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Irrflug der Alitalia ins Nirgendwo: «Blut-und-Tränen-Plan» abgelehnt – nun droht das Grounding

Falls die Regierung keinen Überbrückungskredit sprechen sollte, droht in wenigen Wochen das Grounding.

Falls die Regierung keinen Überbrückungskredit sprechen sollte, droht in wenigen Wochen das Grounding.

Die Alitalia-Belegschaft hat weiteren personellen Opfern eine Absage erteilt. Nun droht der italienischen Airline die Insolvenz.

Regierungschef Paolo Gentiloni hatte am Vortag der Abstimmung keine Zweifel darüber aufkommen lassen, was auf dem Spiel steht: «Ohne den neuen Sanierungsplan kann die Alitalia nicht überleben.»

Die Mahnung des Premiers hat die Belegschaft wenig beeindruckt: 67 Prozent der 12'500 Mitarbeiter haben den vom Verwaltungsrat vorgelegten «Blut-und-Tränen-Plan» abgelehnt.

Laut dem Plan hätten rund 1400 Alitalia-Beschäftigte ihre Stelle verloren, die Löhne wären um 8 Prozent gekürzt worden. Dafür hätten die Aktionäre weitere 2 Milliarden Euro in die Airline gepumpt.

Ein erster Plan wäre noch drastischer gewesen: 2000 Stellen sollten gestrichen und die Löhne um 30 Prozent reduziert werden.

Die Alitalia gehört zu 49 Prozent der arabischen Etihad und zu 51 Prozent einem italienischen Investorenkonsortium unter der Führung der beiden Grossbanken Unicredit und Intesa-Sanpaolo. Die Grossaktionäre haben nach der Bekanntgabe des negativen Abstimmungsresultats gestern mitgeteilt, dass nun die für solche Fälle vorgesehenen gesetzlichen Schritte eingeleitet würden.

Das bedeutet, dass der Verwaltungsrat der Regierung beantragen wird, die Alitalia unter Zwangsverwaltung zu stellen und einen Sonderkommissar einzusetzen. Dies entspricht einer Art Gläubigerschutzverfahren, in dessen Rahmen ein Käufer für die Alitalia gesucht wird. Falls sich nicht ein neuer Investor blicken lässt, droht die Insolvenz.

Falls die Regierung keinen Überbrückungskredit sprechen sollte, droht in wenigen Wochen das Grounding: Laut italienischen Zeitungsberichten reicht die Liquidität der Alitalia, die jeden Tag über eine Million Euro Cash verbrennt, noch bis höchstens Mitte Mai. Der unmittelbare Geldbedarf beträgt laut Medienberichten rund eine Milliarde Euro.

Alleine die Unicredit hat laut ihrem CEO Jean-Pierre Mustier in den letzten drei Jahren 500 Millionen Euro draufgelegt. Und auch der italienische Staat hat geblutet: Die fliegende Geldvernichtungsmaschine hat die Steuerzahler in den letzten zwei Jahrzehnten rund 10 Milliarden Euro gekostet.

Schon 2008 wurde die damals noch staatliche Airline einem Sonderkommissar unterstellt und dabei in eine «good company» und eine «bad company» zerschlagen. Die privatisierte und von den beiden genannten Grossbanken geführte «good company» blieb trotz Befreiung von Altlasten in den roten Zahlen stecken, worauf 2013 eine weitere Sanierung erforderlich wurde. Als kapitalkräftiger weisser Ritter trat Etihad auf den Plan.

Doch auch unter den Emiren hat die Alitalia bis heute nichts als Verluste produziert, letztes Jahr rund 400 Millionen Euro.

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