«In allen Belangen Mass halten»

AIHK-Präsident Knecht appelliert an die Wirtschaft, in der Krise Mass zu halten, transparent zu sein, um Vertrauen zurückzuholen und das Lehr-stellenangebot aufrechtzuerhalten.

Mathias Küng

263 Personen - unter ihnen zahlreiche Gäste aus der Politik und einige Kantonsschüler, die in ihrer Wirtschaftswoche auch die Praxis erleben wollten - fanden gestern abend nach Wettingen zur 34. Generalversammlung der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK). Nebst einem fulminanten Referat des international renommierten Berner Klimawissenschafters Thomas Stocker interessierte natürlich die Einschätzung der Wirtschaftslage durch AIHK-Präsident Daniel Knecht.

Dieser erwartet bis Ende dieses Jahres eine Arbeitslosenquote von 5 Prozent. «Bis dann», so Knecht, «dürfte die Krise auch die Binnenwirtschaft erfassen, die im Moment noch kaum betroffen ist». Es sieht immerhin Hinweise, dass die Talsohle Ende 2009 erreicht ist. Doch wann geht es wieder aufwärts? Diese Bewegung dürfte «wie in einer Badewanne» auf sich warten lassen. Knecht: «Es kann Jahre dauern bis zum Wiederaufschwung.» Für einzelne Bereiche befürchtet er, dass sie ihr Vorkrisenniveau nicht mehr erreichen. Tröstlich für den AIHK-Präsidenten, dass die Unternehmensleitungen «die Krise mit Kampfeswillen aktiv angehen».

Von der Politik erwartet Knecht die Fortsetzung ihrer wachstumsorientierten Politik, aber keine kurzfristigen Konjunkturstützungsprogramme, die seines Erachtens der Exportwirtschaft ohnehin kaum helfen. Eine Absage erteilte er auch Subventionierungen einzelner Branchen oder Unternehmen und mahnte die Politik, ansässige Unternehmen gegenüber neu anzusiedelnden Betrieben nicht zu benachteiligen.

Es sei aber richtig, so der AIHK-Präsident an die Adresse der Regierung, sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten und mögliche Massnahmen zu prüfen, «damit diese nötigenfalls rasch umgesetzt werden können». Im weiteren begrüsse man, wenn der Staat keine Ausgabenkürzungen vornehmen müsse. Die Bilanzausgleichsreserve des kantons von 190 Millionen Franken erachtet die AIHK «als ein taugliches Instrument».

In staatlichen Hilfsangeboten sieht Knecht «die Gefahr, dass sich der Einfluss des Staates weiter vergrössert». Den Unternehmerinnen und Unternehmern selbst legte er ans Herz, «in allen Belangen Mass zu halten». Man laufe Gefahr, «das aufgrund einiger weniger Ausreisser, insbesondere im Lohnbereich, die ganze Wirtschaft schlecht gemacht und mit neuen Regulierungen behindert wird». Knecht weiss, dass das Vertrauen, das beidseits nötig ist, nicht gekauft werden kann und dass jüngst viel vom Vertrauenskapital in Frage gestellt wird. Um Vertrauen zurückzugewinnen, empfiehlt er den Unternehmen, Transparenz zu schaffen und offen zu legen, wieso etwas geschieht oder nicht geschieht. «Unser Angebot an Lehrstellen halten wir in unserem ureigenen Interesse auch bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation aufrecht», so Knechts abschliessender Appell any die Eigenverantwortung der Unternehmerinnen und Unternehmer.

Meistgesehen

Artboard 1