Grandhotel

Hotels leiden auf hohem Niveau

Dolder: «Wir haben eine grössere Problematik, wenn wir mit einem Luxusprodukt in eine rezessive Phase geraten. Damit sind wir nicht allein», sagt Hotel-Direktor Thomas Schmid. (Bilder:zvg)

Dolder

Dolder: «Wir haben eine grössere Problematik, wenn wir mit einem Luxusprodukt in eine rezessive Phase geraten. Damit sind wir nicht allein», sagt Hotel-Direktor Thomas Schmid. (Bilder:zvg)

Im ersten Jahr nach der Neueröffnung betrug die Auslastung im Grandhotel Dolder gerade mal 47 Prozent. Und das «Dolder» ist nicht allein: Nobelhotels spüren die Krise.

Matthias Scharrer

«Wir haben klar Einbrüche gegenüber dem Rekordjahr 2008», sagt Zürich-Tourismus-Chef Frank Bumann, auf die Lage der Zürcher Hotels angesprochen. Überproportional davon betroffen seien 4- und 5-Sterne-Häuser.

Überangebot im Top-Segment

Bumann prognostiziert für 2009 einen Rückgang der Hotel-Logiernächte in Zürich um 10 bis 12 Prozent. In den ersten Monaten des Jahres waren es allerdings schon minus 14 Prozent. «Die Jahres-Prognose ist mit Vorsicht zu geniessen», räumt der Tourismus-Chef ein. Die Schweinegrippe, das Wetter und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung seien erhebliche Unsicherheitsfaktoren. «Wir müssen die Entwicklung ständig beobachten und wenn nötig korrigieren», sagt Bumann.

Sicher ist: Die Wirtschaftskrise trifft den in den letzten Jahren boomenden Zürich-Tourismus hart. Denn: «Mit den USA, Grossbritannien und Deutschland sind unsere wichtigsten Quellenmärkte stark betroffen», so Bumann weiter. Ebenfalls stark rückläufig sei der Geschäftstourismus.

Die Nachfrage sinkt also. Und das Angebot an Hotels der gehobenen Klasse ist in letzter Zeit erheblich gewachsen: Mit dem «Dolder Grand», dem «Radison Blue» am Flughafen und dem Courtyard-Hotel oder «Holiday Inn» in Oerlikon kamen grosse neue Anbieter hinzu. «In einer rezessiven Phase ergibt das ein Überangebot», so Bumann.

«Dolder»-Direktor Thomas Schmid kann ein Lied davon singen. Die Auslastung des vor einem Jahr wiedereröffneten 5-Sterne-Grandhotels hoch über der Stadt beläuft sich auf gerade- mal 47 Prozent. Laut Bumann beträgt die durchschnittliche Hotel-Auslastung in Zürich derzeit noch rund 60 Prozent.

«Wir haben eine grössere Problematik, wenn wir mit einem Luxusprodukt in eine rezessive Phase geraten. Damit sind wir nicht allein», sagte Schmid gestern im Rahmen der Präsentation eines Bildbands über das «Dolder» (siehe separaten Text). Dennoch sprach er von einer guten Bilanz nach dem ersten Jahr. «Unsere qualitativen Ziele haben wir erreicht. Und rein operativ schreiben wir schwarze Zahlen.» Wegen der hohen Zinsen für den 440-Millionen-An- und -Umbau resultiere dennoch ein Verlust von 22,3 Millionen Franken.

Schmid musste seine Prognosen korrigieren: «Ursprünglich rechneten wir mit einer Aufbauphase von zwei bis drei Jahren. Jetzt wird es drei bis vier Jahre dauern, bis wir dort sind, wo wir sein wollen.» Er gehe aber davon aus, dass er auch dann noch das «Dolder» führe und dieses inzwischen nicht den Besitzer wechsle. Und betonte: «Die Auslastung allein besagt nichts. Man muss berücksichtigen, dass unsere Zimmer im Schnitt 866 Franken pro Nacht kosten.» Vor der vierjährigen Baupause habe die Auslastung zuletzt bei 30 Prozent und der Zimmerpreis bei 250 Franken gelegen.

«Hotels, die frisch aufgehen, haben am Anfang immer Probleme», sagt Jörg Arnold, Präsident der Zürcher Hoteliers. Und bestätigt: «Alle 4- und 5-Sterne-Hotels leiden im Moment. Der Markt ist kleiner geworden, gerade im für Zürich wichtigen Geschäftstourismus.»

Tiefere Kategorien profitieren

Profitieren würden davon zum Teil die Hotels tieferer Kategorien, weil Geschäftsreisende von ihren Firmen günstiger einquartiert würden. «Aber es wird insgesamt weniger gereist», betont Arnold. «Ich rechne nicht mit einer Erholung des Marktes vor 2010. Beim ‹Dolder› dürfte es 2011 werden.» Einstweilen leiden die Hotels auf hohem Niveau.

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