Finma

Ist Ex-UBSler Branson als Kontrolleur seiner ehemaligen Kollegen glaubwürdig?

Mark Branson, der als Favorit für die Nachfolge des abtretenden Finma-Chef Patrick Raaflaub gehandelt wird, kommt von der UBS. Macht ihn das als Kontrolleur der Banken unglaubwürdig? Der Vorwurf der Befangenheit steht im Raum.

Der Brite Mark Branson, Vizedirektor der Finma, wird als Favorit für die Nachfolge des abtretenden Direktors Patrick Raaflaub gehandelt. Seine Dialogbereitschaft und seine hervorragenden Branchenkenntnisse würden Branson zu einem kompetenten Kandidaten machen, sagen diverse Politiker aus der Finanzkommission.

Doch gerade Bransons Erfahrung könnte ihm zum Verhängnis werden, denn die hat er bei der UBS gesammelt. Kann ein ehemaliger UBS-Manager seinen früheren Arbeitgeber unvoreingenommen kontrollieren?

Keine Beisshemmungen

Dieselbe Frage stellte sich bereits in der Amtszeit von Eugen Haltiner, der von 2006 bis 2010 als Finma-Präsident amtete und so mitten in die UBS-Krise geriet. Sein gesamtes Berufsleben hatte Haltiner bei der Bankgesellschaft beziehungsweise der späteren UBS verbracht. Er sei zu nah an der Grossbank, befürchteten Finanzpolitiker von links bis rechts. Sogar der Bundesrat stellte rückblickend fest, dass die Finma der UBS nicht genug auf die Finger geschaut hatte.

Auch die Baselbieter SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer hatte Haltiner massiv kritisiert. Bei Mark Branson lässt sie die Beurteilung noch offen: «Er darf keine Beisshemmungen haben und wird dies in der Praxis beweisen müssen.» Als Leiter des Geschäftsbereichs Banken hat Branson Raaflaubs harte Linie gegenüber den Banken mitgetragen.

Dies bestätigt auch der Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof: «Gerade gegenüber den zwei Grossbanken habe ich ihn bisher als sehr gradlinig und streng empfunden.»

Glaubwürdigkeitsproblem

Dennoch könnte Branson seine UBS-Vergangenheit einen Strich durch die Rechnung machen. Der Brite war nämlich Chef der UBS Japan, als dort der Libor-Zinssatz manipuliert worden war. Laut Finma-Sprecher Tobias Lux ist Branson zwar während der Untersuchungen nie vorgeworfen worden, dass er von den Betrügereien gewusst hatte. Aber dass der heutige Bankenaufseher nichts davon mitbekommen hat, irritiert Branchenkenner.

Leutenegger Oberholzer sieht darin ein mögliches Glaubwürdigkeitsproblem: «Ob Branson auch von politischer Seite genügend Akzeptanz erfahren wird, ist offen.»

Auch der Zürcher Grüne Nationalrat Daniel Vischer befürchtet, dass Bransons Vergangenheit zu einer Belastung werden könnte. Schliesslich habe er bereits in den Ausstand treten müssen, als der Libor-Skandal von der Finma behandelt wurde: «Sobald er auch nur den Anschein der Befangenheit erweckt, wird er umgehend Kritik ernten.»

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