Gleichstellung

Je kleiner die Firma, desto häufiger ist der Chef eine Frau

Je kleiner eine Firma ist, desto höher ist der Anteil der Frauen im Verwaltungsrat. Auch auf dem Chefposten sitzt laut einer Studie bei kleineren Unternehmen eher eine Frau als bei grösseren Konzernen.

Jedes vierte KMU wird von einer Frau geleitet; die Chefinnen haben jedoch meist weniger als zehn Mitarbeitende. Das zeigt die am Donnerstag in Bern vorgestellte Studie zur "Bedeutung und Positionierung von Frauen in Schweizer KMU", die im Auftrag des Schweizerischen Gewerbeverbands von der Universität St. Gallen erstellt wurde.

Von den knapp 70'000 selbständigen Frauen, die eine Firma leiten, stehen 60'000 einem Unternehmen mit höchstens neun Mitarbeitenden vor. Frauen, die Firmen mit 50 oder mehr Mitarbeitenden leiten, gebe es hingegen "nur sehr wenige", heisst es in der Studie, für welche Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2012 ausgewertet wurden.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Verwaltungsrat: Bei Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden beträgt der Frauenanteil immerhin 22 Prozent. Bei Firmen mit über 50 Mitarbeitenden hingegen sind es nur rund 12 Prozent.

Im Durchschnitt beträgt der Frauenanteil in den Verwaltungsräten der KMU 16 Prozent. Die Studie stützt sich für diese Aussagen auf die BDO Verwaltungsratsstudie aus dem Jahr 2011. Zum Vergleich: In Schweizer Grosskonzernen waren 2011 gemäss dem "Schilling-Report" 13 Prozent der Verwaltungsratssitze von Frauen besetzt.

Gewerbeverband sieht grossen Unterschied

Der Gewerbeverband (sgv) schliesst aus der Studie, dass sich die Situation der Frauen in der KMU-Wirtschaft "stark von derjenigen in Grossunternehmen oder in der Verwaltung unterscheidet". Diesem Fazit der Studie müsse stärker Rechnung getragen werden, fordert der sgv in einer Medienmitteilung.

Die Diskussion um Frauenförderung sei einseitig auf Grossunternehmen ausgerichtet. Der nötige Handlungsspielraum für Frauen in KMU werde jedoch eingeschränkt, wenn "undifferenzierte auf grosse Organisationen ausgerichtete Ideen" auch den KMU übergestülpt würden. Solche Massnahmen wie beispielsweise eine fixe Frauenquote lehne der sgv ab. Frauen dürften nicht mit starren Quoten "ausgebremst" werden.

Fournier wird Vizepräsident

Die Studie wurde anlässlich des Gewerbekongresses in Bern vorgestellt. Dort wählten die Delegierten den Walliser Ständerat Jean-René Fournier zum neuen Vizepräsidenten des sgv. Er folgt auf den Waadtländer Dino Venezia, der nach zehn Jahren sein Amt niederlegt.

Der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime wurde einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsident wiedergewählt.

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