Schier unglaublich, aber wahr: «Die Credit Suisse hat dieses Jahr Aufträge im Umfang von rund einer 1 Milliarde Franken an die Schweizer Bauwirtschaft vergeben.» Dies sagt Hans-Ulrich Meister, Chef des gesamten Schweizer Geschäfts der Grossbank.

Wie viel 1 Milliarde Franken sind, zeigt ein Vergleich: Die Summe entspricht 43 Prozent des Jahresumsatzes des grössten Schweizer Baukonzerns Implenia. Die Aufträge der CS würden ausreichen, um die Arbeiter und Maschinen der Implenia während fünfeinhalb Monaten auszulasten.

Meister, Herr über 21000 Mitarbeitende, legt noch einen drauf: «Dieses Jahr hat die Credit Suisse für 2,3 Milliarden Franken bei plus/minus 14000 Schweizer KMU eingekauft.» Auch das eine gewaltige Summe. Sie entspricht rund vier Fünfteln des Betrages, den alle Kunden bei Manor ausgeben, also beim grössten Warenhauskonzern der Schweiz.

Swissness als Alleinstellungsmerkmal

Warum aber hausiert Meister mit solchen und weiteren Zahlen? Erstens, weil auch sein Pendant bei der UBS, Lukas Gähwiler, nicht müde wird, die Wichtigkeit seiner Bank für die Schweiz und ihre Wirtschaft zu betonen. Zweitens, weil Swissness auch für global tätige Unternehmen ein so genanntes Alleinstellungsmerkmal ist – also etwas, das sich positiv von der Konkurrenz abhebt. Das gilt gerade in den aufstrebenden Märkten Asiens, Osteuropas und Lateinamerikas.

Dort geniessen die Schweiz und ihre Werte höchstes Ansehen. Und drittens schliesslich, weil die Banken zeigen wollen, dass sie nicht nur «too big to fail» – also gefährlich – sind, sondern eben auch eminent wichtig für das Land. Sie sind Arbeitgeber, Steuerzahlen, Auftraggeber, Wertschöpfer, Wachstumsmotoren.

Und all das in grossem Stil. «Die Grossbanken zeichnen für die Hälfte aller ungesicherten Kredite an Schweizer KMU verantwortlich», sagt Meister. Und UBS-Schweiz-Chef Gähwiler sagt: «Jeder dritte Haushalt ist UBS-Kunde, jede dritte Pensionskasse ebenfalls.»

Aufwendige Weihnachtsdekos am Paradeplatz

Tatsächlich sind die beiden global tätigen Banken noch erstaunlich schweizerisch: Sie habe beide Schweizer Präsidenten, Schweizer sind im Management und im Verwaltungsrat die grösste Gruppe, rund 40 Prozent aller ihrer Angestellten arbeiten in der Schweiz. Und beide Banken erwirtschaften rund einen Drittel aller Erträge in der Schweiz. Ihr Aktionariat allerdings ist ausländisch dominiert.

Die Wichtigkeit des Heimmarktes betonen beide Banken auch mit aufwändigen Weihnachtsdekorationen am Zürcher Paradeplatz und an der Bahnhofstrasse. Während die UBS dies lange ganz der CS überlassen hatte, hat sie dieses Jahr ebenfalls Bäume und Geschenke aufgestellt.

An einer Medienkonferenz über das Schweizer Privatkundengeschäft betonte CS-Chef Meister zudem, dass seine Bank mit ihrer konservativen Vergabepolitik bei Hypotheken dazu beitrage, einen allfälligen Immobilien-Crash zu vermeiden. «Wir nehmen bewusst Marktanteilsverluste in Kauf», sagte er. Wenn die Nationalbank aufgrund rekordtiefer Zinsen und lascher Tragbarkeitsprüfungen vor einer Blase warne, müsse sich die Konkurrenz an der Nase nehmen.