Stiftung World.Minds

Intensivkurs für Firmenchefs: Dieser Autor bringt Manager und Wissenschafter zusammen

Komplexe Themen kurz zusammengefasst zu präsentieren, sind eine Spezialität des Sachbuchautors und Kurators von World.Minds, Rolf Dobelli.

Komplexe Themen kurz zusammengefasst zu präsentieren, sind eine Spezialität des Sachbuchautors und Kurators von World.Minds, Rolf Dobelli.

Autor Rolf Dobelli lädt zum 10. Mal Forscher ein, die Top-Managern ihre aktuellsten Projekte vorstellen. Lanciert hat Dobelli den Anlass, weil er festgestellt hat, dass Wirtschaftsleute kaum wissen, was in der Wissenschaft läuft.

«Mein Studium der Wirtschaftswissenschaften war Zeitverschwendung.» So hart urteilt Rolf Dobelli (50) über die vier Jahre, die er an der Hochschule St. Gallen verbracht hat. Der bekannte Buchautor wundert sich noch heute, dass vor 30 Jahren nicht mal zehn Minuten über das Thema «Verkauf» geredet worden ist: «Dabei ist dies doch der wichtigste Prozess eines Unternehmens.»

Eigentlich hätte er eben doch Physik statt Wirtschaft studieren sollen, sagt Dobelli heute: «Naturwissenschaften sind meine Leidenschaft.» Das einst Verpasste holt er nun auf seine ganz eigene Art nach: Er hat sich für sein Steckenpferd ein Gefäss geschaffen, die 2008 gegründete Stiftung Zurich.Minds. Da ausserhalb der Limmatstadt niemand mit dem Namen zufrieden gewesen sei, heisse sie nun seit Juli World.Minds.

Lanciert hat Dobelli den Anlass, weil er festgestellt hat, dass Wirtschaftsleute kaum wissen, was in der Wissenschaft läuft. Daher lud er vor zehn Jahren 20 Forscher ein, die 20 Managern ihre aktuellsten Projekte präsentierten. Das kam so gut an, dass Dobelli als Kurator nun alljährlich eine Veranstaltung organisiert. Auf die Teilnehmer warte am 8. Dezember, so die Website der Stiftung, «der inspirierende Austausch von Ideen. Keine politische Korrektheit. Kein Firmen-Small-Talk».

Für das Symposium wendet Dobelli mittlerweile drei Viertel seiner Arbeitszeit auf. Daneben schreibt der verheiratete Vater von zweieinhalbjährigen Zwillingen Romane und Sachbücher. Frühere Werke wie «Die Kunst des klugen Handelns» und «Die Kunst des klaren Denkens» mit Kolumnen, die er für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und die «SonntagsZeitung» verfasst hat, verkauften sich mehr als zwei Millionen Mal. Nicht mehr tätig ist er für getAbstract. Das Unternehmen, das er 1999 mit zwei Freunden gegründet hatte, vertreibt Zusammenfassungen von Wirtschaftsbüchern und Literaturklassikern.

«Die schönste Art zu studieren»

«Abstracts», kurze Zusammenfassungen komplexer Inhalte, sind letztlich auch die Inhalte von World.Minds. Rund 15 Wissenschafter präsentieren während 3 bis 40 Minuten ihre aktuellsten Forschungsresultate. Die Auswahl der Rednerliste bezeichnet Dobelli als die «schönste Art des Studierens». Unter anderem reiste er dafür nach Boston an der US-amerikanischen Ostküste, um sich über die Arbeit von Forschern an der Harvard University und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu informieren.

Eingeladen hat Dobelli dieses Mal die Designerin und Architektin Neri Oxman vom MIT Media Lab. «Sie ist absolut führend, wenn es darum geht, mit neuen Materialien zu arbeiten, beispielsweise Bakterien für den Hausbau einzusetzen», sagt Dobelli. Airbus-Chef Tom Enders spricht über «fliegende Autos», «coole Forschung eben», so Dobelli. Und die Chemikerin Greta Patzke von der Uni Zürich informiert, wie sie versucht, mit Sonnenlicht Wasser so in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten, dass Energie entsteht.

Einladen kann man sich nicht

Spannende Themen, die nicht nur Dobelli faszinieren. World.Minds hat 1000 Mitglieder, von denen rund 400 am Symposium im «Kaufleuten» teilnehmen (siehe nachfolgende Box).

Auf der Homepage von World.Minds heisst es: «Kontaktieren Sie uns nicht. Wir kontaktieren Sie.» Zur «Community» der Stiftung gehört nur, wer von Dobelli und den weiteren Mitgliedern des Stiftungsrats eingeladen worden ist. Er tue dies, um niemandem eine Absage erteilen zu müssen. Wären mehr Leute dabei, müsste sich seine Organisation einen neuen, grösseren Tagungsort suchen. Das will Dobelli nicht.

Rund ein Drittel der Mitglieder sind Unternehmer oder Top-Manager (siehe vorherige Box). Dazu kommen Wissenschafter sowie Politiker, Medien- und Kulturschaffende. Beim Treffen gehe es um Inhalte, sagt Dobelli, nicht um die Pflege des Netzwerks der Mitglieder. Und um Geschäfte. Die gratis auftretenden Referenten aus der Wissenschaft erhalten so die Gelegenheit, sich Unternehmern zu präsentieren. Die haben mit dem einen oder anderen Forscher schon Projekte ausgeheckt, die sich vermarkten liessen, so Dobelli.

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