Black Friday

In den USA ist schon am Donnerstag Freitag

Mit Einkaufstaschen gefüllter Kofferraum eines New Yorker Taxis.

Mit Einkaufstaschen gefüllter Kofferraum eines New Yorker Taxis.

Der Black Friday ist traditionell der Auftakt zur Weihnachtssaison im amerikanischen Einzelhandel. Doch längst beginnt er schonam Donnerstag zuvor, anThanksgiving.

Mit dem Black Friday wird in den USA traditionell das Weihnachtsgeschäft eingeläutet. Zumindest bislang. Doch schon im zweiten Jahr in Folge haben grosse Geschäfte wie Toys «R» Us bereits am Donnerstagabend die Kunden mit attraktiven Angeboten dazu gelockt, nach dem traditionellen Thanksgiving-Essen erste Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Im vergangenen Jahr galt die Eröffnung des Weihnachtsgeschäfts bereits am Donnerstag noch als Experiment, mit dem sich Ladenketten gegenüber dem Online-Handel behaupten wollen.

Brian Cornell, Geschäftsführer des Einzelhändlers Target, sagte am Donnerstag, er sei mit der Entscheidung, bereits zum Erntedankfest zu öffnen, zufrieden. «Was mir dabei wirklich Mut macht, ist, dass die Kunden zwar wegen der attraktiven Angebote herkommen, aber grundsätzlich an allen Artikeln Interesse zeigen.»

Black Friday hat die Nase vorn

Viele Amerikaner haben ihre Ausgaben aber grundsätzlich eingeschränkt. Die Rezession ist zwar seit 2009 offiziell beendet, doch noch immer herrscht in vielen Haushalten finanzielle Ebbe. Zudem haben Online-Händler viele Kunden abgeworben, die keine Lust haben, in langen Schlangen anzustehen – sei es an Erntedank oder am Black Friday selbst. So meint auch die frühere Polizistin Amalia Teixeira, dass die Menschenansammlungen in Freehold im Bundesstaat New Jersey am Donnerstag nicht mehr so gross waren wie im vergangenen Jahr.

Der Verband National Retail Federation sieht den Black Friday hingegen immer noch als den klassischen Tag für den Gang in die Geschäfte. 137 Millionen Amerikaner gehen demnach am Donnerstag und dem Black Friday einkaufen, 75 Prozent von ihnen nach wie vor am Freitag. Zudem erwartet der Verband eine Umsatzsteigerung um
3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwischen 2014 und 2015 nahm der Umsatz lediglich um 3 Prozent zu.

Der unabhängige Marktforscher NPD sieht das jedoch anders. Nach seinen Angaben sind die Umsätze der Einzelhändler in der ersten Novemberwoche 2016 um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, was als schlechtes Anzeichen für das Weihnachtsgeschäft gilt. NPD-Vizepräsident Andy Mantis glaubt zudem, dass die Einzelhändler in Zukunft gezwungen sein werden, am Donnerstag zu öffnen, wenn sie keine grossen Einbussen hinnehmen wollen.

Auch noch ein Cyber Monday

Auch die Krankenschwester Jackie Tate nutzte den Donnerstag, um im Warenhaus Macy’s in Manhattan nach Angeboten zu stöbern. Früher sei sie am frühen Freitagmorgen aufgebrochen, doch nun würde sie eigentlich alles im Internet kaufen. Zumal die Online-Händler inzwischen sogar ihren eigenen traditionellen Einkaufstag geschaffen haben. Der Cyber Monday findet in der Woche nach Thanksgiving und dem Black Friday statt. Doch damit ist es nicht genug, auch am Black Friday locken die Internetanbieter mit Rabatten. «Schon seit Jahren ist Amazon mit Abstand die Nummer 1 bei Angeboten und Verkäufen am Black Friday», erklärt der Analyst Benjamin Glaser von DealNews.com. Dieser Trend wird sich wohl auch in diesem Jahr fortsetzen.

So haben Kunden in den Novembertagen vor Erntedank online 27,2 Milliarden Dollar ausgegeben, 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr, wie Adobe Systems herausgefunden hat. Alleine für Erntedank erwartete das Unternehmen Online-Verkäufe von 2 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 16 Prozent. Nach Meinung von Adobe Systems können die Ladengeschäfte da nicht mehr mithalten.

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