Als ob sein Leben nicht schon aufregend genug wäre: Hervé Falciani, der ehemalige Angestellter bei HSBC in Genf, wird laut einem Bericht der New York Times rund um die Uhr von drei Leibwächtern geschützt. Alle sollen hinter ihm her sein: Schweizer Strafverfolger, Spanier und jetzt auch Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad.

Die seien scharf auf die verschlüsselten Kundendaten, die Falciani noch auf seinen fünf CDs hat.

Ungehobener Schatz

Nur ein kleiner Teil der 130000 Datensätze sollen bisher ausgewertet worden sein.

Herr Falciani traf die NYT-Journalisten in einem Pariser Bistrot für einen Zwei-Stunden-Lunch. «Für einen Flüchtling, der seit dem Jahr 2008 dauernd unterwegs ist, sieht er erstaunlich entspannt aus», heisst es im Bericht weiter.

Er sei sehr begehrt geworden, sagte Falciani weiter. Er und weitere hatten mit ihren mitgenommenen Daten die Steuerdebatte erst in Gang gebracht und würden jetzt mit ihren Daten den Staaten helfen, ihre Steuerlöcher zu stopfen. «Es herrscht ein Wirtschaftskrieg», sagte Falciani, «und meine Aufgabe ist es, Regierungen bei der Verteidigung zu unterstützen.»

Daten zu verkaufen

Falciani soll laut zwei unabhängigen Quellen im Bericht versucht haben, die Daten an Geheimdienste zu verkaufen. «Er gibt nie etwas umsonst weg», sagte ein ehemaliger Arbeitskollege von Falciani. Nachdem er, Falciani, jahrelang Daten zusammengesammelt hatte, soll er zunächst deutsche und französische Geheimdienste kontaktiert haben, weil er die Daten als eine Art «Rohdatensammlung» betrachtet hatte. In Genf soll er vom israelischen Geheimdienst entführt worden sein. Die hätten sich für die möglichen Geldströme von Terroristen, die sich aus den Datensätzen hätten rekonstruieren lassen, interessiert.

So oder so - Falciani braucht das Geld. In sein Haus sei eingebrochen worden und seine Frau habe ihren Job in einem Schuhgeschäft verloren, nachdem seine notorischen Aktivitäten bekannt geworden waren.