Forschung

Innovationen fördern: Jetzt soll der Staat der Industrie beistehen

Die Akademie der Technischen Wissenschaften will durch Förderung die Innovationskraft sichern. Denn diese sei gefährdet. Nur auf die «liberale Wirtschaftsordnung und die Hochschulen» zu vertrauen, sei zu wenig.

Jeder fünfte Schweizer Franken wird heute in der Industrie erwirtschaftet. 20 Prozent trägt der Sektor zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das ist zwar deutlich weniger als noch vor 20, 30 oder 40 Jahren. Doch damit geht es der Schweiz nicht schlechter als den übrigen Industrienationen, deren Werkplätze zum Teil noch wesentlich stärker schrumpften. 

Dass die Deindustrialisierung in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland, Grossbritannien oder auch Japan recht milde ausfällt, hat mit der Innovationskraft der heimischen Industrie zu tun. Alles andere als selbstverständlich ist jedoch, dass diese auch in Zukunft so stark bleibt. Davor warnt die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW).

In den nächsten fünf bis zehn Jahren kämen fundamentale Herausforderungen auf die Schweizer Industrie zu, heisst es im aktuellen Technology Outlook, den die Akademie gestern in Zürich vorstellte. Darin gibt die SATW Empfehlungen für die vier wichtigsten Industriesektoren.

Mehr industrienahe Forschung

Die Kernforderung lautet: Es muss mehr für die anwendungsorientierte Forschung getan werden. Andere Länder pumpten derzeit massenhaft Geld in die industrienahe Forschung und stärkten so die Innovationskraft ihrer Unternehmen. Die Schweiz dagegen «vertraut nur auf ihre liberale Wirtschaftsordnung und auf ihre Hochschulen», sagt Ulrich Suter, SATW-Präsident und ehemaliger Professor an der ETH Zürich.

Die anwendungsorientierte Forschung ist so etwas wie die Verbindung von langfristiger Grundlagenforschung mit der kurzfristigen Projektentwicklung. In den beiden letzteren Bereichen sei die Schweiz gut aufgestellt. Allerdings gebe es hierzulande keine Institution wie beispielsweise die Fraunhofer-Institute in Deutschland, die diese beiden Bereiche verbinde. «Überall in der Welt gibt es solche Institutionen oder Fördersysteme, aber nicht in der Schweiz», sagt Suter.

Darunter litten vor allem kleine und mittlere Industrieunternehmen. Für sie sei die Anwendung einer neuen Technologie stets mit einem grossen Risiko verbunden. Der starke Franken verstärkt dieses Risiko zusätzlich, denn die Firmen exportieren weniger — und dadurch sinkt die Marge. Um Arbeitsplätze zu erhalten, oder gar neue zu schaffen, muss dieses Risiko abgemildert werden.

Geld anders verteilen

Geht es nach der SATW, soll dies künftig durch gezielte staatliche Unterstützung geschehen. Laut Generalsekretär Rolf Hügli braucht es dafür nicht einmal mehr Geld. «Die vorhandenen Mittel müssten lediglich anders verteilt werden.» Hügli denkt dabei an ein privatwirtschaftlich geführtes «nationales Kompetenzzentrum», an dem auch der Staat und die Hochschulen beteiligt sind. Für die SATW ist das die derzeit favorisierte Lösung.

Und hier wartet bereits der erste Stolperstein, denn von einer neuen Institution will das zuständige Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) nichts wissen. Mit dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) gebe es bereits zwei Förderorgane — und diese reichten aus, sagt Gregor Haefliger, Vizedirektor des SBFI.

In der Analyse sei man sich jedoch einig: Die anwendungsorientierte Forschung müsse gezielter gefördert werden. Dies könne zum Beispiel durch gemeinsame Programme von SNF und KTI geschehen. Entsprechende Vorschläge würden derzeit erarbeitet und im kommenden Jahr im Rahmen der BFI-Botschaft zur Förderperiode 2017–2020 in den politischen Prozess eingebracht.

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