Kanton Solothurn

Im Dienst von Staat und Wirtschaft

Karin Heimann tritt die Nachfolge von Urs Stuber an. (Bild: fg)

Karin Heimann

Karin Heimann tritt die Nachfolge von Urs Stuber an. (Bild: fg)

Die wirtschaftliche Krisenlage sei Ansporn, die Firmen eng zu begleiten und zu unterstützen, sagt Karin Heimann. Die Ökonomin ist die neue Wirtschaftsförderin im Kanton Solothurn. Sie löste Anfang Mai Urs Stuber ab.

Franz Schaible

Die Wirtschaft steckt in der Krise. Warum tun Sie sich in dieser schwierigen Zeit den Job als Wirtschaftsförderin an?

Karin Heimann: Das war natürlich nicht so geplant. Die Zeiten sind schwierig, gleichzeitig ist es eine einmalige Gelegenheit, sich als Solothurnerin für den Wirtschaftsstandort Solothurn einsetzen zu können.

Was reizt Sie an dieser Arbeit?

Heimann: Mich fasziniert die Schnittstellenfunktion zwischen Privatwirtschaft und Verwaltung einerseits sowie Volks- und Betriebswirtschaft andererseits. Im Herzen war ich immer eine Unternehmerin, mir fehlte nur die Geschäftsidee (lacht). Als Wirtschaftsförderin kann ich mich nun immerhin mit den Visionen der Unternehmer auseinandersetzen.

Ihre Hauptaufgabe ist es, Arbeitsplätze zu schaffen, was im Moment kaum möglich ist. Agieren Sie mehr als Bewahrerin denn als Schafferin von Arbeitsplätzen?

Heimann: Ich bin zwar erst seit zehn Tagen im Amt. Trotzdem bin ich bereits in Projekte involviert, wo es auch um den Aufbau von neuen Stellen geht. Aber es ist eine Realität, dass es nun darum geht, möglichst viele der Stellen zu halten.

Urs Stuber: Es geht bei der Wirtschaftsförderung immer darum, neue Betriebe anzusiedeln und bestehende Betriebe zu betreuen und zu unterstützen. Das ist die Standardaufgabe einer jeden Wirtschaftsförderung, unabhängig der Wirtschaftslage.

Die negativen Wirtschaftsnachrichten stoppen nicht. Wie gehen Sie damit um?

Heimann: Es ist für mich ein Ansporn, in dieser Phase die Unternehmen möglichst nah und gut zu begleiten. Aber die Möglichkeiten der Wirtschaftsförderung sind begrenzt. Wenn alle Mittel wie Kurzarbeit usw. ausgeschöpft sind und sich die Lage nicht stabilisiert oder verbessert, muss der Unternehmer auch unangenehme und schwerwiegende Entscheide fällen.

Resignieren dürfen Sie nicht. Müssen Sie eine Daueroptimistin sein?

Heimann: Das ist so. Deshalb hoffe ich, dass es im gleichen Tempo wieder aufwärts gehen wird, wie es in letzter Zeit abwärts ging.

Konnten Sie in den vergangenen Krisenphasen positive Impulse setzen?

Stuber: Das war und ist immer schwierig. Im Kanton Solothurn wird jeder zweite Franken im Export verdient. Der Staat kann und muss gute Rahmenbedingungen schaffen, aber nicht in den freien Markt direkt eingreifen. Es nützt nichts, wenn Lagerhallen gebaut werden für die Produkte, welche im Ausland nicht mehr abgesetzt werden können. Nützlicher für die Solothurner Firmen ist die zum richtigen Zeitpunkt aufgegleiste Steuerentlastung, die jetzt voll wirksam wird, das Auslösen von spruchreifen Bauprojekten der öffentlichen Hand und das Anstossen bzw. Umsetzen des binnenmarktorientierten Förderprogramms «Energieeffizienz und erneuerbare Energien». Das bringt Aufträge für das heimische Gewerbe.

Sind Sie in Sachen Konjunkturprogramm gleicher Meinung wie Ihre oberste Chefin, Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler?

Heimann: Ich teile die Einschätzung der Regierung, mit den erwähnten drei Massnahmen Konjunkturpolitik zu betreiben. Es darf nicht ein konjunkturpolitisches Strohfeuer gelegt werden, welches letztlich nicht viel bringt und auch wieder finanziert werden muss. Die Firmen profitieren langfristig am stärksten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Es würde nichts schaden, wenn der Kanton seine wachstumsorientierte Konjunkturpolitik besser verkaufen würde. Andere Kantone preisen dieselben Massnahmen als Wachstumsstrategie oder Wachstumsinitiative an.

