mehr Schweizer schwören auf Bioprodukte. Letztes Jahr stieg der Umsatz um 7 Prozent auf 1,5 Milliarden Franken. Umgerechnet gab jeder Schweizer 200 Franken für Bio-produkte aus.

Jeder siebte Bauer will aufhören

Nicht mithalten mit dieser positiven Entwicklung können die Biohöfe. Knapp 6000 solcher Betriebe waren es letztes Jahr noch, 200 weniger als im Vorjahr. Seit 2005 ist diese Zahl rückläufig. Gemäss einer Studie der Forschungsanstalt Agroscope spielt jeder siebte Biobauer mit dem Gedanken aufzuhören. Ebenfalls abgenommen hat die gesamte Biofläche, vor allem in den Berggebieten. Zwar weisen auch Nicht-Biobetriebe einen Rückgang auf. Trotzdem gibt es spezifische Gründe für die kleiner werdende Zahl von Biobetrieben.

Einer der Hauptgründe: Seit Anfang 2009 müssen Biobauern ihren Tieren 100 Prozent Biofutter geben. Zuvor durfte ein Teil aus konventionellem Anbau stammen. Statt wie bisher 80 Franken müssen Biobauern nun rund 110 Franken für 100 Kilogramm Kraftfutter hinblättern. Aus diesem Grund verlangte der Bündner BDP-Nationalrat und Präsident des Bündner Bauernverbandes Hansjörg Hassler mit einer Interpellation, die Flächenbeiträge für den biologischen Landbau auf 400 Franken zu verdoppeln. «Ob der Bundesrat darauf eingehen wird, ist noch offen», so Hassler.

Ganzheitliche Produktion fördern

Einen Teilerfolg kann Hassler trotzdem verbuchen. In seiner Interpellation stellte er nämlich den grundsätzlichen Strategiewechsel des Bundesrates bei der Weiterentwicklung der Direktzahlungen infrage. Dieser strebte ein System an, wonach nur noch einzelne Beiträge etwa für Kulturlandschaft oder für biologische Vielfalt ausbezahlt werden. Hassler störte sich daran, dass der Bundesrat die gesamtheitliche Produktionsform Biolandbau als Kriterium für Direktzahlungen streichen wollte. «Der Bundesrat hat das nun aber wieder korrigiert, was mich für die Zukunft der Biobauern optimistisch stimmt.»

«Chörnlipicker»-Image loswerden

Auch der Dachverband Bio Suisse glaubt an das Potenzial des Biolandbaus. «Der Rückgang bei den Biobetrieben soll nicht überbewertet werden», sagt der Leiter Information Stephan Jaun. «Viele Betriebsaufgaben finden im Rahmen des allgemeinen Strukturwandels statt.» Verbesserungsansätze sieht Jaun aber trotzdem. Dem Biolandbau hafte zuweilen noch das Bild des «Chörnlipickers» an, so Jaun. «Natürlich ist Biolandbau ökologisch, aber er muss auch ökonomisch und sozial verträglich sein.»

Jaun begrüsst, dass der Bund die Umstellung von normalem Landbau auf Biolandbau unterstütze. Denn: «Es wäre schade, wenn wir den wachsenden Biomarkt ans Ausland abtreten würden.»

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