Die Swiss fliegt um den ganzen Globus, über den Wolken gibt es keine Grenzen. Doch im Cockpit ist der Pass nach wie vor ein heikles Thema, über das firmenintern und öffentlich nicht gern gesprochen wird. Einerseits hört man bei einigen Swiss-Piloten stets, wie wichtig eine «gemeinsame Mentalität» sei in Bezug auf Hierarchie und Sprache. Im Notfall könne dies für eine schnelle Reaktion entscheidend sein.

Andererseits wirbt die Tochter der deutschen Lufthansa auf allen Ebenen mit ihrer rot-weissen Herkunft. «Made of Switzerland» lautet der neue PR-Slogan. Festgelegt wurde intern gar eine Swissness-Quote von 70 Prozent, die nicht unterschritten werden soll, sei es beim Personal oder bei der Zusammenstellung der Bordverpflegung.

Zwei Drittel aus dem Ausland

Heute beträgt die Schweiz-Quote im Cockpit 75 Prozent. Doch die Swissness gerät in Bedrängnis. Die hiesige Pilotencrew erhält ausländische Konkurrenz. «Das Verhältnis hat sich verschoben», sagt Swiss-Personalchef Christoph Ulrich im Gespräch. «Nur jede dritte Bewerbung stammt heute noch aus der Schweiz.»

Vor zehn Jahren hätten sie noch an die drei Viertel ausgemacht. Ulrich beobachtet zudem einen Unterschied bei den Kandidaten: «Wir sehen, dass die ausländischen Bewerber, rund 80 Prozent davon Deutsche, oft sehr gut vorbereitet und extrem motiviert zum Interview erscheinen, um einen Job im Cockpit zu erhalten. In dieser Hinsicht übertrumpfen sie manchen Schweizer Bewerber.»

Pro Jahr erhält die Airline rund 800 Bewerbungen für das Cockpit, 250 bis 350 davon stammen von Schweizern. Diese Zahl ist über die Jahre hinweg konstant geblieben, doch ist jene aus dem Ausland massiv gestiegen. Grund dafür ist laut Ulrich unter anderem der Einstellungsstopp, den die Lufthansa vor zwei Jahren verhängte und der deutsche Piloten in die Schweiz führte. Die Erfolgsquote sämtlicher Bewerber liegt zwischen 8 und 10 Prozent.

Schweizer reichen nicht aus

Die Bewerbungsflut kommt der Swiss nicht ungelegen. Im Gegenteil. «Mit den 250 bis 350 Bewerbungen aus der Schweiz könnten wir unseren Stellen-Bedarf nicht decken», sagt Ulrich. Denn die Airline baut zurzeit kräftig aus, sie erneuert ihre Langstreckenflotte mit den grösseren 777-Maschinen des Herstellers Boeing und ihre Kurzstreckenflotte mit den C-Series der Firma Bombardier. Dies erfordert nicht nur lang-, sondern auch kurzfristig mehr personelle Ressourcen, da die Piloten auf die neuen Modelle umgeschult werden müssen. Hinzu kommt die natürlich Fluktuation bei einem Corps von 1400 Piloten.

«Wir möchten natürlich mehr Schweizer Bewerber», sagt Ulrich. Deshalb fokussiere man die Marketingaktivitäten auch stark auf den heimischen Markt. Allerdings sei die Nationalität im Zweifelsfall sekundär, da beim Pilotenberuf die höchsten Ansprüche an die Qualität im Vordergrund stünden. Beim Kabinenpersonal beträgt der Anteil ausländischer Mitarbeitender 29 Prozent. Auch hier bemüht sich die Swiss um Swissness. Auf der Suche nach neuen Flight-Attendants hat die Airline zuletzt 28 Castings in Schweizer Städten durchgeführt, zwei davon im grenznahen Ausland.

Der Swiss-Pilotenverband Aeropers sieht vor allem bei den Anstellungsbedingungen Handlungsbedarf. «Die hohen Ausbildungskosten sind für viele Interessenten abschreckend, auch weil der Anfangslohn relativ tief ist», sagt Aeropers-Sprecher Thomas Steffen. Die Ausbildung kostet total 130 000 Franken, wobei allerdings 90 000 Franken unter gewissen Voraussetzungen durch Subventionen vom Bund und Kanton Zürich gefördert werden. Die Swiss hatte in den letzten Jahren erfolgreich dafür lobbyiert, dass die Pilotenausbildung staatlich finanziell unterstützt wird. Seit 2016 ist dies der Fall.

Anfangslohn zu wenig attraktiv?

Auf Anfrage beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) heisst es, dass seither 213 Anträge für die Ausbildungsfinanzierung eingereicht wurden, knapp die Hälfte davon von Piloten der Swiss und ihrer Schwesterairline Edelweiss. Für 2016 und 2017 sind laut dem Bazl insgesamt 11,1 Millionen Franken für die Auszahlungen budgetiert. Voraussetzung, dass Subventionen fliessen und der Pilot einen Arbeitsvertrag mit einer Airline hat, der ihm nach der Ausbildung auch tatsächlich eine Anstellung garantiert.

Dem Vernehmen nach verdient ein neu angestellter Swiss-Pilot im ersten Karrierejahr nach Abzug der Ausbildungs- und Lohnkosten weniger als 6000 Franken. Der Aeropers-Verband zeigt sich denn auch unzufrieden: Die heutigen Bedingungen seien angesichts der anspruchsvollen Ausbildung und der Verantwortung im Cockpit nicht verhältnismässig und darüber hinaus auch gar nicht konkurrenzfähig im Vergleich zu Branchen wie den Banken oder Versicherungen, sagt Aeropers-Sprecher Thomas Steffen.

Zurzeit befinden sich die Piloten und das Management in Verhandlungen für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag. Dabei dürften auch diese Punkte zur Sprache gebracht werden. Weder Aeropers noch Swiss möchten sich jedoch zum Inhalt der Gespräche äussern.

«Ich sass im Pyjama im Cockpit»

«Ich sass im Pyjama im Cockpit»

In der Sendung «TalkTäglich» schildert Kapitän Roberto Battaglioni die Sicherheitslandung in Iqaluit. Die besten Momente im Zusammenschnitt.