Sanktionen

Iran bietet Chancen für Schweizer Firmen

Inspektoren gegen mehr Handel: Iran-Präsident Hassan Rohani. Key

Inspektoren gegen mehr Handel: Iran-Präsident Hassan Rohani. Key

Sanktionen Nestlé, Novartis und Roche haben ihre Beziehungen nie abgebrochen und sind jetzt in der Pole Position.

Mit der Einigung der UNO-Vetomächte mit Iran wurde ein erster Erfolg zur Wiederbelebung der Handelsbeziehungen des Westens mit der islamischen Republik erreicht. Irans Präsident Hassan Rohani legt sein Atomprogramm für sechs Monate auf Eis und gewährt Inspektoren der Internationalen Energie-Agentur Zugang zu den Energiezentren. Dafür lockern die Vereinten Nationen (UNO) und die Europäische Union (EU) bestehende Handelssanktionen. Im Fokus stehen Strafmassnahmen beim Handel mit Petrochemie-Produkten, Gold und Edelmetallen oder solche beim iranischen Autosektor, wobei Beobachter insbesondere dem französischen Autobauer Peugeot gute Chancen einräumen (Seite 11).

Wie gestern eine Sprecherin der EU gegenüber Medien sagte, könne mit einer Lockerung der Wirtschaftssanktionen im Dezember oder Januar gerechnet werden. Dies hätte auch eine Aufhebung der Handelsverbote zur Folge, die seit 2007 in der Schweiz herrschen. «Als Mitglied der UNO muss die Schweiz Sanktionsbeschlüsse nachvollziehen», sagt eine Sprecherin des Sekretariats für Wirtschaft (Seco).

Ein zweites Deutschland

Derzeit verbieten Sanktionen insbesondere die Lieferung von Rüstungs- und Repressionsgüter und Produkten, die sowohl für friedliche als auch für militärische Zwecke eingesetzt werden können. Zudem gelten Beschränkungen bei Finanzierungs- und Beteiligungsgeschäften. Mit 76 Millionen Einwohnern spielt die iranische Republik bevölkerungstechnisch in der Liga der Bundesrepublik Deutschland und bietet entsprechende Chancen.

«Es stellt sich jedoch die Frage, zu welchem Preis die Handelsbeziehungen mit dem Iran aufgenommen werden können», sagt der Unternehmensanalyst einer Schweizer Bank. Er könnte sich zudem vorstellen, dass die Amerikaner starken Einfluss nehmen könnten, welche Unternehmen «zum Handkuss kommen». Der Warenhandel zwischen der Schweiz und Iran hat sich wegen der Sanktionen stark zurückentwickelt (siehe Grafik). Doch es wird immer noch rege exportiert. Vor allem Medikamente und chemische Präparate: Sie machten 2012 mit 230 Millionen Franken die Hälfte der Schweizer Warenexporte nach Iran aus.

Roche ist seit 2004 im iranischen Markt aktiv und beschäftigt 30 Mitarbeitende. «Momentan verfolgen wir die Entwicklungen im Iran eng», so ein Roche-Sprecher. Das Sanktionsregime machte das Geschäft mit Medizin schwierig. «Angesichts der verschärften Sanktionen ist die Versorgung iranischer Patienten mit medizinischen Produkten massiv eingeschränkt oder sogar ganz zum Stillstand gekommen», sagt ein Novartis-Sprecher. Für den Vertrieb und die Produktion vor Ort hat Novartis ein Abkommen mit einem lokalen Unternehmen geschlossen.

Der Nahrungsmittel-Multi Nestlé betreibt zwei Fabriken und beschäftigt 530 Mitarbeiter in Iran. Produziert werden Zerealien für Kleinkinder und Säuglingsnahrung sowie Flaschenwasser. «In voller Übereinstimmung mit den internationalen Sanktionen», wie ein Nestlé-Sprecher unterstreicht. Beim Zementhersteller Holcim gibt man sich – ähnlich wie bei anderen angefragten Schweizer Firmen, die noch nicht im Iran tätig sind – noch zurückhaltend. «Der Iran bietet sicherlich Chancen. Aufgrund politischer Risiken ist das Land jedoch im Moment nicht auf unserer Prioritätenliste», so ein Holcim-Sprecher.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1