Einen genauen Zeitplan gab der Regierungschef aber nicht an. Sein Land werde "eine zukünftige Gesellschaft ohne Kernkraftwerke schaffen", sagte Kan auf einer Pressekonferenz. Japan solle an einer Gesellschaft arbeiten, die nicht von der Atomkraft abhängig sei.

Ziel sei es, durch die Förderung erneuerbarer Energien langfristig auf Atomkraft verzichten zu können. Das Parlament werde vermutlich am Donnerstag mit den Beratungen über ein Gesetz zu den alternativen Energien beraten.

Der Plan bedeutet eine Abkehr von der früheren Regierungslinie. Japan bezieht zurzeit etwa 30 Prozent der Energie aus Atomkraft. Vor der Katastrophe vom 11. März hatte die Regierung noch geplant, diesen Anteil bis zum Jahr 2030 auf 53 Prozent zu erhöhen.

Kan sprach sich bereits in den vergangenen Wochen für eine Verringerung des Anteils der Atomenergie aus. Am Dienstag sagte er vor Parlamentsabgeordneten, seine Regierung habe "keine andere Wahl" als die geplante Erhöhung zu Grabe zu tragen.

Der Premier erläuterte, die von einem Erdbeben und einem Tsunami ausgelöste Katastrophe in Fukushima habe ihm erst die grossen Risiken der Atomkraft bewusst gemacht. Zehntausende Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Die Behörden ordneten ein Sperrgebiet im Umkreis von 20 Kilometern um den zerstörten Meiler an.

Stromengpässe befürchtet

Nach dem Erdbeben versagten die Kühlsysteme im Katastrophenmeiler. Aufgrund einer teilweisen Kernschmelze in drei der sechs Reaktoren gelangten grosse Mengen an radioaktiven Substanzen in die Umwelt.

Um drohende Stromengpässe zu vermeiden, drängt die Regierung darauf, zur Inspektion heruntergefahrene Atomkraftwerke noch im Sommer wieder in Betrieb zu nehmen. Derzeit sind nur 19 der landesweit 54 Reaktoren in Betrieb. Die Industrie befürchtet deshalb, dass in den Sommermonaten Stromausfälle die immer noch schwächelnde japanische Wirtschaft weiter bremsen könnten.