Wirtschaft

Iran-Krise hält die Märkte in Atem

Gold wird von Investoren in wirtschaftlich fragilen Zeiten als sicheres Wertaufbewahrungsmittel gesucht.

Gold wird von Investoren in wirtschaftlich fragilen Zeiten als sicheres Wertaufbewahrungsmittel gesucht.

Während der Erdölpreis nachgibt, wird bei den Anlegern vor allem eines gesucht: Gold.

Die Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und den USA hat den Finanzmärkten zum Jahresauftakt einen tüchtigen Schrecken eingejagt. Während Aktien und andere Risikoanlagen im Nachgang zur Tötung des iranischen Generals Qassem ­Soleimani am Freitag und am Montag teilweise deutliche Abgaben verzeichneten, legte der Preis für Erdöl und Gold zu.

Die steigende Nachfrage nach den beiden Rohstoffen hat unterschiedliche Gründe. Zwar können kriegerische Auseinandersetzungen in der für die globale Erdölproduktion überaus wichtigen Golfregion tatsächlich zu einer Verknappung des Angebotes und damit zu einem Preisanstieg führen. Doch damit es so weit kommt, muss viel passieren. Gemäss Einschätzung von Experten der Grossbank UBS sind die weltweiten Erdöllager gut gefüllt, und es sei zu ­erwarten, dass die derzeitige Überproduktion nicht zuletzt als Folge der gesteigerten Förderung in den USA und in Norwegen auch in den nächsten Monaten anhalten werde.

Trotzdem war der Preis für ein Fass Nordseeöl (159 Liter) am Montag kurzzeitig auf über 70 Dollar, den höchsten Stand seit dem vergangenen Sommer, geklettert. Hauptverantwortlich dafür sind Investoren, die das Schwarze Gold stellvertretend für den ganzen Rohstoffsektor für spekulative Geschäfte benutzen. Dementsprechend unberechenbar sind die Preisbewegungen auf den internationalen Erdölmärkten. Schon am Dienstag war ein Fass Nordseeöl wieder deutlich günstiger als für 70 Dollar zu haben. Zwar sei in einem Szenario mit neuen kriegerischen Auseinandersetzungen der Streitparteien mit weiteren Preisausschlägen zur rechnen, geben die UBS-Experten zu bedenken. Eine Wette darauf würden sie aber nicht eingehen.

Goldpreis auf höchstem Stand seit sieben Jahren

Demgegenüber ist die Höher­bewertung von Gold von Dauer. Das Metall erreichte am Montag mit einem Preis von 1580 Dollar pro Unze den höchsten Stand seit sieben Jahren. Am Dienstag war der Preis mit 1570 Dollar nicht wesentlich tiefer. Gold wird von Investoren in wirtschaftlich fragilen Zeiten als sicheres Wertaufbewahrungsmittel gesucht.

Oswald Grübel, der frühere Chef der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse, sieht das Metall «als eine Art Versicherungsprämie für den schlimmsten Fall» gegen eine mögliche Geldentwertung, wie er im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» erklärte. Und das Metall hat noch andere Vorteile. Weil der Goldpreis in Dollar festgelegt wird, steigt dieser bei einem sinkenden Dollarkurs. Viele Investoren rechnen bis zur US-Präsidentschaftswahl mit einer weiteren Abwertung der US-Valuta.

Die Erwartung ist umso plausibler, als die Spannungen am Golf noch längere Zeit anhalten dürften und weitere Eskalationen zu befürchten sind. US-Präsident Donald Trump weiss nur allzu gut, dass er seine Wiederwahl nicht nur mit einer guten Wirtschaft sichern kann. Seine Wähler erwarten ebenso, dass er in Krisenzeiten auch militärisch Stärke zeigt.

Trump weiss zudem, dass er sich auf die Hilfe seiner Notenbank verlassen kann, wenn die Vorgänge in der Krisen­region das amerikanische Wirtschaftswachstum beeinträchtigen sollten. In diesem Fall wären weitere geldpolitische Ankurbelungsmassnahmen des Federal Reserve zu erwarten, heisst es in einem Kommentar des Vermögensverwalters Aquila.

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Autor

Daniel Zulauf

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