Elektroautos

In der deutschen Autoindustrie herrscht Panik wegen Pekings Elektroquote

2018 will China eine neue Elektro-Auto Quote einführen. Die deutsche Autoindustrie ist davon nicht begeistert. (Symbolbild)

2018 will China eine neue Elektro-Auto Quote einführen. Die deutsche Autoindustrie ist davon nicht begeistert. (Symbolbild)

Die deutschen Autobauer haben sich zu früh gefreut. China will nun doch mehr Elektroautos, 2018 soll die neue Regelung in Kraft treten.

Die deutschen Autobauer hatten schon aufgeatmet, nachdem die Bundesregierung ihnen zugesichert hatte, China werde sich bei der Einführung der Elektroauto-Quote kulant zeigen. Doch nun zeichnet sich ab, dass die chinesische Führung an ihren ursprünglichen Plänen festhält. Die Aufregung ist gross.

Noch bei seinem Besuch vor einem Monat in Peking versicherte Bundesaussenminister Sigmar Gabriel: China werde die bei den deutschen Autobauern gefürchtete Produktionsquote für Elektroautos lockern. Der ehemalige Wirtschaftsminister sprach gar von einem «Durchbruch», nachdem er mit Vertretern der chinesischen Führung geredet hatte.

Hersteller in China betroffen

Nun sickerte aber durch, dass China doch an seiner Quote festhalten will. Wie schon beim ersten Gesetzentwurf vom vergangenen Herbst heisst es, dass sämtliche Autohersteller in China über ein bestimmtes Punktesystem auch eine Absatzquote von acht Prozent mit Elektro- oder Hybridautos zu erfüllen haben. Je nach Rechenart soll dadurch jedes vierte verkaufte Fahrzeug in der Volksrepublik mit einem Elektro- oder Hybridmotor ausgestattet sein. Andernfalls würden Strafzahlungen drohen. Und auch am Start dieser Quote für 2018 will Chinas Führung offenbar festhalten.

Bei den deutschen Autobauern in China herrscht nun Unsicherheit, Insider berichten gar von «Panik». «Es erstaunt, dass in dem neuen Entwurf die in den vergangenen Wochen bereits öffentlich diskutierten Änderungen nicht enthalten sind», zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Vertreter der deutschen Autoindustrie – ohne jedoch den Namen zu nennen. Und weiter: «Wir erwarten eine verlässliche Umsetzung der angekündigten Änderungen.» Die Vorgaben sollten realisierbar und fair sein.

Auch eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin reagierte auf den jüngsten Gesetzentwurf der chinesischen Führung. «Wir hoffen, dass den Signalen, die wir empfangen haben, auch Taten folgen», sagte eine Sprecherin. Sie versicherte, die Gespräche mit der chinesischen Seite liefen.

Nachdem im vergangenen Herbst die Pläne der chinesischen Regierung bekannt wurden, hatte die Bundesregierung Protest eingelegt. Denn vor allem für die deutsche Automobilindustrie ist der vorgegebene Zeitplan nicht einzuhalten. Offiziell hat Peking bis heute keine Einigung bestätigt. Doch hinter den Kulissen hiess es, die Schonzeit werde um ein Jahr verlängert. Auch solle die Elektroquote nicht ganz so streng gehandhabt werden. Die deutschen Autobauer in Peking atmeten auf.

China ist grösster Absatzmarkt

China ist für die deutschen Autobauer inzwischen der grösste und wichtigste Absatzmarkt. Bei einem Gesamtabsatz von 23,6 Millionen PKW allein im vergangenen Jahr war jedes fünfte verkaufte Auto in der Volksrepublik ein Daimler, BMW, Audi oder Volkswagen.

Chinas Grossstädte leiden aber unter dieser Autoflut. Daten der Pekinger Umweltbehörde zufolge tragen allein in der Hauptstadt Autoabgase mit fast einem Viertel zu der besonders gefährlichen Feinstaubbelastung bei. In der Hauptstadt Peking haben sie die industriellen Emissionen als schlimmste Quelle der Luftverschmutzung abgelöst. Dass sich die deutschen Autobauer im Herbst über die Pläne der chinesischen Regierung so mokierten, überrascht denn auch. Peking hatte schon 2013 das Ziel ausgegeben, die Zahl der Elektroautos bis 2020 auf mindestens fünf Millionen zu erhöhen. Bisher hinkt China diesem Ziel weit hinterher. Kein Wunder also, dass die Regierung in Peking über verschärfte Massnahmen nachdenkt.

Chinesische Führung vertritt unterschiedliche Positionen

Anders als die Konkurrenz sind die deutschen Autobauer schlecht vorbereitet. Der angekündigte Zwang zu mehr Elektroautos in China hat VW und Daimler zwar dazu bewogen, ihre Elektroautopläne zu beschleunigen. Doch erste neue Modelle mit längerer Reichweite kommen erst zum Ende des Jahrzehnts auf den Markt. Die Autoindustrie hatte deshalb auf mehr Zeit für die Quote in China gedrungen und zeigte sich erleichtert, als Chinas Ministerpräsident Li Keqiang bei seinem Besuch Ende Mai in Berlin Entgegenkommen signalisierte.

Doch offenbar gibt es innerhalb der chinesischen Führung unterschiedliche Positionen. Premier Li gilt als moderat, und als oberster chinesischer Regierungsrepräsentant ist er auch in anderen Fragen schon oft auf die westlichen Regierungen zugegangen. In China selbst hat aber die mächtige Planungskommission das Sagen. Und für sie sind die Belange der ausländischen Unternehmer oft zweitrangig.

«Keine Zugeständnisse»

Dominik Declercq, der den europäischen Automobilverband ACEA in China vertritt, ist inzwischen denn auch skeptisch. «Es sieht aus wie keine Zugeständnisse», sagte er vergangene Woche.

Andere Hersteller sind da weiter. Chinesische Autobauer wie etwa BYD und BAIC haben sich schon vor Jahren auf den Bau von Elektroautos spezialisiert. Und auch die US-Konkurrenz ist in China auf dem Vormarsch. Der US-Premiumanbieter Tesla könnte chinesischen Medienberichten zufolge schon bald Elektrofahrzeuge in China produzieren. Der Branchenpionier stehe kurz vor einer Vereinbarung mit der Stadt Schanghai für den Bau eines Werkes, heisst es. Eine Einigung sei noch in dieser Woche möglich.

Meistgesehen

Artboard 1