Ryanair-Chef Michael O'Leary macht wieder mit kontroversen Aussagen auf sich aufmerksam. Dem «Telegraph» sagt der Betreiber der Billigfluglinie jetzt, dass die Anschnallpflicht in Flugzeugen völlig überflüssig sei. Im Falle eines Absturzes würden die Sitzgurten auch nicht weiterhelfen.

«In der Metro und im Zug bist du auch nicht angeschnallt trotz grossen Geschwindigkeiten. Ein Flugzeug ist nicht mehr als ein Bus mit Flügeln», so O'Leary. Er will im Flugzeug neu auch Stehplätze einführen. Diese Plätze würden dann noch billiger angeboten. Der Passagier kann sich bei Start und Landung an Haltegriffe klammern. Nur die Genehmigung für sein Vorhaben hat er zu seiner Frustration bis jetzt von den Behörden noch nicht bekommen. «Das sind doch alles Deppen», lautet sein Kommentar dazu.

Schutz vor Turbulenzen

Eine Sprecherin des Bundesamtes für Zivilluftfahrt sagt auf Anfrage nur: «Die Vorschriften für den Flugverkehr sind europäisch festgelegt, und im Moment sind Sitzgurte definitiv Pflicht.» Die Mediensprecherin der Swiss glaubt auch nicht an ein Verschwinden der Anschnallpflicht: «Statistiken belegen, dass das Tragen von Sicherheitsgurten einen guten Schutz bietet, beispielsweise bei Turbulenzen», sagt Sonja Ptassek.

An einem konkreten Fall zeigte sich dies vor einem Jahr bei einem Air Canada-Flug nach Zürich. Mehrere Passagiere wurden bei Turbulenzen aus dem Sitz geschleudert und verletzt, weil sie nicht angeschnallt waren. Daniel Knecht vom Büro für Flugunfalluntersuchungen bestätigt: «Es gab in der Vergangenheit schon tödliche Unfälle, nur weil die Gurte versagt haben. Bei Kleinflugzeugen kommt das vor. Da die Sitzgurtpflicht nun mal besteht, lässt sich nicht beweisen, ob es ohne mehr Unfälle gäbe.» Es sieht also nicht allzu gut aus für O'Learys Vorhaben.

Diese Idee ist nur eine in der langen und umstrittenen Liste des Ryanair-Chefs. Beispielsweise schlug er schon vor, die Toilette auf dem Flugzeug kostenpflichtig zu machen, oder einen Preisaufschlag  für dicke Passagiere zu verlangen.