Manchmal können die Organisatoren mit einer Überraschung auftrumpfen. An der jährlichen Pressekonferenz, eine Woche vor Start des World Economic Forum (WEF), wurden schon hochrangige Gäste angekündigt, die niemand erwartet hatte und für Aufregung sorgten. Das war dieses Mal unmöglich.

Jeder weiss: Donald Trump kommt in die Schweiz – und der Hype scheint grenzenlos. Aus welchem Hotel wird Trump seine Tweets absetzen? Wird die Omnipräsenz des Secret Service den Davoser Alltag beschneiden? Und lässt sich der Fast-Food-Liebhaber Trump das Essen aus dem örtlichen McDonald’s direkt in seine Suite liefern?

Trumps langer Schatten droht am diesjährigen WEF andere politische Schwergewichte zu verschlucken. Dabei kommen zum 48. Forum so viele Staatschefs wie noch nie. 70 haben sich angekündigt, darunter Emmanuel Macron (Frankreich), Theresa May (Grossbritannien) oder Narendra Modi. Der indische Premierminister eröffnet am 23. Januar das WEF, immerhin der Regierungschef der grössten Demokratie der Welt.

Doch der (republikanische) Elefant im Raum war auch gestern am Hauptsitz des WEF in Genf spürbar. Die Medienkonferenz hatte noch nicht begonnen, schon verschickten Newsportale die neusten Meldungen zum US-Präsidenten: «Trump kommt am 25. Januar in die Schweiz» und: «Seine Rede beginnt um 14 Uhr».

Soweit, so unspektakulär, doch auch die anschliessende Fragerunde drehte sich hauptsächlich um Trump. Er, der dem Globalisierungsfrust eine Stimme gab, soll nun in Davos die internationale Zusammenarbeit hochhalten. Wie soll das gehen? Schliesslich lautet das diesjährige Motto: «Das Schaffen einer gemeinsamen Zukunft in einer zerrissenen Welt». WEF-Gründer Klaus Schwab ergänzte: «Die globale Zusammenarbeit ist 2018 entscheidend, deshalb ist es essenziell, dass wir Trump bei uns haben.» Er solle seine Vision darlegen können.

Merkel ist die grosse Abwesende

Der US-Präsident wird am 26. Januar die Abschlussrede halten und dürfte sich anschliessend den Fragen von Schwab stellen. Auch der Bundesrat hofft auf ein Treffen mit Trump und startete eine Charmeoffensive. Alain Berset, Ignazio Cassis, Doris Leuthard, Ueli Maurer und Johann Schneider-Ammann werden nach Davos reisen. Ob es tatsächlich zu einem Treffen kommen wird, ist noch offen.

Damit Trump nicht die gesamte Aufmerksamkeit aufsaugt, hob WEF-Präsident Børge Brende gestern die Europa-Delegation hervor. Fast die komplette europäische Polit-Elite wird nach Davos reisen, inklusive EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die grosse Abwesende ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. «Wir können die Regierungsbildung in Berlin leider nicht beschleunigen», heisst es vonseiten des WEF.

Trotzdem bleibt die Hoffnung auf einen Besuch bestehen. Bereits vergangene Woche spekulierte die Nachrichtenagentur Reuters, dass die Kanzlerin doch komme und einen ideologischen Kampf mit Trump ausfechten werde: den «epic clash of Davos». Passend dazu reist der kanadische Premierminister Justin Trudeau an. Er gilt auf der Weltbühne als eigentlicher Nachfolger Barack Obamas: jung, weltoffen und Hoffnungsträger der Homosexuellen im Kampf für Gleichberechtigung. Quasi der Anti-Trump aus dem Nachbarland.

Neben der Politik- und Wirtschaftsprominenz sind auch Friedensnobelpreisträger wie Malala Yousafzai vor Ort. Die pakistanische Aktivistin setzt sich für Frauenrechte ein. Etwas quer auf der Liste stehen die Showgrössen. Schauspielerin Cate Blanchett wird für ihren humanitären Einsatz für Flüchtlinge mit dem Chrystal Award ausgezeichnet, Sänger Elton John für seinen Kampf gegen Aids. Doch selbst für die Hollywoodstars gilt: Die grösste Show am WEF wird zweifellos ein anderer liefern – Donald Trump.