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Intern höchst umstritten – doch das Weisse Haus hält zum Weltbank-Präsidenten

Weltbank-Präsident Jim Kim tritt seine zweite Amtszeit an. AP/Keystone

Weltbank-Präsident Jim Kim tritt seine zweite Amtszeit an. AP/Keystone

Der umstrittene Weltbank-Präsident Jim Kim wurde kürzlich für eine zweite, fünfjährige Amtszeit gewählt — daran nicht ganz unschuldig ist die Aussicht, ein möglicher Präsident Donald Trump habe andere Vorstellungen.

Das muss man ihm lassen: Jim Kim weiss, wie sich ein hochrangiger Funktionär zu inszenieren hat. Deshalb ratterte der 56-jährige Präsident der Weltbank zu Wochenbeginn im Stakkato-Tempo eine Liste herunter, als er in einer Washingtoner Denkfabrik Einblick in das Reformprogramm seiner zweiten Amtszeit gab. Die Tatsache, dass er intern höchst umstritten ist und die Weltbank um ihre Legitimation kämpft, erwähnte der gebürtige Südkoreaner dabei nur in einem Nebensatz – indem er verkündete: Wolle die Weltbank geschmeidig genug sein, um die wirtschaftspolitischen Probleme des aktuellen Jahrhunderts zu lösen, dann müsse sie auch moderne Strukturen besitzen.

Von Obama eingeschworen

Kim steht seit Sommer 2012 an der Spitze der Entwicklungshilfeorganisation; der Arzt und College-Präsident wurde damals auf Vorschlag von US-Aussenministerin Hillary Clinton von Barack Obama ins Amt gehievt. Der amerikanische Präsident machte dabei von seinem Vorrecht Gebrauch, einen amerikanischen Staatsbürger an die Spitze der Weltbank zu setzen. Im Gegenzug ist der Chefposten bei der Schwesterorganisation IWF, dem Internationalen Währungsfonds, einem Europäer vorbehalten. Intern wurde seine Wahl mit einer gewissen Skepsis kommentiert, auch weil Kim im inoffiziellen Vorwahlkampf eine Entwicklungshilfe-Spezialistin aus Nigeria ausgestochen hatte. Die Skepsis wuchs, als Kim mit der Unterstützung der US-Regierung ein Reformprogramm durchpeitschte, das eine Restrukturierung der 15 000 Angestellten vorsah und die Einsparung von 400 Millionen Dollar. Mit diesem grossen Wurf wollte Kim die Weltbank wieder auf Vordermann bringen und die neue Konkurrenz – die von China ins Leben gerufene Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) – in Schach halten.

Auf dem Papier scheint Kim diese Ziele erreicht zu haben. Die Reform wurde – unter Zähneknirschen – umgesetzt und zeitigt Erfolge. Die Weltbank wirkt in der Tat agiler. Allein: Jim Kim bezahlte einen hohen Preis. Das Personal scheint die Hoffnung in ihn verloren zu haben und im asiatischen Raum geniesst der Präsident wenig Vertrauen. Er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er die Mission der Weltbank verwässert habe, weil sich die Infrastruktur-Organisation nun auch mit Ernährungsfragen oder der Bekämpfung von Pandemien beschäftige. Diese Mischung aus Frust, Angst um die Zukunft und häufig persönlich gefärbte Kritik führte dazu, dass ein Personalverband sich offen gegen eine Bestätigung Kims aussprach. Der Präsident müsse sich zumindest einem demokratischen Wahlverfahren stellen, hiess es in einer Eingabe.

Rückhalt in der Führungsriege

Das Weisse Haus allerdings hält zu Kim. Und in der Führungsetage der Weltbank, in der auch die Schweiz vertreten ist, verfügt der Amerikaner über ausreichend Rückhalt – wohl auch, weil die Aussicht, dass ein Präsident Donald Trump einen Nachfolger ernennen könnte, gestandenen Entwicklungshelfern den Angstschweiss auf die Stirn treibt. Die zweite Amtszeit des Weltbank-Präsidenten beginnt offiziell erst am 1. Juli 2017.

Kim selbst räumt ein, dass die Reformen nicht überall auf Zustimmung gestossen seien. Der Umbau-Prozess sei nun aber abgeschlossen, und es gelte, an seinem wichtigsten Reformziel zu arbeiten: dem Abbau der weltweiten Armut.

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