Konsum

Im Einkaufszentrum abkühlen – Umsätze schnellen nach oben

Wenn es endlich wieder einmal schön warm ist und man die Natur und die warme Sonne geniessen kann, dann sind die Einkaufszentren leer. Von wegen! Immer mehr Besucher kühlen sich in Läden ab – die Umsätze schnellen nach oben.

«Entfliehen Sie der Hitze und profitieren Sie von coolen 20 Prozent Rabatt.» Mit diesem «Cool-Down»-Gutschein versucht derzeit das Möbelgeschäft Interio, Kunden in seine Filialen zu locken.

Ebenso warb das Glattzentrum in Wallisellen ZH kürzlich auf seiner Facebook-Homepage mit einem Beitrag: Zürich 36 Grad, Glatt 24 Grad. Nötig wäre es aber nicht. Denn wem es zu Hause zu heiss war, der suchte in den vergangenen Hitzetagen die Kühle von alleine auf: Wenn nicht mit einem Sprung ins Wasser, dann mit einem Besuch in einem Einkaufszentrum, wie eine Umfrage bei den Verantwortlichen zeigt.

Ältere Menschen entfliehen Hitze

Das Shoppi Tivoli in Spreitenbach AG etwa verbuchte diese und letzte Woche bis zu 30 Prozent mehr Besucher: Im Durchschnitt sind es an gewöhnlichen Wochentagen rund 13 000, heuer gingen täglich gut 4000 mehr ein und aus.

Die Kombination von hohen Temperaturen, Ferienbeginn und Ausverkauf hätte dazu geführt, das Shoppi aufzusuchen, sagt Zentrumsleiter Patrick Stäuble. Ähnlich tönt es bei Stefan Gross, Geschäftsführer des Glattzentrums.

Während der Hitzetage seien bis zu 7000 Besucher mehr gekommen. Insbesondere ältere Menschen und Familien mit kleinen Kindern hätten das Zentrum besucht. «Die Klimatisierung ist sicher ein Faktor, der zieht.» Auch das Shoppingcenter St. Jakob-Park in Basel und der Gäupark in Egerkingen SO verzeichneten höhere Kundenfrequenzen.

Die Besucher sind aber nicht bloss in die Einkaufszentren gegangen, weil sie sich abkühlen und durch die Läden schlendern wollten: Sie haben auch eingekauft. Laut den Verantwortlichen haben unter anderem Bademode, Sommerkleider, Elektronikgeräte und Nahrungsmittel reissenden Absatz gefunden.

So hat das Migros-Tochterunternehmen Midor in den letzten paar Wochen rund zweieinhalbmal so viel Glace ausgeliefert wie in normalen Sommerwochen. Im Juni hat es sogar den besten Monatsumsatz seit zehn Jahren erzielt.

Konkrete Zahlen gibt die Migros aber keine bekannt. Ausser, dass sie dank der Hitzewelle bereits über 90 000 Becher Frozen Yo Mokka und Blueberry verkaufen konnte – zu einem Preis von je 1.90 Franken.

Auch beim konkurrierenden Detailhändler Coop ist das Speiseeis gefragt: An heissen Tagen würden sich die Verkaufszahlen jeweils verdoppeln, teilt der zweite Grossverteiler auf Anfrage mit.

Bei den hohen Temperaturen ist nicht nur die Lust auf eine Glace gross, sondern auch diejenige auf ein erfrischendes Getränk. Die Verkäufe von Bier zum Beispiel steigen bei Coop jeweils um 20 Prozent, die von Mineralwasser teilweise um bis zu 50 Prozent. Bei der Migros werde im Moment auch Eistee besonders nachgefragt.

Ventilatoren teilweise ausverkauft

Wem die Abkühlung mit einem Getränk nicht genug war, der kaufte sich während der Hitzetage ein entsprechendes Gerät. So verzeichnete der Gäupark laut Zentrumsleiter Reto Wüthrich einen Boom im Bereich Gartencenter und Baumarkt: Der Verkauf von Ventilatoren und Klimageräten habe deutlich über dem Durchschnitt gelegen.

Die Zentrumseigentümerin Migros bestätigt: Es gab «Rekordumsätze im Geschäft mit Ventilatoren». Auch bei der Elektronikkette Interdiscount waren die rotierenden Lüfter gefragt wie nie. In manchen Filialen der Coop-Tochtergesellschaft kam es zu Engpässen, teilweise waren sie gar ausverkauft.

Obwohl die klimatisierten Geschäfte während der Hitzetage sehr gut besucht sind, bereitet der Besucherandrang keine Probleme: Das Shoppingcenter sei für Spitzenlast gerüstet, sagt Gäupark-Leiter Reto Wüthrich und fügt an, dass der Höhepunkt nach wie vor im Weihnachtsgeschäft liege.

Gleiches ist von Coop und vom Shoppingcenter St. Jakob-Park zu vernehmen: Bei besonders hohem Andrang könne es vorkommen, dass zusätzlich ein Verkehrsdienst aufgeboten werde, so Marketingleiterin Carla Paolucci.

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