Interview
Schoggi-Expansion in den USA – Läderach eröffnet über 30 neue Standorte und baut Produktion in der Schweiz aus

Weil sich der belgische Schokoladenhersteller Godiva aus dem amerikanischen Markt zurückzieht, kann Läderach einige seiner Filialen übernehmen. Ein Stellenausbau in der Schweiz dürfte folgen.

Gabriela Jordan
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Johannes Läderach führt das gleichnamige Glarner Familienunternehmen in dritter Generation.

Johannes Läderach führt das gleichnamige Glarner Familienunternehmen in dritter Generation.

Gaetan Bally / Keystone (16. März 2018)

Der Glarner Schokoladenhersteller Läderach war lange lediglich im Bereich Business-to-Business (B2B) tätig. Seit der Übernahme der Marke Merkur vom Kiosk-Konzern Valora im Jahr 2004 hat das Familienunternehmen jedoch eigene Verkaufsstellen in der Schweiz. Spätestens seit der Umbenennung der Filialen 2013 von Merkur zu Läderach ist es auch Konsumentinnen und Konsumenten ein Begriff.

Jetzt plant das Unternehmen den nächsten grossen Coup: Bis im Sommer will es in den USA zusätzlich zu den vier bestehenden Filialen 34 neue eröffnen. Wie Läderach am Montag mitteilte, konnten mit dem Kauf von Vermögenswerten die Mietverträge für 34 Godiva-Standorte übernommen werden – einem belgischen Konkurrenten, der sich aus dem US-Markt zurückzieht. Geschäftsführer Johannes Läderach erklärt, was der Sprung in die USA für den Schweizer Standort bedeutet.

Werden die USA nach der Schweiz nun zum zweitwichtigsten Markt?

Johannes Läderach: Ja. Heute ist mit 18 Filialen Deutschland die Nummer 2. Mit total 38 Filialen werden die USA Deutschland überholen. Die Schweiz bleibt mit 45 Standorten der grösste Markt. Wo die neuen Standorte in den USA genau sind, werden wir erst später bekanntgeben. Aktuell betreiben wir zwei in New York und je eine in New Jersey und Washington.

Kann eine Neueröffnung während der Coronapandemie überhaupt erfolgreich sein?

Ja klar, denn auch während der Pandemie sind unsere Chocolaterien an den meisten Standorten geöffnet. Wir denken ja auch über Corona hinaus und haben deshalb auch im vergangenen Jahr plangemäss mehrere Filialen eröffnet, etwa in Wien und in Bilten GL. Im zweiten Halbjahr 2021 gehen wir ausserdem von einer Normalisierung des Geschäfts aus.

Wie wichtig ist der Sprung in die USA für Ihr Unternehmen?

Es ist ein gewaltiger Sprung und wir freuen uns sehr darüber. Die Übernahme der 34 von insgesamt 130 Godiva-Filialen erlaubt uns ähnlich wie bei der damaligen Merkur-Übernahme, auf einen Schlag enorm zu wachsen. Der amerikanische Markt ist sehr interessant für uns. Dass wir die Räumlichkeiten von einem Chocolatier bekommen, hat ausserdem nur Vorteile.

Johannes Läderach

Johannes Läderach

Welche?

Erstens bekommen wir dadurch Standorte, wo die Leute schon heute gezielt Schokolade einkaufen. Zweitens können wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen und somit von eingespielten Teams profitieren. Drittens ist der Umbau mit tieferen Investitionen und weniger Zeit verbunden, da beispielsweise das Mobiliar und die Klimatisierung bereits auf dieses Produkt ausgelegt sind. Und viertens profitiert von dieser Expansion auch die Produktion in der Schweiz.

Sie produzieren die Schokolade ausschliesslich in Bilten und Ennenda im Kanton Glarus. Werden Sie dank der Expansion neue Stellen schaffen können?

Die hiesige Produktion wird sicherlich profitieren. Momentan ist ein Teil der Angestellten noch in Kurzarbeit. Wir sind zuversichtlich, dass wir im zweiten Halbjahr neue Stellen schaffen werden können. Die Zahlen sprechen für sich: Heute haben wir weltweit rund 100 Filialen. 34 Filialen mehr sind ein grosser Schritt, da werden wir sicher mehr Arbeitskräfte brauchen. Wie viele, ist derzeit aber noch schwierig zu sagen. Die Infrastruktur in der Produktion ist dank vergangenen Investitionen schon auf grössere Mengen ausgelegt.

Werden dann jene Angestellte, denen vergangenes Jahr ohne Sozialplan gekündigt wurde, wieder eingestellt?

Meines Wissens haben fast alle mittlerweile wieder einen Job – und es sind nicht die gleichen Profile. Die Entlassungen waren vor allem in der Administration, die neuen Jobs sind vor allem in der handwerklichen Produktion. Damals hatte Läderach auf einen Sozialplan für alle verzichtet, damit für jeden und jede individuelle Lösungen gefunden werden konnten.

Sie sprachen von 130 Godiva-Filialen. Weshalb übernimmt Läderach nicht gleich alle?

Wir mussten uns überlegen, wie viel Wachstum auf einmal möglich ist. Zur Entscheidung beigetragen haben zudem unsere Erkenntnisse vom Onlineshop. Dank diesem wissen wir auch in den USA genau, wo die Nachfrage nach Läderach-Schokolade am grössten ist. Unsere Produkte bestellen allen voran Amerikaner, die schon einmal in die Schweiz gereist sind.