Der Zeitungslesende reist im Zuge – so zumindest die Überlegung der SBB. Denn die Bundesbahnen gehen eine Kooperation mit dem Münchner Start-up Bohème ein, wie Sprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage bestätigt. Bohème hat eine App entwickelt, die als digitaler Presse-Kiosk funktioniert: Die Nutzer erhalten gratis Zugriff auf Zeitschriften und Zeitungen.
Laut Pallecchi starten die SBB das sechs Monate dauernde Pilotprojekt «demnächst». Das genaue Startdatum will er nicht nennen. Vorerst kommen allerdings nur wenige Reisende in den Genuss des neuen Angebots, da die Züge mit sogenannten Beacon-Sendern ausgerüstet werden müssen. Diese habe man bei einem Intercity-Neigezug bereits installiert, wie der Sprecher sagt. Dieser werde voraussichtlich auf der Gotthard-Achse verkehren.

Sobald die Fahrgäste den Zug betreten und auf ihrem Handy die Bluetooth-Funktion eingeschaltet haben, erhalten sie Zugriff zu allen Medientiteln auf der Bohème-App – sofern sie diese heruntergeladen haben. Welche Titel erhältlich sein werden, will Pallecchi noch nicht verraten. «Ziel ist es, ein möglichst breites Angebot an deutschen und Schweizer Titeln zu integrieren.» Verhandlungen mit verschiedenen Medienhäusern seien teilweise abgeschlossen oder noch am Laufen. Auch Inhalte der SBB sollen in die App integriert werden.

In Bayern bereits im Einsatz

Der Kioskkonzern Valora – einer der wichtigsten Detailhandelspartner der SBB – dürfte über diese Nachricht hingegen nicht besonders erfreut sein. Denn die Presseumsätze sind nach wie vor eine tragende Geschäftssäule von Valora, und die Zeitungen sind ein wichtiger Faktor für die Kundenfrequenz in den Kiosk-Filialen.

In einigen Cafés und Restaurants in München ist der Bohème-Service bereits im Einsatz, so auch in der 1. Klasse der Südostbayernbahn. Die Nutzer haben dabei Zugriff auf Tageszeitungen wie den «Münchner Merkur», die «Süddeutsche Zeitung» sowie Magazine wie «Neon» oder «Geo».

Man habe sich nicht zuletzt aus Datenschutz-Gründen für die Zusammenarbeit mit Bohème entschlossen, sagt Daniele Pallecchi. Die Münchner Firma habe alle Anforderungen der SBB erfüllt: «Es werden keine Daten der Nutzer erhoben, da die Bohème-App komplett ohne Registrierung und Nutzerkonto verwendet werden kann.»

Die App selbst soll auch im Fall eines erfolgreichen Pilotprojekts gratis bleiben. Es sei aber möglich, dass einzelne Inhalte zahlungspflichtig würden.