Kritiker sagen, dass die Wirtschaftsförderung zu wenig wahrgenommen wird. Verkauft sich die Organisation «schlecht»?

Stuber: Ein Wirtschaftsförderer kann seine Erfolge nicht gross nach aussen verkaufen, weil die Firmen das oft gar nicht wollen. Denn es heisst dann sofort, die Firma X sei nur dank Steuererleichterungen in den Kanton gezogen. Dabei trifft das nur in Ausnahmefällen zu. Wirtschaftsförderung wird leider immer noch mit Steuererleichterung gleichgesetzt. Auch deshalb ist man in der Kommunikation etwas zurückhaltend. Das ist kein Solothurner Phänomen.

Ihre Wirtschaftsförderung agiert nicht alleine, sondern ist eine unter vielen. Wären grössere Gebilde nicht sinnvoller?

Heimann: Das ist erkannt, und Solothurn arbeitet etwa mit der Organisation Greater Zurich Area zusammen, die die Standortpromotion für mehrere Kantone bündelt. Es ist ein Prozess, dass die Wirtschaftsförderungen dabei künftig enger zusammenarbeiten. Aber ebenso wichtig ist die Nähe zu den lokalen Märkten. Deshalb haben regionale und kommunale Organisationen durchaus ihre Daseinsberechtigung.

Aber macht es Sinn, wenn sich Kantone die Firmen abjagen?

Heimann: Wir jagen einander keine Firmen ab. Und im Ausland wird nicht für einzelne Kantone geworben, sondern für den Standort Schweiz.

Stuber: Es ist klar, wenn es um ein konkretes Projekt geht, ist sich jeder Kanton letztlich am nächsten. Wenn wir beispielsweise eine Standortanfrage von ausserkantonalen Firma zwecks Expandierung erhalten, dann hat dieser Kunde ein Anrecht auf eine Antwort, oftmals verbunden mit einem konkreten Angebot.

Wenn sich Wirtschaftsförderer gegenseitig mit attraktiven Bedingungen überbieten, schafft das Ungerechtigkeiten für die bestehenden Firmen.

Stuber: Nein, das stimmt so nicht. Sie sind nicht benachteiligt. Jeder bestehende Betrieb, der expandieren oder Innovationen umsetzen will, der kann alle Dienstleistungen der Wirtschaftsförderung in Anspruch nehmen. Die Statistik zeigt: Von monetären und fiskalischen Unterstützungsdienstleistungen profitieren mehr ansässige Firmen als Neuzuzüger. Das wird leider nicht so wahrgenommen. Vielleicht müssen wir da wirklich noch mehr nach aussen kommunizieren.

Mit Lorenzo Zanetti hat ein weiterer erfahrener Mann die Wirtschaftsförderung verlassen. Ist ein Nachfolger gewählt?

Heimann: Ja. Anita Dobler wird am 1. Juni ihr Amt antreten. Natürlich ist mit den Abgängen auch viel Erfahrung, Fachwissen und Netzwerkverbindungen verloren gegangen. Das müssen wir nun wieder aufbauen.

Stuber: Das muss nicht a priori negativ sein. Neue Leute können unvoreingenommen und unbelastet neue Ideen, Ansätze und Gedanken reinbringen. Das ist also auch eine Chance für das ganze Team der Wirtschaftsförderung. Nach so vielen Jahren mit denselben Leuten tut ein derartiger Wechsel ganz gut.

Sie sind erstmals in der Wirtschaftsförderung tätig. Haben Sie keine Angst vor der Verantwortung?

Heimann: Nein. Es ist eine Herausforderung für mich, und ich kann auf ein gutes Team zählen. Ich weiss, dass die Wirtschaftsnetzwerke zwar sehr männlich dominiert sind. Aber das wird für mich kein Problem sein.

Was geben Sie Ihrer Nachfolgerin, Frau Heimann, mit auf den Weg?

Stuber: Gar nichts, und ich gebe ihr auch keine Tipps. Ich habe den Bereich Wirtschaftsförderung losgelassen, aber ich stehe ihr jederzeit zur Verfügung. Frau Heimann wird ihren eigenen Weg gehen.

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