Steuerstreit

Ist CS-Präsident Rohner der richtige Präsident zur richtigen Zeit?

Filiale der Credit Suisse in New York. In den USA verdüstern sich die Perspektiven der Bank zusehends.

Filiale der Credit Suisse in New York. In den USA verdüstern sich die Perspektiven der Bank zusehends.

Die USA drohen der CS. Bis heute Dienstag um Mitternacht hat die Bank Zeit, Daten herauszurücken. Als Anwalt ist Urs Rohner für die CS der richtige Präsident zur richtigen Zeit. Wirklich?

Keiner weiss besser, was es für die Credit Suisse bedeuten könnte, richtig in die Mühlen der US-Justiz zu geraten, als der Mann an der Spitze der Bank: der frisch gewählte Verwaltungsratspräsident Urs Rohner. Der ausgebildete Jurist war jahrelang bei renommierten Kanzleien als Wirtschaftsanwalt tätig – in Zürich, aber auch in New York. Als versierter Anwalt kann er exakt einschätzen, dass sich die CS eine Anklage in den USA schlicht nicht leisten kann. Die Bank wäre existenziell bedroht.

Noch ist es nicht so weit. Aber die Drohungen der USA werden immer ultimativer (az vom Montag) – und als systemrelevante Grossbank steht jetzt die CS im Fokus der Amerikaner. Nachdem sie von der UBS respektive der Schweiz gegen 4500 Kundendossiers von US-Schwarzgeldbesitzern erhalten und sich in der Folge weitere zehntausend Steuerhinterzieher selbst angezeigt haben, wissen die Amerikaner mittlerweile genau, wo und wie die Credit Suisse respektive Schweiz besonders angreifbar ist.

Kaum im Amt, muss Rohner jetzt seinen schwierigsten Job erledigen: die CS so wenig beschädigt wie möglich durch deren schlimmste Krise steuern. Dabei könnte Rohner seine Vergangenheit als Anwalt durchaus helfen. Insofern erscheint er als der richtige Präsident zur richtigen Zeit.

Schatten der Vergangenheit

Rohner aber hat auch eine andere Vergangenheit, die sich für seine Aufgabe als Hypothek erweisen könnte. Denn die jetzt aufgetauchten und von den USA ausgeschlachteten Fälle von Steuertricksereien innerhalb der Credit Suisse fallen ausgerechnet in die Zeit, in der Rohner als so genannter «General Counsel» Chefjurist der Bank war. Er war für die Regeln und Normen verantwortlich, die ein in allen Ländern korrektes Geschäftsgebaren garantieren sollten. Offensichtlich mit gemischtem Erfolg. Zwar attestieren Beobachter der Credit Suisse und explizit auch Rohner, er habe schon 2005 für die ganze Branche vorbildliche Regeln für den Umgang mit Offshore-Geschäften eingeführt und umgesetzt.

Zudem habe er 2008 die Regeln von einer externen Anwaltskanzlei erneut überprüfen lassen. Dennoch scheint es diversen (Ex-) Mitarbeitern mehrfach gelungen zu sein, Vorschriften zu umgehen. Theoretisch könnten die Folgen davon – zumindest für das US-Geschäft – fatal sein. Sicher ist: Die Folgen werden ins Geld gehen. Laut jüngsten Schätzungen involvierter US-Anwälte dürfte die amerikanische Justiz von der CS und anderen Schweizer Banken für die Verfehlungen der Vergangenheit rund 2 Milliarden Dollar Busse fordern.

«Wir erleben derzeit tektonische Verschiebungen», sagte Rohner gestern an einer Tagung zum Thema «Banken im Umbruch». Zwar spielte er mit dem Geologie-Vergleich auf die verschärften Regulierungen der internationalen Geldhäuser im Nachgang der Finanzkrise an. Für die Schweizer Banken ist aber auch das Ende des Bankgeheimnisses eine Zäsur tektonischen Ausmasses. Die Ära der leicht verdienten Renditen mit Schwarzgeldern ist definitiv vorbei.

Berchtold aus der Schusslinie?

Die Verschiebungen haben personelle Konsequenzen an der Spitze. So hat die Bank Anfang August quasi als Fussnote eines sehr durchzogenen Halbjahresergebnisses den Wechsel an der Spitze des Private Banking kommuniziert. Dessen langjähriger Chef Walter Berchtold wurde ins Präsidium der CS-Privatbanken befördert oder – je nach Sichtweise – wegbefördert. Möglich, so diverse Beobachter, dass Berchtold so aus der Schusslinie der US-Justiz genommen werden sollte. Die Bank verneint jeglichen Zusammenhang.

Fakt aber ist: Berchtold wurde durch den punkto USA völlig unbelasteten Chef des Schweizer Geschäfts, Hans-Ulrich Meister, ersetzt. Meister ist sogar als Nachfolger von Konzernchef Brady Dougan im Gespräch. Als Amerikaner ist möglicherweise auch Dougan besonders exponiert.

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