Arbeitsmarkt

Immer mehr Ausländer arbeiten in der Schweiz

Die unterschiedliche Entwicklung der Erwerbstätigkeit zwischen Schweizern und Ausländern ist seit langem zu beobachten.(Symbolbild)

Die unterschiedliche Entwicklung der Erwerbstätigkeit zwischen Schweizern und Ausländern ist seit langem zu beobachten.(Symbolbild)

Die Arbeit geht der Schweiz nicht aus. Die Zahl der Erwerbstätigen steigt, insbesondere jene der ausländischen Arbeitskräfte. Gleichzeitig bleibt die Arbeitslosigkeit inneuropäischen Vergleich tief.

Der Schweizer Arbeitsmarkt steht wie ein Fels in der Brandung: Ungeachtet der Wirtschaftskrise in weiten Teilen Europas steigt die Zahl der Erwerbstätigen hierzulande kräftig an. Im zweiten Quartal 2012 waren es mit 4,76 Millionen 0,9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, wie das Bundesamt für Statistik gestern bekannt gab. Dabei nahm die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte um 3,1 Prozent auf 1,36 Millionen zu, jene der Schweizer Erwerbstätigen stagnierte bei 3,4 Millionen. Im Gegensatz dazu ist die Erwerbstätigenzahl in den Euroländern um 0,6 Prozent gesunken.

Knappheit an «Einheimischen»

«Diese Entwicklung zeigt auf, dass auf dem Schweizer Arbeitsmarkt in einzelnen Branchen Knappheit an geeignetem ‹einheimischem› Personal herrscht, erklärt Claude Maurer, Leiter Konjunkturanalyse Schweiz bei der Credit Suisse. Insbesondere im Gesundheits- und Bildungsbereich könne die Personalnachfrage nur dank der Rekrutierung ausländischer Arbeitskräfte gedeckt werden. Er verweist zudem auf die Beschäftigungsstatistik.

Dort hätten Umfragen gezeigt, dass rund ein Drittel der Firmen grosse Mühe habe, geeignetes Personal zu finden. Insgesamt bestätige die Erwerbstätigenstatistik aber, dass in der Schweiz Arbeitsplätze geschaffen werden, auch wenn das nicht auf alle Branchen zutreffe. Im Gegensatz zum erwähnten Gesundheitswesen etwa seien im Industriebereich Stellen abgebaut worden. Die Statistiker melden denn auch einen Rückgang der Erwerbstätigen im Industriesektor und eine Zunahme im Dienstleistungssektor.

Fast jeder Zweite ist gut qualifiziert

Die unterschiedliche Entwicklung der Erwerbstätigkeit zwischen Schweizern und Ausländern ist seit langem zu beobachten. Während in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Schweizer Erwerbstätigen um 7 Prozent wuchs, nahm jene der Ausländer um ein Viertel zu. Die Zahlen bestätigen auch, dass einzelne Branchen besonders stark unter dem Mangel an hiesigem Personal leiden. So stieg die Zahl der ausländischen Erwerbstätigen seit 2002 im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen um 38 Pozent, im Erziehungs- und Unterrichtsbereich um 29 Prozent und im Baugewerbe um 25 Prozent.

Zudem zeigt die Aufschlüsselung nach Berufsgruppen, dass vorab gut qualifizierte Berufsleute den Weg in die Schweiz finden. In den Kategorien Führungskräfte, akademische Berufe sowie Techniker und gleichrangige Berufe zusammen wuchs die Zahl der ausländischen Beschäftigten um 65 Prozent an. Im zweiten Quartal 2012 fiel fast jeder zweite aller ausländischen Erwerbstätigen unter die obigen Kategorien, 2002 war es nicht ganz jeder Dritte.

Arbeitsmarkt in Top-Verfassung

Wie gut sich der Schweizer Arbeitsmarkt hält, zeigt auch ein Vergleich der Erwerbslosenquote im 2. Quartal 2012 mit anderen Ländern. Die Schweizer Quote stieg zwar von 3,6 auf 3,7 Prozent an. In Europa bedeutet das aber hinter Norwegen (3,2 Prozent) mit Abstand die tiefste Quote.

«Deshalb kann durchaus von fast paradiesischen Zuständen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt gesprochen werden», sagt Claude Maurer. Einerseits sei die hiesige Wirtschaft immer noch sehr robust. Zudem macht er auch strukturelle Gründe geltend. Die Kombination von Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt und gut ausgebautem Arbeitnehmerschutz über die Arbeitslosenversicherung führe zu einer hohen Beschäftigung. Einerseits schafften die Firmen auch in unsicheren Zeiten neue Stellen, andererseits schlage sich die Arbeitslosigkeit nicht unmittelbar auf den Privatkonsum nieder, der wichtigen Stütze der Konjunktur.

Die Arbeitslosenquote in der Schweiz beträgt 2,8 Prozent. Der Unterschied zur Erwerbslosenquote liegt in der Erhebungsmethode. Laut angewandter Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) gilt als erwerbslos, wer während der Befragungswoche ohne Arbeit war und in den vier Wochen zuvor eine solche gesucht hatte. Die Arbeitslosenstatistik des Seco dagegen erfasst nur jene Personen, die bei einem RAV offiziell registriert sind.

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