Stattdessen hat der neue starke Mann in Rom mehrere erfolgreiche Geschäftsfrauen und eher eigenbrötlerische, aber erfahrene Manager ausgewählt. Im Wahlkampf hatten ihm seine Forderungen nach Veränderungen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise den Ruf einer Art Abrissbirne eingebracht.

Das Finanzministerium, das die Staatsbeteiligungen verwaltet, schlug am Montagabend unter anderem vor, den Vertrag mit dem Chef des Energieunternehmens Eni, Paolo Scaroni, nicht zu verlängern. Stattdessen wird der bisher für die Ölförderung zuständige Manager Claudio Descalzi an die Spitze der Agip-Mutter berufen.

Chef des skandalgeplagten Rüstungsunternehmens Finmeccanica soll Mauro Moretti werden, der die Staatsbahn FS erfolgreich sanierte. Auch im Management des grössten Stromversorgers Enel soll ein frischer Wind wehen: Francesco Starace, der bislang den Ökostromerzeuger Enel Green Power führt, soll den langjährigen Enel-Chef Fulvio Conti ersetzen.

Die neue Regierung habe auf die Investoren an der Börse gehört, sagte ein führender Manager aus der Energiebranche, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Besonders bei Eni und Enel gibt es gute Lösungen für internationale Anleger."

Frauen an der Spitze

Bei den beiden Unternehmen sollen zudem mit Emma Marcegaglia und Patrizia Grieco zwei prominente Geschäftsfrauen aus der Privatwirtschaft jeweils dem Verwaltungsrat vorstehen. Erstmals gehen damit die Präsidien an Frauen. Renzi hat auch die Hälfte seines Kabinetts mit Frauen besetzt. Er will nun den Anteil auch in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten erhöhen.

Alle Personalien müssen noch von den Aktionären bei der nächsten Generalversammlung im Frühjahr bestätigt werden. Die Aktien der Staatsbetriebe reagierten am Dienstag negativ auf die Entscheidungen.

Renzi hatte den Bürgern kurz nach seinem Amtsantritt im Februar den Abbau von Bürokratie und eine "Revolution" in der Wirtschaft versprochen. Der Chef der sozialdemokratischen PD hatte seinen Parteikollegen Enrico Letta von der Spitze der Regierung gedrängt und ihm mangelnden Reformeifer vorgeworfen. Italiens Wirtschaft ist in den vergangenen 15 Jahren kaum gewachsen.