Fastweb
Italien ist für Schweizer Firmen ein heikles Pflaster

Das Fastweb-Debakel der Swisscom ist kein Einzelfall, auch andere Schweizer Firmen haben sich in Italien die Finger verbrannt. Im südlichen Nachbarland geschäftet man anders.

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Italien ist ein heikles Pflaster

Italien ist ein heikles Pflaster

Sven Millischer

Die Swisscom wurde in Italien kalt erwischt: Den vermeintlichen Mehrwertsteuer-Sündenfall hat die Römer Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft zu einem der grössten Geldwäscheaffären der jüngeren Geschichte ausgeweitet. Mittendrin das Tochterunternehmen Fastweb, dem am Dienstag die staatliche Zwangsverwaltung droht. Und mit Mario Rossi ein Swisscom-Spitzenmanager, der laut italienischen Medien zum Kreis der Tatverdächtigen zählt. Fastweb-Chef Stefan Parisi betont derweil unermüdlich: «Wir sind ein grosses Unternehmen mit Qualität, das aus ehrlichen Menschen besteht.»

Schmiergeld und Bilanzfälschung

Kein Einzelfall: Auch der Energie- und Automationskonzern ABB musste bereits Bekanntschaft mit der italienischen Finanzpolizei machen. 2004 verhaftete die Guardia di Finanza in Mailand zwei Personen mit Verdacht auf Bestechung. Die Verhaftung stand in Zusammenhang mit Bilanzfälschungen bei einer ABB-Fabrik nahe Bergamo: Der dortige Chef hatte über Jahre Gewinne ausgewiesen, die gar nicht existierten. Zudem soll Schmiergeld in der Höhe von mehreren hunderttausend Euro geflossen sein.

Die Beispiele zeigen: Für Schweizer Unternehmen sind Geschäfte im südlichen Nachbarland ein Wagnis. Der italienische Staat habe die Willkür institutionalisiert, sagt René Scheu. «Die Bürokratie ist dermassen ausufernd, dass sich jede Firma auf irgendeine Art und Weise in der rechtlichen Grauzone bewegt.» Dies führe zu einer latenten Rechtsunsicherheit, betont der Italien-Kenner und Herausgeber der Schweizer Monatshefte. Mit der Konsequenz, dass viele Unternehmen in die Schattenwirtschaft flüchten: In Süditalien beispielsweise arbeitet jeder Fünfte ohne gültigen Arbeitsvertrag. Mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandproduktes werden in Italien schwarz erwirtschaftet. Die Mechanismen seien für ausländische Firmen schwer zu durchschauen, ist Scheu überzeugt: «Es ist sehr schwierig, sich legal zu verhalten.»

Wer sich als Schweizer Unternehmen trotzdem in Italien ansiedeln möchte, erhält Unterstützung von der Aussenwirtschaftsförderung Osec: In den vergangenen zwei Jahren hat die Organisation rund 80 Firmen beraten. Die Aussenwirtschaftsförderung vermittelt zum Beispiel externe Experten, die ansiedlungswilligen Unternehmen zur Seite stehen. Diese führen dann bei potenziellen Geschäftspartnern Checks durch. Eine Vorsichtsmassnahme, hat die Mafia doch weite Teile der Wirtschaft unterwandert: So fliesst gemäss Schätzungen die Hälfte der 180 Milliarden Euro, welche kriminelle Organisationen in Italien pro Jahr erwirtschaften, in den legalen Kreislauf.

Es sei auch wichtig, dass Firmen einen lokalen Fachmann beizögen, sagt Monica Zurfluh, Leiterin des Tessiner Osec-Büros. Denn: «Die bürokratischen Hürden in Italien sind hoch.»

Den galoppierenden Amtsschimmel gilt es also zu zähmen. Doch Schweizer Unternehmen müssen sich auch in Geduld üben: «Um an die Entscheidungsträger zu gelangen, können gut und gerne zwei bis drei Monate verstreichen», sagt Zurfluh.

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