In beiden Basel gehen weniger Stellen verloren

Der erwartete Stellenabbau fällt in der Region Basel wesentlich geringer aus als in der übrigen Schweiz. Dies geht aus einer Studie des Arbeitgeberverbands Basel hervor.

Loris Vernarelli

Gerade in diesen Zeiten, in denen die Menschen mit wirtschaftlichen Krisenbotschaften überhäuft werden, lässt jede auch noch so kleine positive Nachricht aufhorchen. Besondere Aufmerksamkeit verdiente sich gestern eine Medienmitteilung des Arbeitgeberverbands Basel. Darin geht hervor, dass dessen Mitgliederunternehmen für die nächsten zwölf Monate zwar einen deutlichen Umsatzrückgang und weniger Investitionen erwarten, der erwartete Stellenabbau im schweizerischen Vergleich allerdings wesentlich geringer ausfalle. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die der Verband im vergangenen März in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt hat.

«Einen Stellenabbau innerhalb des nächsten Jahres erwarten nur 25 Prozent der befragten Arbeitgeber der Region Basel», erklärt der Mediensprecher des Arbeitgeberverbands, Balz Stückelberger. Ist das Wörtchen «nur» in diesem Zusammenhang angebracht? «Ja, denn ein Viertel der Betriebe ist im gesamtschweizerischen Vergleich wenig», führt er aus. Die jüngste Studie des Adecco-Instituts zeige nämlich, dass 40 Prozent der Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten Entlassungen planten.

Was Umsatz und Investitionen betrifft, sind die vornehmlich im Dienstleistungs- und Handelsbereich tätigen 500 Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, weniger optimistisch. Bei der Umsatzentwicklung befürchten 40 Prozent einen Rückgang, und nur 20 Prozent einen Zuwachs. Bei den für die volkswirtschaftliche Entwicklung wichtigen Anschaffungen zeichnet sich ein deutlicher Rückgang ab: 40 Prozent sind der Meinung, dass in naher Zukunft eine Abnahme des Investitionsvolumens eintreten wird; nur 16 Prozent gehen davon aus, dass sie mehr investieren werden.

Wenig Sorge wegen Wirtschaftskrise

Interessant ist die Antwort der Firmen auf die Frage, welches Problem oder welche Entwicklung zurzeit zuoberst auf der Sorgenskala stehe: Lediglich 30 Prozent der Arbeitgeber erwähnten die Wirtschaftskrise. Eine für die drei grössten regionalen Wirtschaftsverbände - Handelskammer beider Basel, Gewerbeverband Basel-Stadt, Wirtschaftskammer Baselland - wenig überraschende Aussage. «Unsere Wirtschaftsstruktur ist weniger konjunkturanfällig als in der übrigen Schweiz», weiss Rainer Füeg, Geschäftsführer der Handelskammer. Dies verdanke man insbesondere dem stabilen Life-Sciences-Bereich.

Eine Insel des Glücks ist die Region Basel trotz allem nicht. «Allen uns angeschlossenen Branchen geht es im Vergleich zum Vorjahr schlechter», betont Gewerbeverband-Sprecher David Frey. Das sei jedoch Klagen auf hohem Niveau, ergänzt er. Momentan stehe keine Branche am Rande des Abgrunds, aber einzelne Betriebe würden gegenwärtig ums Überleben kämpfen. Eine Prognose für die nahe Zukunft sei aber kaum möglich.

Als besonders krisenresistent erweisen sich in der Nordwestschweiz das Baugewerbe und die Zulieferer der Pharma- und Chemieindustrie, wogegen exportorientierte Unternehmen eher leiden. Markus Meier, stellvertretender Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer, bestätigt diese Beobachtung. Er betont zudem, dass die KMU-Wirtschaft der Wirtschaftskrise «dank ihrer Heterogenität» erfolgreich getrotzt habe.

Wer jetzt denkt, das Schlimmste sei vorbei, irrt. «Der Rückgang der Weltwirtschaft schlägt bekanntlich erst später auf die Binnenwirtschaft durch», mahnt Rainer Füeg. In der Region werde man die Probleme, vor allem auf dem Arbeitsmarkt, also erst im zweiten Halbjahr spüren.

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