Die Wahl Trumps hat an den Börsen für Aufbruchstimmung gesorgt. Zusammen mit der Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank im Dezember liess das die Renditen von Obligationen bis Ende Jahr steigen. Gegengleich dazu fielen ihre Kurse (siehe nachfolgende Bildergaliere dazu). Auch der US-Dollar zog an.

Der «Trump-Effekt»

Der Hauptgrund: Trump hat höhere Staatsinvestitionen angekündigt. Fragt der Staat mehr Güter und Dienstleistung nach, steigt deren Preis. Wird das erwartet, beginnen Gläubiger, mehr Zins für Geld zu verlangen, das sie dem Staat oder Unternehmen in Form von Obligationen leihen. Sonst hätte das Geld bei der Rückzahlung in Zukunft weniger Kaufkraft. Zusätzliche Staatsausgaben würden auch die Wirtschaft ankurbeln. Auch das spiegelt sich in den gestiegenen Renditen.

Werden also Anleihen, die zu den sichersten Anlageklassen gehören, dieses Jahr Verluste einfahren?

Unterdessen haben die Märkte viel von der Euphorie vorweggenommen, im Börsenjargon: eingepreist. Die jetzigen Preise in verschiedenen Anlageklassen enthalten schon viel des «Trump-Effekts». So viel, dass teilweise eine Gegenbewegung eingesetzt habe, erklären Experten. So etwa die Credit Suisse: Nach Trumps Pressekonferenz vom letzten Mittwoch habe sich die Umkehr einiger Effekte fortgesetzt. Die Renditen von US-Staatsanleihen und der Dollar sanken beispielsweise.

Dennoch dürfte 2017 das Jahr sein, an dem der Anleihenmarkt nach 30 Jahren Aufwärtstrend ausgebremst wird. Rund drei Jahrzehnte lang stiegen die Obligationenkurse, entsprechend sanken Renditen und Zinsen. Besonders in den Jahren nach der Finanzkrise versanken die Sätze ins Bodenlose. Jedes Jahr gab es Ökonomen, die die Wende nach oben ausriefen und die Epoche unaufhaltsam steigender Anleihenpreise archivieren wollten. Doch abgesehen von kleinen Zuckungen sanken Renditen und Zinsen seelenruhig weiter. Damit dürfte nun Schluss sein.

Und wie wird der Aktienmarkt auf steigende Zinsen reagieren? Mittlerweile dauert der Anstieg der Börsen rund acht Jahre. Time to say goodbye? In der Vergangenheit stellten steigende Zinsen zu Beginn kein Problem für Aktien dar. Sie werden im Normalfall als Signal für einen besseren Arbeitsmarkt, eine bessere Wirtschaft und eine verbesserte Gewinnsituation angesehen.

Erst wenn sie weiter steigen, werden sie zum Problem für die Börsen, da die steigende Attraktivität der Anleihen in den Vordergrund rückt. Doch der Zürcher Vermögensverwalter Aquila gibt zu bedenken, dass die Wirtschaft noch nie derart aggressiv und lang durch billiges Geld stimuliert wurde wie seit der grossen Finanzkrise von 2008. Und das in vielen Ländern gleichzeitig. Wegen der tiefen Zinsen investierten Anleger in ihrer verzweifelten Suche nach Rendite in Scharen an der Börse. Die Reaktion auf einen Zinsanstieg könnte daher diesmal heftiger ausfallen.

Die Rückkehr des Staats

Für das Wirtschaftswachstum und die Finanzmärkte entscheidend könnte dieses Jahr die Fiskalpolitik sein, also Höhe und Art der Staatsausgaben. Das Wort «Fiskalpolitik» dürfe vielen gar nicht mehr geläufig sein, denn die Stimulierung der Wirtschaft durch Staatsausgaben ist seit der Finanzkrise fast vollkommen von der Geldpolitik verdrängt worden. Sie schien fast zum «Pfuiwort» in der Wirtschaftspolitik verkommen.

Nun wurde klar, dass Geld allein nur die Finanzmärkte glücklich macht, nicht aber Konsumenten und Unternehmen. Letztere brauchen Nachfrage nach ihren Gütern. Wenn diese von den Privaten zu schwach ausfällt, kann gemäss der Theorie des berühmten britischen Ökonomen John Maynard Keynes der Staat in die Bresche springen. Keynes forderte allerdings auch, dass der Staat in «fetten» Jahren wieder spart, was Politikern sehr schwerzufallen scheint.

Nach dem Entscheid Grossbritanniens, aus der EU auszutreten (Brexit), der Wahl Trumps und dem Zulauf, den populistische Parteien in Europa zu erhalten scheinen, sitzt auch bei den Regierungen anderer Länder das Geld wieder lockerer. Inflation und Zinsen dürfte dies weiter Auftrieb verleihen.