Obstbranche

Im Lockdown hamsterten die Schweizer massenhaft Äpfel – die Gier blieb nicht folgenlos

Viele Apfelsorten lassen sich über Monate hinweg problemlos lagern. Das macht sie beliebt für Hamsterkäufe.

Viele Apfelsorten lassen sich über Monate hinweg problemlos lagern. Das macht sie beliebt für Hamsterkäufe.

Die Hamsterkäufe machten während der Coronakrise auch vor den Äpfeln nicht Halt. Weil die Sortimente knapp wurden, setzte die Schweizer Obstbranche auf eine aussergewöhnliche Massnahme.

Der Coronalockdown in diesem Frühjahr versetzte den ein oder anderen in Alarmbereitschaft. Es wurde gehamstert in den Supermärkten. Neben massenhaft Toilettenpapier und Teigwaren deckten sich die Schweizer dabei auch mit Unmengen an Rohkost ein. Zuoberst auf dem Einkaufszettel: der Apfel.

Gekühlt und bei hoher Luftfeuchtigkeit lassen sich Äpfel über mehrere Monate hinweg lagern, ohne zu faulen. Das macht sie in Krisenzeiten zur attraktiven Ware. Wie beliebt die vitaminreichen Natursnacks in den Frühlingsmonaten 2020 waren, weiss Roger Maeder von Swisscofel, dem Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels. Er sagt: «Die Apfelverkäufe waren im Lockdown auf einem Rekordhoch. Der wöchentliche Bedarf lag zwischen 30 und 40 Prozent über der normalen Konsummenge.»

Lagerbestände ­bauten sich rasant ab

Die Apfelgier blieb nicht folgenlos. Schnell einmal lichteten sich in den Läden die Obstregale, und Äpfel wurden zum raren Gut. Bereits nach wenigen Tagen waren Bioäpfel und diverse Sorten vergriffen, entsprechend rasant schrumpften auch die ­Lagerbestände. Schliesslich sah sich die Schweizer Obstbranche gezwungen, zu reagieren. Man wandte sich ans Bundesamt für Landwirtschaft. Dieses bewilligte den Import von 2500 Tonnen Äpfeln während zweier Monate.

Dass die Schweiz eine gewisse Menge an Äpfeln aus dem Ausland einführt, ist nichts Aussergewöhnliches. Mit den Importen soll das einheimische Sortiment ergänzt und die Zeit bis zur nächsten Ernte überbrückt werden. Einfuhrkontingente in der Grössenordnung von 2500 Tonnen hingegen sind unüblich. «Bei einheimischen Tafeläpfeln herrscht praktisch Selbstversorgung», sagt Maeder. Dieses Mal aber führte kein Weg daran vorbei, auch in fremde Äpfel zu beissen.

Doch ­Maeder ist zufrieden, weil die ­Einfuhrmassnahme die ­erhoffte Wirkung gezeigt hat. Beliebte Sorten wie Pink Lady oder ­Braeburn liegen mittlerweile reichlich in den ­Regalen, die Sortimente sind wiederhergestellt. «Der Kunde hat im Supermarkt die volle Auswahl», sagt Maeder.

Jeder Händler darf so viel importieren, wie er will

Auf Äpfel gilt nun seit Anfang Monat freier Import. Das heisst: Jeder, der eine Generaleinfuhrbewilligung besitzt, darf so viel einführen, wie er möchte. Die Gefahr, dass nun massenhaft ausländische Äpfel den hiesigen Markt überschwemmen, be­stehe jedoch nicht, meint Maeder. Zum einen werde Schweizer Ware aus den Lagern priorisiert verkauft. Aus ­Erfahrung wüssten die Händler zudem auf den Tag genau, wie viel Kilogramm an Äpfeln sie absetzen. «Es wird nur so viel importiert, wie auch wirklich verbraucht wird», sagt Maeder.

Um die 100'000 Tonnen Äpfel verzehren die Schweizer jährlich. Das wird wohl auch im Coronajahr 2020 nicht anders sein. Nach den Ausnahmemonaten März, April und Mai hat sich der Konsum auf Vorkrisenniveau eingependelt. «Die Panik ist weg, die Menschen horten keine Lebensmittel mehr», schliesst Maeder daraus.

Und falls den Liebhabern der süssen Früchte doch irgendwann einmal der Sinn nach noch mehr Äpfeln steht, dürfen sie beruhigt sein: Es kommen wieder neue nach. In den nächsten Tagen ­beginnt in der Schweiz die Ernte.

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