Reisende können sich heute stundenlang durch Internetangebote klicken, um sich so ihr günstigstes Reiseangebot zusammenzustellen. Dabei besuchen Touristen nicht mehr nur die Seite eines einzigen Online-Anbieters. Sie surfen oft auf drei oder vier verschiedenen Seiten. Laut Tui-Schweiz-Chef Martin Wittwer recherchieren acht von zehn Interessenten zuerst im Internet, bevor sie im Reisebüro ein Angebot buchen.

Dabei gibt es für Sparfüchse zwei Möglichkeiten: Sie suchen auf Metasuchmaschinen wie Travelocity oder Expedia, die sich ihre Informationen auf den Websites von Fluggesellschaften, Hotels und Kreuzfahrtlinien beschaffen. Oder sie informieren sich auf Portalen von Reiseanbietern wie Hotelplan, Knecht Reisen, Kuoni oder eben Tui Schweiz. Bei Kuoni heisst es: «Wir stellen eine zunehmende Bedeutung solcher Meta-Suchmaschinen fest.» Zwar sei die Zahl der Kunden noch gering, welche über solche Seiten zur Kuoni-Website gelangten: «Sie nahm jedoch gegenüber dem Vorjahr zu.»

Hohe Gebühren bei Buchungen

Der gewichtigste Unterschied zwischen den Suchvarianten über Online-Reisebüros oder über Metasuchdienste ist die Berechnung der Gebühren. Die machen bis zu 10 Prozent des Reisepreises aus. Online-Reisebüros weisen ihre Preise meistens inklusive Gebühren aus. Metasuchdienste finanzieren sich dagegen über Gebühren, die sie von Online-Reisebüros und Fluggesellschaften erhalten. Sie leiten die Kunden für die Buchung an die Online-Reisebüros weiter. Die sind letztlich Vertragspartner bei Buchungen und Umbuchungen. Nur der Google-Hotelfinder finanziert sich nicht über Gebühren bei Buchungen, sondern über Werbung.

Mittlerweile haben Metasuchmaschinen so viel Macht, dass es sich selbst grosse Anbieter wie die Billig-Airline Ryanair nicht mehr leisten können, sie auszuschliessen. Dabei sind sie offenbar alles andere als nur konsumentenfreundlich: Die Ergebnisdarstellung erfolgt zwar in der Regel nach dem Preis. Dabei rangiert das günstigste, aber für den Reisenden meist nicht komfortabelste ganz oben.

300 Millionen fliessen ins Ausland

Bei der Darstellung spielt aber offenbar auch eine Rolle, welche Kickbacks an die Anbieter fliessen, vermuten Branchenexperten. So stellte Skyscanner, der grösste europäische Suchdienst, seine Ergebnisdarstellung seit kurzem so um, dass Billigflüge vor Reisebüro-Angeboten aufgelistet werden. Daher erscheinen supergünstige Angebote von Easyjet oder Ryanair zuoberst. Aber aufgepasst: Wer dann einen Flug ordert, zahlt zahlreiche Gebühren. Sie können schliesslich höher ausfallen, als der Preis für die eigentliche Flugreise. Daher lohnt es sich tatsächlich, mehrere Internetseiten zu kontaktieren. Nur braucht das halt auch viel Zeit.

Schweizer Reisebüros spüren die internationale Konkurrenz. So klagt Tui-Schweiz-Chef Martin Wittwer im Interview mit «SonntagsBlick»: «Es surfen zu viele Schweizer im Ausland.» Er schätzt, dass 2013 im Geschäft mit Pauschalreisen 300 Millionen Franken ins Ausland abgeflossen sind. Davon gingen 250 Millionen an ausländische Online-Reiseanbieter. 50 Millionen Franken kassierten Reisebüros ennet der Grenze.

Dabei gilt es noch etwas weiteres zu beachten: Travelocity gibt die Preise in Dollars an, Expedia in Euros. Das mag auf den ersten Blick günstiger sein als ein Angebot in Schweizer Franken. Nur: Die Zahlung erfolgt über Kreditkarten. Deren Anbieter verrechnen für Transaktionen in Fremdwährungen meist eine Bearbeitungsgebühr. Zusammen mit dem Umrechnungskurs kann dies den Rechnungsbetrag um bis zu zwei Prozent erhöhen.