Wohin schicken Schweizer ihr Geld auf die Reise – natürlich, um zu arbeiten?

Das Auslandvermögen einer Volkswirtschaft setzt sich wesentlich aus Direkt- und Portfolioinvestitionen sowie den Währungsreserven der Nationalbank zusammen. Portfolioinvestitionen sind Wertschriften – ob Einzeltitel oder Kollektivanlagen respektive Fonds. Direktinvestitionen betreffen Anlagen wie Immobilien und Direktbeteiligungen an Unternehmen.

Private legen –mit Ausnahme von Immobilien – meist indirekt an. Schweizer haben per Ende 2014 rund 1240 Milliarden Franken in ausländische Wertschriften gesteckt. Das zeigen die Daten der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Den Löwenanteil stellen mit 576,3 Milliarden Franken nicht Aktien, sondern Schuldtitel (672,5 Milliarden), zu denen Obligationen respektive Anleihen und seit 2007 strukturierte Produkte gehören.

Bei Obligationen leiht der Investor sein Geld für eine fixe Laufzeit und erhält dafür regelmässig Zinsen und am Schluss den geliehenen Betrag. Im Konkursfall wird er aus der Konkursmasse vor dem Aktionär ausgezahlt. Die Vorliebe der Schweizer für die relativ sicheren Titel zeigt sich auch in ihrer Lieblingsdestination, den USA: Von den 248 Milliarden Dollar sind 131 Milliarden Schuldtitel. Die Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigen die Aufschlüsselung nach Staaten in Dollar.

Nach USA kommt Luxemburg

Dabei können nicht alle Investitionen zugeordnet werden. 2014 betraf das rund 6 Milliarden (zusammengefasst mit unbedeutenderen Ländern unter «Andere»). In den Jahren zuvor schwankte die «Dunkelziffer» zwischen 50 und 80 Milliarden Dollar. Im Verhältnis zu den 1,253 Billionen ändert das am Gesamtbild nichts.

Wo investieren die Schweizer am liebsten? Jürg Rimle, Chef für die Schweiz von Pimco, einem der grössten Manager von Anleihenfonds, erklärt: Bei Aktien kommt an erster Stelle Kontinentaleuropa, besonders Deutschland, gefolgt von den USA und Japan und dann erst von Schwellenländern. In vielen Portfolios würden diese Länder trotz ihrer steigenden Bedeutung noch immer zu wenig berücksichtigt oder gar fehlen.

An zweiter Stelle in der Beliebtheitsskala kommt nicht die zweitgrösste Volkswirtschaft (China), auch nicht die drittgrösste (Japan), sondern mit grossem Abstand Luxemburg mit 193 Milliarden. Der Benelux-Zwergenstaat hat sich zum grössten Fondsstandort Europas gemausert. Das verwaltete Vermögen beträgt mittlerweile fast 2,5 Billionen Euro – zur Jahrtausendwende war es noch weniger als eine Billion. Fonds aus 70 Ländern werden dort aufgelegt, drittgrösster Anbieter ist die Schweiz. Das grösste Volumen stellen US-Fonds, den zweiten Rang belegt Deutschland.

Es gibt noch mehr Überraschungen: Mit weniger als der Hälfte der Investitionen von Luxemburg rangiert auf Platz drei nicht Deutschland (88 Milliarden Dollar), die grösste Volkswirtschaft Europas, sondern Frankreich (93 Milliarden). Es folgen Grossbritannien (87 Milliarden) und die Niederlande (75 Milliarden), danach Irland mit knapp 53 Milliarden Dollar. Die Grüne Insel ist wegen der tiefen Unternehmenssteuern sehr beliebt– Apple hat hier seine grösste Niederlassung ausserhalb der USA. Knapp dahinter ein weiteres Finanzzentrum: die Cayman Islands (51 Milliarden).

Die Schwellenländer-Story

Nicht überraschen sollte dagegen, dass Schwellenländer – neben Fonds- und Finanzzentren – in den letzten
15 Jahren am meisten vorrückten: Die in indische Wertschriften investierte Summe avancierte von 2001 bis 2014 von 74 Millionen Franken auf über 2,5 Milliarden. Südkorea legte von knapp 800 Millionen auf 12 235 Milliarden Dollar zu und liegt jetzt gleichauf mit Italien. Ähnlich steil verlief der Anstieg für Malaysia, Indonesien, Thailand und vereinzelt in Osteuropa.

Wen wunderts: Europa hat längst ein notorisches Wachstumsproblem, Japan darbt seit 20 Jahren. Die Wachstumsstory der Schwellenländer entwickelte sich vom Geheimtipp zu einer Investitionsidee, die man auch in den Wartezimmern von Friseur oder Arzt «gesteckt» bekommt – oder vom Friseur oder Arzt selbst. Doch genau dann, wenn bereits alle eine «Investitionsperle» entdeckt haben, steigt das Risiko von Enttäuschungen. Das zeigte gerade das Auf und Ab in den Schwellenländern der letzten Jahre, zuletzt im Börsencrash von Schanghai. Experten raten, in Schwellenländern selektiv zu sein und die Eurozone nicht zu vergessen.