1. August

Je grösser, desto besser: So kaufen Schweizer Feuerwerk ein

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Schweizer Hersteller machen rund um den 1. August 80 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Feuerwerk sei die perfekteste Form der Kunst, da sich das Bild im Moment seiner höchsten Vollendung dem Betrachter wieder entziehe, sagte der Frankfurter Philosoph Theodor Adorno. Den Spruch schreiben sich Feuerwerkhersteller gern auf die Fahnen. Jetzt vor dem 1. August machen sie den grössten Umsatz des Jahres.

Die Feuerwerkfabrik Bugano im luzernischen Neudorf produziert für den einheimischen Markt und den Export etwa 800 000 Vulkane. «Schweizer Qualität», wie Geschäftsführer Toni Bussmann betont. Allerdings werden in der Schweiz heute ohnehin nur noch Vulkane hergestellt. Aus Kostengründen, aber auch weil die Herstellung grosser Raketen von Hand extrem aufwendig ist.

Bussmann organisiert für den 1. August auch Grossfeuerwerke in zahlreichen Städten der Schweiz. Bugano importiert die wertvolleren Raketen aus Deutschland, der Rest komme aus China. Insgesamt seien das etwa 30 bis 40 Container im Jahr, sagt Bussmann. Er hat 35 Angestellte. Vor dem 1. August kommen 20 bis 30 Mitarbeiter dazu. Dann machen die Feuerwerkfabriken rund 80 Prozent des Jahresumsatzes.

Je grösser, desto besser

Nur ein paar Kilometer entfernt, in Aesch LU am Hallwilersee, stellt auch das Familienunternehmen Läubli Feuerwerk her. Hier sind es noch mehr Vulkane aus eigener Produktion: gegen eine Million im Jahr. Läubli importiert nur wenig Feuerwerk für den Direktverkauf in Aesch. Das Hauptgeschäft seien die eigenen Vulkane, sagt Tamara Läubli, die Gefahrgutbeauftragte der Firma. Das Motto der Kunden sei: je grösser, desto besser. Besonders beliebt sei die Farbe Gold. Der Verkauf von einzelnen Raketen sei jedes Jahr rückläufig, dafür seien die Verbundbatterien – «einmal anzünden, lange geniessen» – immer beliebter. «Und natürlich sind Herr und Frau Schweizer noch immer sehr begeistert von Vulkanen. Da weiss man, was man hat», sagt Läubli.

Feuerwerk im nahen Ausland einzukaufen, lohnt sich übrigens nicht. Die Grenzwächter an den Schweizer Zöllen beschlagnahmen jeweils vor dem 1. August kiloweise illegale Feuerwerkskörper. Im kleinen Grenzverkehr dürfen pro Person höchstens 2,5 Kilogramm Raketen oder Vulkane eingeführt werden. Knallteufel mit mehr als 2,5 Milligramm Gewicht sind in der Schweiz grundsätzlich verboten. Illegal eingeführtes Feuerwerk werde beschlagnahmt, und wer es über die Grenze bringe, werde wegen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz angezeigt, teilt das Grenzwachtkorps mit.

Und es lauern weitere Gefahren, die am Nationalfeiertag unterschätzt werden. Trotz der Regenfälle in den letzten Wochen sind die Böden nicht in allen Teilen der Schweiz feucht genug für Feuerwerk. Im Tessin und im nördlichen Bündnerland ist die Waldbrandgefahr erheblich, in manchen Teilen des Wallis sogar gross. Hier gilt eine Mahnung zu sorgfältigem Umgang mit Feuer und Feuerwerk in Waldesnähe und überhaupt im Freien.

Mehr Feuerwerk, mehr Feinstaub

Wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) schätzt, werden in der Schweiz jedes Jahr über 2000 Tonnen Feuerwerkskörper verkauft. Das ist doppelt so viel wie noch in den 1990er-Jahren. Etwa 500 dieser 2000 Tonnen sind pyrotechnische Feuerwerke, also grössere Raketen. Wenn diese abgebrannt werden, entstehen rund 360 Tonnen Feinstaub im Jahr. Die farbgebenden Metallverbindungen gelangen nach dem Abbrennen als Niederschlag auch in Böden und Gewässer. Deren Belastung ist jedoch relativ gering. Schlimmer seien der Feinstaub und der Lärm für die Menschen und besonders für die Tiere, schreibt das Bafu auf seiner Homepage.

Wer selbst nicht böllern will und trotzdem nicht bis morgen auf den Funkenzauber warten mag: In der Stadt Basel, in Biel und am Rheinfall bei Schaffhausen werden schon heute Abend traditionsgemäss grosse Feuerwerke gezündet. Oder entfachen Sie doch einfach wieder einmal ein paar Vulkane statt Knallraketen. Die sehen schön aus und machen keinen Lärm.

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