Die im Vergleich zu den Vorjahren hohe Zahl von belasteten Honigproben kommt unerwartet, wie das Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau am Dienstag mitteilte. Da das Streptomycin in diesem Jahr pro Baum nur einmal eingesetzt wurde, müssten die Gründe noch vertieft abgeklärt werden, heisst es im Communiqué.

Lange Blütezeit

Die intensive und lange Blüte der Kernobstbäume und das Fehlen alternativer Blütenpflanzen sowie die lange Trockenheit seien mögliche Gründe für einen verlangsamten Streptomycin-Abbau, sagt Markus Harder, Chef des Thurgauer Landwirtschaftsamts. Der Löwenzahn sei während der Obstbaumblüte schon abgeblüht gewesen.

Wegen des Einsatzes von Streptomycin gegen den Feuerbrand in Obstanlagen musste der Honig auf Rückstände untersucht werden. Betroffen ist Honig von Bienenständen im Umkreis von maximal einem Kilometer einer behandelten Obstanlage. Von rund 1000 Bienenständen im Kanton Thurgau müssen an 580 Standorten Proben genommen werden.

15 Prozent belastet

Bis Anfang Juli wurden von den Thurgauer Imkern 480 Proben abgeliefert, davon sind bis heute 436 untersucht worden. In 68 Proben wurde Streptomycin nachgewiesen; das entspricht rund 15 Prozent.

Der belastete Honig wird den Imkern abgekauft und vernichtet. Das haben der Schweizerische Obstverband (SOV) und der Verein der deutschschweizerischen und rätoromanischen Bienenfreunde (VDRB) so vereinbart. Die Honigkampagne im Thurgau läuft bis Mitte August.

Markus Harder sagte am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur sda, ein Vergleich mit anderen Kantonen oder deutschen Bundesländern in Zusammenhang mit dem Einsatz von Streptomycin sei schwierig, weil die Obstbaum-Dichte im Thurgau extrem hoch sei.