Die SBB Cargo möchte Hunderte Stellen streichen. Der Chef des SBB-Logistikunternehmens, Nicolas Perrin, kündigte im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» an, dass in den nächsten fünf Jahren jede dritte Stelle abgebaut wird. Als Hauptgründe für diese Massnahme gab Perrin zwei Umstände an. Erstens sei der Verwaltungsapparat – trotz der bereits angekündigten Stellenreduktion von 80 Personen – immer noch zu gross. «Der Abbau wird bis 2020 noch mal mindestens in der gleichen Grössenordnung nötig sein», sagte der Manager.

Zweitens soll SBB Cargo bei der Effizienz zulegen, sich also nicht wie bisher auf so viele einzelne Wagenladungen konzentrieren. «Unsere Rangierteams transportieren teilweise einen oder zwei Wagen», sagte Perrin im Interview. Dies sei nicht effizient. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren etwa 760 Stellen wegfallen. Derzeit beschäftigt die Firma etwa 2300 Angestellte.

«Andreas Meyer hat keinen Plan»

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV ist verärgert über das Vorgehen von SBB Cargo. Philipp Hadorn, SP-Nationalrat SO und SEV-Zentralsekretär, findet deutliche Worte: «Der Abbauplan trägt die Handschrift von SBB-Chef Andreas Meyer. Dieser beweist damit einmal mehr, dass er absolut keinen Plan hat, wie er das Cargo-Geschäft zum Erfolg führen kann.» Für Hadorn ist unverständlich, dass der Kahlschlag mitten in Diskussionen um eine strategische Neuausrichtung von SBB Cargo platze.

Pikant sei zudem, dass Meyer das SBB-Cargo-Präsidium räumen müsse. Daher sei es höchst fragwürdig, wenn dieser jetzt noch einen Jobabbau durchdrücken wolle. Hadorn fordert deshalb eine Denkpause. In den nächsten Tagen will er eine Motion einreichen, die vom Bundesrat verlangt, dass SBB und SBB Cargo «keinerlei strategische Weichenstellungen zur Zukunft von SBB Cargo vornehmen, bis der Verwaltungsrat von SBB Cargo unter der Leitung eines unabhängigen Präsidiums eine neue Strategie entwickelt hat, die der Unternehmung eine nachhaltige Weiterentwicklung sichert».

Laut Hadorn ist der Güterverkehr ein riesiger Wachstumsmarkt. Studien gehen von einer Zunahme von 45 Prozent bis zum Jahr 2040 aus. «Die Entscheidungen der aktuell Strategieverantwortlichen vermochten SBB Cargo bisher nicht in eine nachhaltige, konsolidierte und ausbaufähige Weiterentwicklung mit gesicherten Arbeitsplätzen und zielgemässen, wachsenden Gütervolumen zu führen», schreibt Hadorn in seiner Motion.

Neue Köpfe im Verwaltungsrat von SBB Cargo könnten eine Strategie entwickeln, die die «Ansprüche des Eigners» erfüllten. Laut dem Sozialdemokraten gehörten dazu nicht nur finanzielle Ziele, sondern auch Erwartungen der Bevölkerung, die Güter auf die Schiene zu verlagern und die Einhaltung sozialer Standards. Diese müsse der Bund als Eigner bei SBB und SBB Cargo einfordern.